Washington

US-Museum zeigt Müll, der am Strand gefunden wurde

dpa

Von dpa

Mo, 04. Januar 2016 um 00:50 Uhr

Panorama

Von Puppenköpfe bis zu Bowlingkugeln: Im Nordwesten der USA ist aus 50 Jahren Strandspaziergängen ein skurriles Museum entstanden. Wir haben es besucht.

Es sieht nur auf den ersten Blick aus wie eine Müllhalde. Tatsächlich ist alles fein säuberlich geordnet und das meiste auch akribisch beschriftet. So gehört es sich ja auch für ein Museum – selbst wenn alle Exponate nur das sind, was andere als Müll erachten. John Anderson aus Forks, Bundesstaat Washington, ganz im Nordwesten der USA, hat mehr als 50 Jahre alles aufgehoben, was er am Strand gefunden hat. Jetzt hat er damit ein ungewöhnliches Museum eröffnet.

"Mein Vater hat tatsächlich einmal Dinosaurierknochen gefunden. Das wollte ich auch, und deshalb habe ich, seit ich acht bin, die Strände abgesucht", sagt John Anderson. Spektakuläres fand er damals nicht, aber sein Vater sagte, er solle doch mit einfacheren Sachen anfangen. "Feuerzeuge! Also habe ich gesucht und manchmal fünf an einem Tag gefunden." Es wurde der Grundstock einer Sammlung, die heute die große Arbeitshalle des Ex-Klempners in Forks, 200 Kilometer westlich von Seattle, füllt.

Die Feuerzeuge liegen in Reih und Glied, daneben Sonnenbrillen, Taschen und Kugelschreiber. Ein ganzer Haufen Schuhe ist nach Sandalen, Straßen- und Turnschuhen sortiert. Von seltsamen Puppenköpfen hat er gleich zwei Dutzend, die körperlos im Regal liegen und den Besucher bizarr anstarren. "Da ist in den 70er Jahren ein ganzer Container mit diesen Puppen über Bord gegangen", erklärt er. "Na ja, und ich fand die Köpfe." 1983 war es ein Container mit Kamerataschen, elf Jahre später einer mit Eishockeyhandschuhen.

"Beachcomber", Strandgutsammler, nennt sich Anderson. Seine Frau lässt ihn gewähren, solange nichts ins Haus kommt. Was immer er fand, liegt nun in seinem Museum. Vieles hat eine eigene, manches eine tragische Geschichte. "Der japanische Tsunami von 2011 kam ein paar Jahre später hier an", sagt er, und es klingt traurig. Die Flutwelle nach dem Tohoku-Erdbeben, bei dem 20 000 Menschen starben, hatte Millionen Sachen ins Meer gespült – vieles tauchte später an der anderen Seite des Pazifiks wieder auf. Ein Tretauto ist dabei, ein großer Teddybär, religiöse Figuren und Schuhe, immer wieder Schuhe. "Ich habe in dieser Tsunami-Ecke nur Dinge, die ich sicher auf die Katastrophe zurückführen kann. Ich wünschte, ich würde auch bei jedem die Geschichte dahinter kennen."

Bei anderen kam die Geschichte gleich mit. "Ich habe etwa ein Dutzend Mal eine Flaschenpost gefunden. So richtig alt war keine, aber eine immerhin sechs Jahre." Die kam von einem Hannoveraner, ins Wasser geworfen während einer Kreuzfahrt mit der Bitte um Antwort. Er habe ihm sofort geschrieben, sagt Anderson. Und, hat der Niedersache geantwortet? Der 61-Jährige schüttelt enttäuscht den Kopf. "Nein. Vielleicht war der zu beschäftigt." Das Lächeln kehrt zurück, als er andere Antworten zeigt: "Kinder, deren Flaschenpost ich finde, schicken mir manchmal so etwas." Strahlend zeigt er Bilder, auf denen Boote oder Fische gemalt sind. "Ist das nicht schön?"

Zu Andersons außergewöhnlichsten Objekten gehört das Teil einer Boeing 727, eines von einer Rakete und Bowlingkugeln, gleich mehrere. "Ich habe keine Ahnung, wie man eine Bowlingkugel verliert, und ich weiß auch nicht, wie so etwas angeschwemmt werden kann. Aber ich habe über all die Jahrzehnte mehrere gefunden." Einen versteinerten Walknochen und einen Mammutzahn hat er auch entdeckt. Auf seinen eigenen Dinosaurierknochen-Fund wartet er noch.