Sprachkritik

Verfall schon seit vielen Jahren zu beobachten

Manfred Kruppeit

Von Manfred Kruppeit (Freiburg)

Mo, 18. Mai 2020

Leserbriefe Freiburg

Zum Bericht über die neue Uni-Einrichtung "Institute for Disease Modeling and Targeted Medicine"(BZ vom 16. April) und einen Leserbrief über den "englischen Bandwurmnamen" (BZ vom 13. Mai).

Der englische Bandwurm-Name wundert mich eigentlich gar nicht mehr. Der Verfall der deutschen Sprache ist doch seit vielen Jahren zu beobachten. Neben Schwächen in Rechtschreibung, Grammatik, Interpunktion und der Verwendung von Anglizismen ist in zunehmendem Maße auch die Verbreitung von "Gender-Deutsch" zu beobachten, insbesondere durch das substantivierte Partizip Präsens.

Das Paradebeispiel sind die "Studierenden" statt "Studenten", obwohl nach Umfragen mehr als zwei Drittel der Studentinnen dies für völligen Blödsinn halten. Dies auch, weil das Partizip Präsens eine gerade aktuell stattfindende Tätigkeit beschreibt.

Der Student oder die Studentin wird ja nicht immer studieren, sondern auch mal spazieren gehen oder gemütlich ein Bier trinken, während Studierende logischerweise studieren.

Auch in dieser Zeitung greift das substantivierte Partizip Präsens zu Gender-Zwecken leider immer mehr um sich, allerdings völlig willkürlich und auch inkonsequent.

Aktuelle Beispiele: Am 7. Mai bezeichnete der sonst vorbildlich schreibende Uwe Mauch die Bevölkerung des Stadtteils Vauban als "Bewohnende" anstatt "Bewohner", und in der heutigen Ausgabe werden die Arbeiter einer Baustelle als "Arbeitende" bezeichnet, an anderer Stelle inkonsequenterweise wiederum als "Arbeiter" und "Bauarbeiter".

Es wird wohl nicht mehr lange dauern, da hat auch Freiburg bald keine Einwohner und Bürger mehr, sondern Einwohnende und Bürgende, in seinen Bädern sieht man keine Rettungsschwimmer, sondern Rettungsschwimmende auf dem Trockenen, die Stadträte werden zu Stadtratenden, der Bächleputzer wird artig und gendergerecht dem Bächleputzenden weichen, und der Türmer auf dem Münsterturm wird als Türmender türmen, wenn er das Land der Dichtenden und Denkenden nicht mehr wiedererkennt.Manfred Kruppeit, Freiburg