Homeoffice

Unternehmen in der Region kehren nicht zurück zur alten Arbeitsweise

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Mo, 27. Juli 2020 um 18:51 Uhr

Südwest

Zu Beginn der Corona-Pandemie haben viele Betriebe im Landkreis auf Homeoffice gesetzt – einige behalten es bei. Viele Mitarbeitende schätzen das. Schwer umsetzbar bleibt es in der Fertigung.

Nichts ist so beständig wie ein Provisorium. Dieser Satz bewahrheitet sich beim Thema Homeoffice in der Region. Im Corona-Lockdown haben viele Arbeitgeber auf die Schnelle Homeoffice auf breiter Front möglich gemacht. Mitarbeiter wurden von daheim aus tätig, um Ansteckungen zu vermeiden. Jetzt hat sich die Lage entspannt, aber noch immer wird viel mehr als zuvor von zu Hause aus gearbeitet. Doch Rückkehrer gibt es auch.

Viele Mitarbeitende schätzen das Homeoffice

"Soweit möglich, wurde bei uns das Angebot zur Arbeit im Homeoffice genutzt", berichtet Christen Merkle, Chef des Hydraulikzylinder-Herstellers AHP Merkle in Gottenheim mit rund 200 Beschäftigten. "Die Resonanz der Mitarbeiter war sehr positiv. Für einige unserer Mitarbeiter ist das Thema familiär bedingt sehr wichtig", so der Unternehmer, "deshalb war das eigentlich eine Win-win-Situation für beide Seiten".

Insgesamt habe das Homeoffice-Angebot aber nur ein kleiner Teil der Gesamtbelegschaft nutzen können. "Das Gros unserer Mitarbeiter arbeitet in der Fertigung und hat damit nicht die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten", erläutert Merkle. Mehr als 90 Prozent der Merkle-Mannschaft mussten weiterhin in den Betrieb kommen, um ihre Aufgaben zu erledigen. In der Verwaltung aber stieg die Zahl der Homeoffice-Nutzer von vier, die schon vor Corona zu Hause im Einsatz waren, auf 15 im Lockdown. "Wir mussten dazu auf die Schnelle die technischen Voraussetzungen schaffen, das war eine Herausforderung", so Merkle.

Homeoffice erfordert Selbstdisziplin und Zeitmanagement

Inzwischen setzt man bei dem Gottenheimer Betrieb auf eine Hybrid-Lösung bei den Bürokräften. "Zwei Präsenztage in der Firma sind seit Anfang Juli wieder erwünscht, um Besprechungen und Projekte wieder intensiver voranbringen zu können", sagt Merkle. Seiner Erfahrung nach habe Homeoffice eben Vor- und Nachteile. "Zu Hause hat man mehr Ruhe, weniger Ablenkung, kann sich besser konzentrieren", sagt der Unternehmer, "und Besprechungen übers Telefon sind oft viel kürzer und effizienter". Andererseits fehle das Miteinander, der menschliche Kontakt. "Die gegenseitige Inspiration und Motivation im Team geht verloren", so Merkle. Und man müsse auf Dauer schon viel Selbstdisziplin im Homeoffice aufbringen.

Auch beim Architekturbüro Hoefler & Stoll in Heitersheim mit rund 20 Beschäftigten wird das Corona-Homeoffice eine Dauereinrichtung bleiben – zumindest für manche Mitarbeiter. "Vor allem unsere Teilzeitkräfte, zumal wenn sie noch kleine Kinder haben, werden Homeoffice wohl weiter nutzen", berichtet Architekt Richard Stoll, der Inhaber des Büros. Man habe schnell mehrere tausend Euro investiert, um die Arbeit aus dem Heimbüro für alle möglich zu machen.

Der kreative Austausch lebt von persönlicher Begegnung

"Wir Architekten brauchen ja große Bildschirme für unsere Arbeit, gerne auch mehrere – doch glücklicherweise hatten viele Mitarbeiter schon passende private Hardware daheim. Die haben wir dann natürlich mitgenutzt", erklärt Stoll. Doch auch im Lockdown seien nie alle Mitarbeiter daheim geblieben. "In unserem Büro ist der Austausch von Ideen, das Teamwork einfach sehr wichtig. Das geht nur, wenn man wirklich beieinander ist", so Stoll. Ihm falle aber auf, dass auch die Bauherren nun plötzlich für alle Wohnungen und Häuser zumindest ein kleines Büro oder wenigstens eine Büroecke verlangen. "Das hat sich rapide gewandelt", sagt Stoll. Selbst Bauträger wollen das für alle Einheiten in ihren Mehrfamilienhäusern.

"Das Thema Homeoffice haben wir nur ansatzweise genutzt." Henning Johanßen, Badischer Winzerkeller
Auf der anderen Seite gibt es auch Arbeitgeber, die nicht voll Begeisterung auf die Homeoffice-Karte setzen. "Das Thema Homeoffice haben wir nur ansatzweise genutzt", berichtet etwa Henning Johanßen, Sprecher des Badischen Winzerkellers in Breisach. "Die Rebarbeit unserer Mitgliedsbetriebe lässt sich ohnehin nicht im Homeoffice regeln."

Von den 150 Mitarbeitern in Breisach seien zwei Drittel in der Produktion im Groß- und Kleingebindekeller sowie in der Technik, Abfüllung und Lagerung tätig – auch keine Kandidaten fürs Homeoffice. Selbst in der Verwaltung habe man nur Schlüsselpositionen für den Homeoffice-Zugang fit gemacht. Man setze auf die Arbeit vor Ort bei Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln. Allerdings habe man virtuelle Weinproben eingeführt.

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