Südbaden

Unterwegs im Rettungshubschrauber Christoph 54

Michael Saurer

Von Michael Saurer

Sa, 07. November 2015 um 00:00 Uhr

Südwest

Wir haben die dreiköpfige Besatzung des Freiburger Rettungshelikopters Christoph 54 im Einsatz begleitet. Eine Reportage über Menschen, deren Einsatz oft über Leben und Tod entscheidet.

Manchmal sind es wenige Zentimeter, die über Leben und Tod entscheiden. Es war ein warmer Junitag 2014, als die Besatzung von Christoph 54, dem in Freiburg stationierten Rettungshubschrauber, Kurs auf die Höhenzüge des Kandels nahm. Ein Radfahrer war von einem Bus angefahren, von diesem überrollt worden und lag nun schwerstverletzt auf der Straße und rang mit dem Tod. Für die dreiköpfige Besatzung des Helikopters ein schwieriges Terrain – auf der serpentinenreichen Strecke des Höhenkamms gab es für die schwere Maschine mit dem ausladenden Rotor kaum einen Platz zum Landen.

Links und rechts der Straße standen Bäume, zudem war die Unfallstelle noch nicht gesichert und die Straße somit nicht gesperrt. Vorsichtig flog Pilot Oliver Barth die Strecke entlang – und entschied sich schließlich, am Rande einer kleinen Haltebucht zu landen. Nur ein Armbreit trennten den Hubschrauber von den hohen Fichten links und rechts der Straße. Wäre die Stelle nur ein wenig schmaler gewesen, hätten die Rettungskräfte nicht landen können.

Nicht nur für Unfallopfer und Schwerstkranke geht es in solchen Situationen um die eigene Gesundheit, auch die Crew des Helikopters bewegt sich oft am Limit: fliegerisch, körperlich und vor allem psychisch. Um die Belastungen und die oft grauenhaften Bilder der Einsätze verarbeiten zu können, braucht es eine harmonische Gemeinschaft – und feste Rituale. Und wenn es nur ein gemeinsames Frühstück ist.

Es ist Mittwoch, kurz nach acht Uhr in der Station der DRF Luftrettung am Freiburger Flugplatz. Pilot Oliver Barth, Rettungssanitäter Florian Kramer und Notarzt Frank Lerch sitzen in der kleinen Küche. Frische Brötchen stehen auf dem Tisch, der Geruch von Kaffee liegt in der Luft. "Das ist uns wichtig", sagt Oliver Barth. "Es ist oft die einzige planbare Mahlzeit des Tages." Sanitäter Kramer nickt. "Aus solchen Momenten schöpft man auch Kraft." Kraft, die sie brauchen, um die Bilder des Vortags aus dem Kopf zu bekommen und um sich auf die, die an diesem Tag vor ihnen liegen, einzustellen. Jederzeit könnte über den Piepser, den die drei Männer am Gürtel tragen, ein Einsatz gemeldet werden.

Doch noch ist es ruhig. Genug Zeit für das Frühstück und anschließenden Papierkram. Pilot Barth kümmert sich derweil ums Wetter. Es ist ein kalter, aber herrlicher Herbsttag, der Himmel leuchtet strahlend ...

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