Ein Überblick

Vereine im Landkreis Lörrach bieten Hilfen für Menschen in Afrika

Barbara Ruda

Von Barbara Ruda

Di, 05. Januar 2021 um 10:57 Uhr

Lörrach

Im Kreis Lörrach gibt es einige Vereine, die Projekte in Afrika unterstützen. Wegen der Pandemie gab es 2020 kaum Veranstaltungen, um Spenden zu sammeln. Das Geld wird aber dringend benötigt.

Die Auswirkungen der Pandemie sind in Afrika oft noch dramatischer als in Europa. Die Hilfsprojekte vor Ort laufen weiter und bieten Unterstützung, wie ein Überblick zeigt.

F.A.S.S. Togo-Rümmingen
Der 2011 gegründete Verein F.A.S.S. Togo-Rümmingen (65 Mitglieder) unterstützt Waisen und sozial benachteiligte Kinder in der Präfektur Vo in der ehemaligen deutschen Kolonie Togo. Sie sollen die Schule besuchen, eine Ausbildung machen oder studieren können. Mittlerweile werden 275 Kinder gefördert. Hierzu wird das Schulmaterial inklusive Schultaschen und Schuhen vor Ort gekauft, die Schuluniformen werden von lokalen Schneidern hergestellt. Alles wird vor Beginn des Schuljahres an die Kinder verteilt, die Vorsitzende Afi Tschöpe ist dann normalerweise auf eigene Kosten vor Ort. Während des Schuljahres stehen den Kindern ehrenamtliche Ansprechpartner vor Ort zur Verfügung. Diese übernehmen auch die Bezahlung des Schulgeldes. Die Studenten erhalten die Studiengebühren.

Darüber hinaus hat der Verein auch Sanierungsarbeiten durchgeführt und Neubauten erstellt. So wurden seit 2014 an verschiedenen Schulgebäuden die Dächer instand gesetzt und Toiletten gebaut. Im Jahre 2018 konnte der Neubau eines Schulgebäudes mit drei Klassenzimmern realisiert und zu Beginn des Schuljahres 2019/2020 feierlich eingeweiht werden. Um dies alles finanzieren zu können, bietet der Verein im Landkreis bei diversen Gelegenheiten afrikanisches Essen auf Spendenbasis an. Es werden auch Benefizkonzerte veranstaltet.
Weitere Infos auf der Homepage des Vereins F.A.S.S Togo Rümmingen

Rainbow House of Hope, Schopfheim/Wiesental
Das Rainbow House of Hope in Kampala, der Hauptstadt Ugandas, fördert unter lokaler Leitung mehr als 100 Kinder und Jugendliche, die aus schwierigsten Verhältnissen kommen – egal ob behindert oder arm, Flüchtling oder Analphabet. Bildung, berufsvorbereitende Kurse im Handwerk und kulturelle Angebote wie Musik, Sport, Tanz und Theater unterstützen sie auf ihrem Weg in eine bessere Zukunft, stärken das Selbstbewusstsein und fördern ihre Talente. Gegründet wurde es über eine Nachbarschaftsinitiative unter Leitung von Sozialarbeiter Michale Mwase, der heute Geschäftsführer ist. Seit 2006 ist der Schopfheimer Verein Rainbow House of Hope Uganda mit der Vorsitzenden Susanne Fink Kooperationspartner. Projektleiter kommen regelmäßig zu Schulbesuchen und Vorträgen nach Deutschland.

Das Rainbow House of Hope ist seit Kurzem vom Staat Uganda als Ausbildungsträger anerkannt und kann nun offiziell ausbilden mit einem Abschluss nach vier Monaten. Derzeit befinden sich 25 Jugendliche in der Trikotagenherstellung, etwa für Schuluniformen. Auf dem neuen, bereits fertig planierten und terrassierten Gelände Maya, das 1,6 Hektar umfasst, soll die Nutzung künftig so aussehen: 0,4 Hektar für Landwirtschaft, 0,8 Hektar für ein Fußballfeld, 0,2 Hektar für Gebäude und weitere 0,2 Hektar für sonstiges. Viele Bäume wurden gepflanzt, eine Zisterne und ein Fäkalientank gebaut. Der Schweine- und Hühnerstall ist in Betrieb, der Umzug steht demnächst an. Während des Lockdowns, der immer noch andauert, wurden und werden viele Familien durch Lebensmittel, mobile Wasserstationen und Seife unterstützt, ebenso 21 Mitarbeitende. Für die Kinder wurde ein mobiles Klassenzimmer eingeführt.
Weitere Infos auf der Homepage des Vereins Rainbow House of Hope

FuFu Culture Togo, Lörrach
Der Verein FuFu Culture (For us for you – von uns für Dich) wurde 2016 von Marc Kurfess und Mitstreitern mit dem Ziel gegründet, ehrenamtlich die schwierigen Lebensbedingungen von Menschen in Westafrika, vor allem Togo, zu verbessern. Die Nicht-Regierungs-Organisation mit Sitz in Lörrach hat langjährige Beziehungen mit zuverlässigen Ansprechpartnern in Togo. Der Verein will Kindern eine Lebensperspektive vor Ort ermöglichen. Unweit vom Zentrum der Hauptstadt Lomé befindet sich eine Müllhalde, auf der viele allein lebende Kinder und Jugendliche versuchen, sich durchzuschlagen. In unmittelbarer Nähe gibt es eine private Schule, die sich um diese Straßenkinder und um Kinder aus sozial benachteiligten Familien kümmert. Die Lehrer bieten ihnen Unterkunft und eine regelmäßige Mahlzeit. FuFu übernimmt das Schulgeld für diese "vergessenen" Kinder.

