Interview

Verkehrsministerium zur Breisgau-S-Bahn: "Das ist inakzeptabel"

Max Schuler

Von Max Schuler

Mi, 30. September 2020 um 08:02 Uhr

Freiburg

Hoffnungslos überfüllt ist eine Breisgau-S-Bahn von Breisach nach Freiburg gefahren – Schuld war eine technische Störung. Das Landes-Verkehrsministerium, will die andauernden Probleme lösen.

Update vom 30. September 2020, 9:30 Uhr: Auch am heutigen Mittwoch hat es nach unseren Informationen erneut Problemen im Schülerverkehr auf der Breisgau-S-Bahn gegeben. Wieder soll ein Zug ausgefallen sein – der Zug (S12) um 6.58 Uhr von Endingen nach Gottenheim. Erneut seien technische Probleme die Ursache. Erneut seien viele Schüler und Pendler auf den Bahnsteigen gewesen und konnten nicht in die Schule beziehungsweise zur Arbeit weiterfahren. Falls Sie vor Ort waren, können Sie gerne Ihre Erlebnisse schildern. Melden Sie sich bei Max Schuler: schuler@badische-zeitung.
Pendler und Schüler zwängten sich am vergangenen Montag in einen Zug der Breisgau-S-Bahn. Aufgrund einer technischen Störung bot dieser auf der Strecke zwischen Breisach und Freiburg nicht ausreichend Platz. Die Ursache war erneut, dass zwei Elektro-Züge nicht miteinander gekuppelt werden konnten. Das begrenzte Platzangebot sorgte bei Fahrgästen angesichts steigender Infektionszahlen durch das Coronavirus für Ärger und Sorge. Uwe Lahl, Amtschef im Landesverkehrsministerium, bezieht Stellung zu den Problemen.

BZ: Können Sie erklären, warum das Kuppeln der Züge auf der Breisgau-S-Bahn so schwierig ist?
Lahl: Generell zunächst: Die Werte für Verspätungen und Zugausfälle sind auf der Breisgau-S-Bahn sehr viel besser geworden. Das Problem mit dem Kuppeln der Züge passiert laut der Deutschen Bahn ein- bis zweimal pro Woche. Diese Kuppelprobleme müssen reduziert werden, das haben wir bereits klar adressiert.

BZ: Diese Problematik begleitet die Breisgau-S-Bahn allerdings schon seit dem Zeitpunkt, als diese mit den neuen Elektro-Fahrzeugen in Betrieb gegangen ist. Was unternimmt das Verkehrsministerium konkret, um diesen Fehler zu beseitigen?
Lahl: Es wird vor allem mit der Herstellerfirma Alstom gesprochen. Diese muss prüfen, ob man technisch nachrüsten kann. Es kann natürlich auch sein, dass es bei der Bedienung einen Fehler gibt. Daher sollten auch die Fahrzeugführer nachgeschult werden, um sicherzustellen, dass beim Kuppeln alles richtig gemacht wird. Das wurde jetzt veranlasst, als Folge der Vorkommnisse am vergangenen Montag.

BZ: Gibt es noch weitere technische Probleme auf der Strecke?
Lahl: Dieses Kuppelproblem ist derzeit eine Hauptproblematik. Ansonsten fährt auf der Strecke alles, was wir zur Verfügung haben. Wir könnten nicht durch weitere Züge, die wir auch gar nicht haben, das Angebot verstärken.

"Ich bewerte das als inakzeptabel, was am Montag auf der Strecke zwischen Breisach und Freiburg passiert ist."

BZ: Auf der Strecke wird ja bewusst schon häufig auf das Kuppeln verzichtet, zum Beispiel am Bahnhof in Gottenheim. Das sollte sich ja in Zukunft verbessern, oder?
Lahl: Wir hatten bis Anfang des Jahres eine miserable Performance auf der Strecke. Das Problem mit dem Kuppeln war dabei eines von mehreren. Dadurch, dass wir den Fahrplan vereinfacht haben, erreichten wir auf der Breisgau-S-Bahn zwischenzeitlich eine Pünktlichkeit, die oberhalb von 95 Prozent liegt. Das ist im Landesvergleich kein schlechter Wert. Aber wir wollen natürlich zum Fahrplanwechsel im Dezember zur ursprünglichen Konzeption zurückkehren. Das machen wir aber dann in kleinen Schritten. Ich will nicht, dass wieder größere Probleme auftreten.

BZ: Die Konsequenz dieser technischen Probleme ist, dass Züge speziell zu den Pendlerzeiten sehr voll sind. Wie bewertet das Verkehrsministerium diese Situation angesichts steigender Corona-Fallzahlen auch in der Region Freiburg?
Lahl: Ich bewerte das als inakzeptabel, was am Montag auf der Strecke zwischen Breisach und Freiburg passiert ist. Gerade wenn man bedenkt, dass die Region auch sehr eng an Frankreich liegt, wo die Corona-Fallzahlen wieder stark steigen. Ich erwarte, dass das, was wir bestellt haben, auch gefahren wird.
Uwe Lahl ist Ministerialdirektor und Amtschef im Ministerium für Verkehr des Landes Baden-Württemberg.

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