Fernwanderin im Interview

"Plattfüße, X-Beine, Übergewicht – und ich bin trotzdem die meistgewanderte Frau der Welt"

Sonja Zellmann

Von Sonja Zellmann

So, 23. Januar 2022 um 10:57 Uhr

Panorama

BZ-Plus Christine Thürmer hat ihren Beruf im Management aufgegeben – für ein Leben unter freiem Himmel und "im Dreck", wie sie selbst sagt. Über Streckemachen, Schokolade und den Schweinehund.

Die Zahlen sprechen für sich: 58 180 Kilometer zu Fuß, 30 000 Kilometer mit dem Rad und 6500 Kilometer mit dem Boot hat Christine Thürmer (54) seit 2004 zurückgelegt. Sie ist mehrmals quer durch die USA und Europa gelaufen, von Mexiko nach Kanada, von Spanien nach Bulgarien, sie hat lange Strecken in Australien, Chile, Israel zurückgelegt, war in Neuseeland und Japan – und gilt als "meistgewanderte" Frau der Welt. Am 4. Februar hält Thürmer, die gerade an ihrem vierten Reisebuch schreibt, einen Vortrag auf dem Freiburger Mundologia-Festival. Ein Gespräch über ein Leben unterwegs und draußen.
BZ: Frau Thürmer, wo sind Sie heute, am 5. Januar?
Thürmer: Im Moment bin ich in Berlin-Marzahn. Hier wohne ich in so einem Hardcore-Plattenbau, was den Vorteil hat, dass die Miete wahnsinnig günstig ist. Ich bin ja mindestens sechs Monate im Jahr unterwegs, die andere Zeit bin ich hier, plane Touren, schreibe Bücher und halte Vorträge. Es ist ja Quatsch, eine teure Wohnung ein halbes Jahr lang leer stehen zu lassen.
BZ: Sie sind jetzt schon seit gut 15 Jahren unterwegs, hatten dabei zeitweise auch gar keine Wohnung. Warum nun doch?
Thürmer: Ich war tatsächlich zehn Jahre lang "obdachlos". Meine davor letzte Wohnung hatte ich 2008 aufgegeben, als mir klar wurde, dass ich quasi Dauerreisende bin. Danach habe ich mir, wenn ich in Deutschland war, immer ein WG-Zimmer organisiert. Als ich eines Tages aber statt auf einer Wanderung bei einer Not-OP im Krankenhaus landete, beschloss ich, dass ich einen festen Ort brauche, an dem ich wohnen kann, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert. Das hat sich in Corona-Zeiten ausgezahlt, denn in den letzten zwei Jahren bin ich oft irgendwo hängengeblieben und musste nach Hause.
Fotos: Erstaunliche Bilder des Vulkanausbruchs nahe Tonga
BZ: Corona hatte und hat also auch Auswirkungen auf ihr Leben als Fernwanderin? Man könnte ja meinen, draußen laufen geht immer.
Thürmer: Nein, das war in der Tat schwierig. Ich bin 2021 so viel geflogen wie noch nie, war in sechs verschiedenen Ländern. Im März bin ich an der deutsch-polnischen Grenze aufgebrochen, um nach Finnland zu laufen, kam aber gerade mal bis Litauen. Dort hätte ich in Quarantäne gemusst, daher ging’s zurück nach Hause. Ich bin dann durch Kreta gewandert, da es in Griechenland keine Einreisebeschränkungen gab. Ich war in Rumänien, im Baltikum, auf den Kanaren – und zwischendurch zur Impfung in Berlin. Es ...

Jetzt diesen Artikel lesen!

Entscheiden Sie sich zwischen kostenloser Registrierung und unbegrenztem Zugang, um sofort weiterzulesen.

Gleich können Sie weiterlesen!

Exklusive Vorteile:

  • 5 Artikel/Monat lesen - inkl. BZ-Plus-Artikel und BZ-Archiv-Artikel
  • Redaktioneller Newsletter mit den wichtigsten Nachrichten aus Südbaden
  • Qualitätsjournalismus aus Ihrer Heimat von 150 Redakteuren und 1500 freien Journalisten. Verwurzelt in der Region. Kritisch. Unabhängig.

Registrieren

kostenlos

  • 5 Artikel pro Monat lesen

  • Redaktioneller Newsletter

  • Nutzung der Kommentarfunktion

Die eingegebene E-Mail Adresse ist bereits registriert.
Hier können Sie sich anmelden
Diese E-Mail-Adresse ist bereits registriert aber nicht aktiv.
Aktivierungslink erneut zuschicken

BZ-Digital Basis

12,40 € / Monat

  • Lesen Sie alle Artikel auf badische-zeitung.de
  • Unbegrenzter Zugang zur News-App mit optionalen Push-Benachrichtigungen
  • Entdecken Sie Südbadens kulinarische Welt mit dem BZ-Straußenführer, BZ-Restaurantführer und BZ-Vesper
  • Abonnenten der gedruckten Zeitung erhalten BZ-Digital Basis zum exklusiven Vorteilspreis

Anmeldung