Betörende Düfte

URTEILSPLATZ: Es liegt was in der Luft

Hagen Späth

Von Hagen Späth

Di, 04. Mai 2021

Lahr

Hat die Gattin ein neues Parfüm? Oder ist es der Frühling? Womöglich der Apfelbaum im Garten, der trotz des kalten Nordwinds so voll erblüht ist wie seit vielen Jahren nicht mehr? Oder die Glyzinie im Hof, deren Blüten sich erst jetzt so richtig entfalten und deren Duft durch die geöffnete Haustür in die Wohnung strömt? Oder irgendwie alles zusammen? Nein, nichts von alledem. Der süße, betörende, fast zu voluminöse Duft stammt von einer schmalen Blüte des Drachenbäumchens, das uns seit Jahren begleitet, das im Winterhalbjahr im Schlafzimmer steht und im Sommer immer raus darf in den Garten. Das immer dann gekürzt wird, wenn es die Zimmerdecke erreicht hat und das doch ohne Klagen aufs Neue bis zur Zimmerdecke wächst. So unscheinbar steht es in seiner Ecke, dass niemand jemals auf die Idee kam, dass dieses Gewächs auch einmal blühen könnte. Und jetzt blüht es und verströmt einen Duft, so schwer und stark wie alle Apfelbäume, Glyzinien und Jasmin zusammen. Fast schon zu penetrant. Ob wir ihn dieses Jahr vielleicht doch früher rausstellen?