Offenburg

Vandalismus: Der Andres ist erneut des Stocks beraubt

bz, hrö

Von BZ-Redaktion & Hubert Röderer

Mo, 14. Oktober 2019 um 17:32 Uhr

Offenburg

Dem Andres fehlt wieder die Stütze. Erneut wurde der Bronzefigur in der Steinstraße seine bronzene Gehhilfe entrissen.

Zum zweiten Mal wurde der Gehstock der Offenburger Bronzestatue "Andres" in der Fußgängerzone entwendet. Im Vergleich zur Tat vom April 2019 hat die Figur dieses Mal laut einer Pressemitteilung des städtischen Fachbereichs Kultur erheblichen Schaden genommen, der sich noch nicht beziffern lasse. Der Stock wurde augenscheinlich mit roher Gewalt entfernt. Eine Anzeige seitens der Stadt Offenburg wird erfolgen, heißt es in der Mitteilung.

Bereits am Wochenende des 13. und 14. Aprils 2019 war der Stock schon einmal gestohlen worden. Der oder die Täter hatten laut Polizei nicht nur den etwa 110 Zentimeter langen Gehstock gewaltsam abgetrennt, sondern diesen letztlich auch entwendet. Der Stock von Andres, der so populären, an der Ecke Steinstraße/Malergasse stehenden Bronzefigur, die dem Großvater von Verleger Hubert Burda, Franz Burda I., nachempfunden ist, tauchte damals aber schon einen Tag später wieder auf. Mitarbeiter der Technischen Betriebe Offenburg hatten ihn am Montagmorgen nur rund 300 Meter vom Standort der Statue gefunden.

Stock und Statue wurden daraufhin wiedervereint. Die Täter wurden nie ermittelt.

Ob sich nah dem neuerlichen Vandalismus das fehlende Teil erneut findet, ist fraglich.

Die Figur war am 23. Februar 2006 in der Steinstraße aufgestellt worden. Es handelt sich um ein Denkmal für einen beliebten Offenburger Fasnachter.

Am 2. Februar 1899 war die Nummer 1 des Wochenblattes "D’r alt Offeburger" erschienen. Adolf Geck, Verleger und späterer SPD-Reichstagsabgeordneter, trat als Herausgeber auf. Er ließ in dem Blättle einen alten Offenburger zu Wort kommen, der sich mit dem Leben und den Menschen im Städtle kritisch, aber auch humorvoll auseinandersetzte. Die Rolle des "Alt Offenburger" war nicht neu, wie Horst Junker, Ehrenzunftmeister der "Althistorischen" und Autor des Buches "Schelle, Schelle, Sechser", 1994 schrieb: Adolf Geck hatte sie schon in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts für seinen "Volksfreund" erdacht, eine sozialistische Zeitschrift.

Dieser Figur legte Geck nur allzu gerne und allzu angriffslustig seine Meinung in den Mund – sie wurde Namensgeber des neuen Wochenblattes. Und betrat alsbald leibhaftig auch die närrische Bühne: Der "Glücke-Sepp" präsentierte sich bei der Redoute, dem bis heute stattfindenden närrischen Possenspiel, als "D’r Alte". In der Ausgabe Nr. 181 des Wochenblattes vom 2. November 1902 meldete sich zum ersten Mal das couragierte weibliche Pendant zu Wort: die "Veef". Seither ist auch der Name ihres "Alten" bekannt: Andres.

Schon bald nach der Wende zum 20. Jahrhundert bekleidete Franz Burda I. (1873 bis 1929) die Rolle des Andres, an seiner Seite Minna Koch. Auch dank seines verschmitzten, schalkhaften Stils, so Fasentexperte Horst Junker, "erlebte das Paar große Erfolge".

Die Plastik in der Steinstraße, mit den Gesichtszügen von Franz Burda I., der aus Böhmen eingewandert war und in Offenburg die erste Burda-Druckerei eröffnete, steht seit Februar 2006 dort. Der Münchner Bildhauer Nikolai Tregor hatte die Figur im Auftrag der Althistorischen Narrenzunft und von Hubert Burda, dem Enkel von Franz Burda I., geschaffen. Die lebensgroße Bronzefigur misst mit Zylinder 1,70 Meter. Den Kopf will Tregor nach Fotografien und Zeichnungen modelliert haben. Tregor hat unzählige weitere Porträts geschaffen, darunter auch eines von Helmut Fischer, Darsteller des "Monaco Franze", von Hitler-Attentäter Georg Elser, von Sophie Scholl, Karl Böhm, Franz-Josef Strauß oder auch von Rosi Mittermayer. Einen gewissen Bekanntheitsgrad hatte Tregor auch als "Enfant terrible" der Münchener Kunstszene.

Hubert Burda persönlich hatte damals, am Schmutzige Donnerstag 2006, die Skulptur enthüllt. Sein Großvater sei ein großartiger Erzähler gewesen und von großer Musikalität. Der damalige Kulturbürgermeister Jopen wünschte seinerzeit: "Mögen die Offenburger ihren Andres lieben und sich durch seinen Anblick das ganze Jahr auf die nächste Fasent freuen." Nach 13 Jahren lässt sich sagen: Sie tun es – und wie!

Der Andreas ist eines der meistfotografierten Kunstwerke von Offenburg.