Seit seiner Gründung hat der Verein verteilt über ganz Togo knapp 4000 Schulbeiträge bezahlt. Für Grundschüler kosten die etwa 30 Euro pro Jahr, für höhere Schulen zwischen 100 und 120 Euro. In Tandjouaré, wo die Gesundheitsversorgung auch für afrikanische Verhältnisse mehr als dürftig war, half Fufu mit Betten für die Krankenstation. Die Arbeit des Vereins konzentriert sich derzeit stark auf das Dorf Kante im Norden des Landes. Auch dort werden Schulbeiträge für Kinder bezahlt. FuFu kümmert sich außerdem um die Wasserversorgung der Bevölkerung, die dort, wie Marc Kurfess berichtet, besonders in der Trockenzeit katastrophal ist: "Die Leute trinken aus Regenpfützen." Deshalb soll dort ein Brunnen gebaut werden – noch bevor auf dem vom Verein gekauften Grundstück eine Schule für 800 Kinder errichtet wird – eines der großen Projekte von FuFu. Marc Kurfess reist selbst immer wieder nach Togo. Dem Verein fehlen derzeit aufgrund der Pandemie nicht bloß Spender, sondern auch helfende Hände.
Weitere Infos auf der Homepage des Vereins FuFu Culture Togo

Fair Aid, Rheinfelden
Den Verein Fair Aid mit Sitz in Rheinfelden haben Jörg Mauch und Mitstreiter nach einer Kenia-Reise 2006 gegründet mit dem Hauptziel, das Aidsprojekt "Choice for Life" in Kenia zu unterstützen. Für 90 Prozent des Budgets kommt der Verein heute auf. Der Vorsitzende hebt das Motto "Das Leben wählen" hervor. Gerade mit Aids seien die Menschen sehr hoffnungslos und damit auch demotiviert. "Wir wollen die Menschen wieder reaktivieren und ihnen die Möglichkeit geben, ihr Umfeld positiv zu verändern." Bei Kindern geschieht das mittels der Schulen, bei Familien durch Kleinkredite, zum Beispiel für Feuerholzverarbeitung, eine Maismühle oder einen Kiosk. Aus Deutschland kam eine Anschubfinanzierung, ansonsten funktioniert das System über Genossenschaften.

Man hat auf diese Weise mit wenig Geld eine riesige Wirkung erzielt. Die Menschen in Kenia leisten etwas Eigenes, statt Spendengelder zu bekommen. Überhaupt versteht sich Fair Aid als rein kenianisches Projekt mit einer kenianischen Projektmanagerin sowie lokalen Sozialarbeitern und Ehrenamtlichen an drei Standorten im Land. Der Verein unterhält keine eigene Schule und kein eigenes Kinderheim. Die 180 Kinder, die gegenwärtig im Projekt sind, leben in Pflegefamilien und gehen auf unterschiedliche Schulen. Aufgabe des Rheinfelder Vereins ist es, die Arbeit vor Ort zu ermöglichen. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde am 12. Dezember ein Online-Benefizabend durchgeführt. Die größte finanzielle Last für Fair Aid sind die Schulgebühren. 2021 will das Projekt weitere 20 Kinder aufnehmen.
Weitere Infos auf der Homepage des Vereins www.fair-aid-ev.de

Dikome/Kamerun-Verein, Schopfheim
Aus einer Direktpartnerschaft des evangelischen Kirchenbezirks Schopfheim mit dem kamerunischen Regenwald-Kirchenbezirk Dikome entstand 1998 der Dikome/Kamerun-Verein Schopfheim. 1993 war Dekan Helfried Heidler auf seiner Kamerunreise aufgefallen, dass die Kleinbauern im Dikomedistrikt ihren ungeschälten Rohkaffee verheizten, um damit Wasser zu kochen, weil der Kaffee aufgrund einer Wirtschaftskrise nicht mehr abgesetzt werden konnte. Seit 1996 vermarktet der Verein den Regenwaldkaffee direkt unter dem Namen Glory-Halleluja-Kaffee. Außerdem entwickelt er mit seinen 60 Mitarbeitern vor Ort die Trinkwasserversorgung weiter und fördert die schulische Bildung. Zirka 6000 Menschen erzielen vom Kaffeeverkauf ihr Einkommen. Die Kleinbauern erhalten vom Verein Höchstpreise für ihren Rohkaffee. Zirka 400 Tonnen Rohkaffee gelangten so über die Jahre ins Wiesental und ins Markgräflerland.

Unter den schwierigen Bedingungen im seit 2016 von einem Bürgerkrieg heimgesuchten Land traf Anfang November 2020 die Kaffeeernte in Schopfheim ein – insgesamt fast 19 Tonnen, verpackt in 308 Säcken. Das Herausbringen des Rohkaffees war eine gefährliche Angelegenheit, das Abfüllen und die Verzollung zogen sich wochenlang hin, wie der Vorsitzende Richard Renz berichtet. Der Dikome/Kamerun-Verein Schopfheim hofft, in diesem Jahr die Kaffeemenge für zwei Container aufkaufen zu können. Mit der diesjährigen Lieferung und den Restbeständen kann in Langenau zwei Jahre lang weiter geröstet werden.
Weitere Infos unter gloryhalleluja-kaffee.de sowie unter dikome-kamerun.de