US-Präsident Donald Trump (k)eine Frau?

Hrvoje Miloslavic

Von Hrvoje Miloslavic

Mo, 26. Oktober 2020

Wehr

Autor Justus Ammann hat in der Wehrer Mediathek sein neues Buch vorgestellt / Thriller mit Lokalkolorit.

. Im Rahmen der Herbstlesungen 2020 gastierte Justus Ammann in der Wehrer Mediathek. Neben Kostproben aus seinem Buch "Abgedreht – Oder: Warum Donald Trump doch (k)eine Frau ist" gab der als Werbetexter und freier Autor arbeitende gebürtige Schopfheimer einige literarisch verarbeitete Gedanken zum Besten, die auch als Weblogs auf seiner Homepage zu finden sind.

Was liegt für einen Schriftsteller näher, als sich selbst und seine unterschiedlichen charakterlichen Facetten – gerade in Zeiten von Corona – über das geschriebene Wort vorzustellen? Als der "Ironische" stellte Ammann die Frage, wo denn auf einmal die vielen Desinfektionsmittel herkommen, die vor einigen Monaten noch als Mangelware galten.

Zur Illustration seines bösen Verdachts hatte Ammann sogleich eine Geschichte parat: Ein Bader und ein Pfarrer sollen im Mittelalter während der großen Pestepidemie durch die Lande gezogen sein. In Flacons abgefüllte Flüssigkeit priesen sie als Wasser aus dem Heiligen Land an, das gegen Krankheiten, ja selbst gegen die Pestilenz, schützten sollte. Was aus den beiden geworden ist, sei nicht gesichert, erklärte Amman.

Die einen sagen, sie seien reich geworden, andere sagen, sie seien irgendwann von einer aufgebrachten Menge gelyncht worden, da sich herausgestellt habe, dass das angebliche Wunderwasser aus heimischen Gewässern stammte. Die Moral der Geschichte: Geschadet habe das Wasser nicht, wenn es auch nicht geholfen habe. "So viel zum Thema Desinfektion", so Ammann.

Von Denunziantentum und Menschlichkeit

Zu erleben war an diesem Abend auch der "zornige" Autor: "Blockwarte unter uns", klagt Ammann in einem weiteren Blog. Den aus der deutschen Geschichte herrührenden Inbegriff des systemloyalen Denunziationseifers wittert Amman allenthalben am Werk. Leiste sich etwa ein Politiker in Zeiten der Corona-Pandemie das "Fehlverhalten", einen Freund zu umarmen, ließen die Kritik "aufmerksamer Bürger" und Medien-Shitstorm nicht lange auf sich warten. "Der liberale Charakter wurde gekapert vom Rigorismus", so Amman. "Viele Regeln sind wichtiger als Menschlichkeit."

Dann war es Zeit, sich dem Hauptwerk der Lesung zu widmen: "Ein nicht ganz ernst gemeinter Thriller", erfährt der Leser anhand des Untertitels des Buches. Die Handlung: Klaus aus Gersbach und Amon aus Hamburg scherzen via Facebook. Als Psychologen glauben sie Hinweise darauf gefunden zu haben, dass es sich beim US-Präsidenten Donald Trump um eine operativ umgewandelte Frau handele. Weil nun die Saudis darüber Bescheid wüssten, werde die US-Regierung erpresst. Kaum ist der spaßige Chat aber beendet, geraten beide in Lebensgefahr. Agenten verschiedener Geheimdienste geben sich in einer turbulenten Agentengeschichte plötzlich die Klinke in die Hand.

Große Literatur zu verfassen, war nicht die Absicht des Autors. Amman ist es jedoch gelungen, eine spannende, witzige und auch in sprachlicher Hinsicht genüssliche Agentengeschichte mit charmantem Lokalkolorit zu entwickeln. Für das ironische, augenzwinkernde Flair sorgen nicht zuletzt Orte der Handlung wie das abendliche, verregnete Gersbach, die Bad Säckinger Holzbrücke oder der Burghof in Lörrach. Elemente einer bisweilen leicht grotesk anmutenden Parodie sind freilich nicht unbeabsichtigt.

Die Gäste in der Mediathek kamen in den Genuss eines unterhaltsamen Abends, den der Autor mit seiner natürlichen und kommunikativen Art zusätzlich zu bereichern wusste.

Nähere Infos: http://www.justus-ammann.de sowie http://www.mediathek-wehr.de