Verspätungen, Ausfälle und Pannen

Karl-Heinz Fesenmeier Manfred Frietsch

Von Karl-Heinz Fesenmeier Manfred Frietsch

So, 19. Januar 2020

Südwest

Der Sonntag Die Bahn vermasselt den Start der mit so großen Hoffnungen verbundenen Breisgau-S-Bahn.

Frustrierte Fahrgäste, wütende Bürgermeister, empörte Arbeitgeber – den Start der Breisgau-S-Bahn hatten sich die Initiatoren anders vorgestellt. Seit dem 15. Dezember ist sie offiziell in Betrieb, doch von sich reden macht sie seither vor allem durch Verspätungen, Ausfälle und Kommunikationspannen.

Dabei entspricht die Idee, die Region von Breisach über Freiburg bis hin nach Villingen schienenmäßig gut zu vernetzen, in vielerlei Hinsicht den Erfordernissen der Zeit. Vor allem bietet eine komfortable S-Bahn Pendlern eine attraktive und umweltfreundliche Alternative zum Auto an. Die Voraussetzung dafür ist aber, dass sie verlässlich fährt – was sie bisher eben nicht tut. Das 400-Millionen-Euro-Projekt ist sinnvoll – daran zweifelt wohl kaum jemand. Aber ist es in technischer Hinsicht wirklich so anspruchsvoll und ambitioniert, dass man die Häufung von Pannen nachsehen könnte?

All die vernehmbaren Reaktionen sagen: nein. Da sind zum einen die Fahrgäste, die nicht nur die Verspätungen leid sind, sondern auch schon wieder dem Arbeitgeber erklären müssen, warum sie zu spät zur Arbeit kommen. Der Unmut wächst auch bei den Arbeitgebern.

Bei der Uniklinik Freiburg, dem mit 13 000 Mitarbeitern größten Arbeitgeber der Breisgaumetropole, riss unlängst der Geduldsfaden. In einem offenen Brief an die Deutsche Bahn als Betreiberin der Breisgau-S-Bahn (DB Regio), der SWEG (Eigentümerin der Kaiserstuhlbahn Ost) und dem Landesverkehrsministerium kritisiert die Uniklinik den "nicht mehr planbaren Reiseverlauf", der dazu führe, dass Mitarbeiter erhebliche Schwierigkeiten hätten, rechtzeitig zum Arbeitsbeginn zu erscheinen. Die Verspätungen der Züge, so heißt es weiter, hätten ein "nicht mehr nachvollziehbares Maß" erreicht. Die Uniklinik, die eine eigene S-Bahn-Haltestelle hat und bereits von Engpässen in einigen Abteilungen spricht, hält in dem Brief ihren Furor nicht zurück: "Diese Situation ist für uns nicht hinnehmbar."

Ungehalten sind auch die Bürgermeister der Gemeinden entlang der Strecke vom Kaiserstuhl bis Freiburg – Endingen, Riegel, Bahlingen, Eichstetten, Teningen, Bötzingen, Gottenheim und March. "Der chaotische Betrieb auf der S-Bahn-Linie 1 Endingen-Freiburg muss ein Ende haben", fordern sie vom Land, der DB Regio, der SWEG und dem Zweckverband Regio-Nahverkehr Freiburg (ZRF). Ihre Kritik zielt auch auf die Weigerung der Bahn, die versprochenen Veränderungen schneller umzusetzen.

Kernidee der S-Bahn ist es, dass die Züge vom Kaiserstuhl bis in den Schwarzwald als Linie 1 durchfahren, ohne dass die Fahrgäste in Freiburg umsteigen müssen. Das wäre zum Beispiel praktisch für einen Pendler, der in Kirchzarten wohnt und in Gottenheim arbeitet. Doch Ende vergangener Woche hatte die Bahn erklärt, ab Mitte Februar nur noch jeden zweiten Zug auf der im Halbstundentakt befahrenen Strecke zwischen Gottenheim und Titisee durchfahren zu lassen. Das bedeutet, dass die Hälfte der Verbindungen in Freiburg jeweils in Ost- und Westrichtung geteilt wird.

Das Ein- und Aussteigen wurde zu knapp bemessen

Auch Pendler etwa aus Endingen müssen noch auf eine durchgehende Verbindung warten. Wer früher aus Endingen nach Freiburg fuhr, musste in Gottenheim umsteigen. Leider muss er das auch weiterhin. Frühestens im Mai oder Juni sieht die Bahn eine Chance, in Hauptverkehrszeiten aus Endingen kommende Züge mit denen aus Richtung Breisach in Gottenheim zu kuppeln, um so alle Fahrgäste ohne Umsteigen nach Freiburg zu fahren. In Gegenrichtung sollen diese Züge dann – ebenfalls umsteigefrei – in Gottenheim getrennt werden, in der Bahnsprache Flügeln genannt. Dieses Flügeln und Kuppeln, das auch in Titisee für die Streckenäste nach Seebrugg und Villingen vorgenommen werden soll, gilt als technisches Herzstück des durchgehenden Zugverkehrs. Das soll nun vorerst weitgehend aufgegeben werden.

Die Bahn spricht von einer komplexen Vorbereitung für das veränderte Fahrplankonzept. Es müssten 260 Züge umgeplant werden. Und außerdem will die Bahn zeitgleich ab dem 17. Februar den Streckenabschnitt Gottenheim-Breisach an das S-Bahn-Netz anschließen.

Eine Ursache, die die Bahn für die Verspätungen anführt, sind die Probleme beim Koppeln der Wagen, für das im bisherigen Fahrplan nur drei bis vier Minuten zur Verfügung stehen, gegenüber sechs bis sieben Minuten auf anderen Strecken der Bahn. Auch die vorgesehene Zeit für das Ein- und Aussteigen wurde im Vorfeld offenbar zu knapp bemessen. Wenn nur ein Gleis und damit keine Ausweichstellen für Begegnungsverkehr zur Verfügung stehen, gerät der Takt schnell aus dem Takt und Verspätungen sind die Folge. Hinzu kommen Störungen an Signalanlagen und Weichen.

Ist das ganze Projekt überstürzt umgesetzt worden? Landesverkehrsminister Winfried Hermann schließt das aus. "In Freiburg hat es nicht an der Vorbereitungszeit gelegen", sagte er der Badischen Zeitung. Und an den Zügen lag es ihm zufolge auch nicht. Sie sind wohl rechtzeitig geliefert worden. Allerdings bereiteten neue computergestützte Techniken immer wieder Probleme, nicht nur in Freiburg. Und schließlich komme man mit dem Zuwachs an Angeboten an die Grenzen der Leistungsfähigkeit der vorhandenen Infrastruktur.

Das alles mag so sein. Doch was Fahrgäste wie Kommunalpolitiker oder Arbeitgeber auch kritisieren, ist die Informationspolitik der Bahn. Das betrifft die fehlende Transparenz bei ihren Entscheidungen ebenso wie die Kommunikation gegenüber den Fahrgästen. Viele von diesen beklagen fehlende, falsche oder veraltete Angaben zu den Zügen und deren Abfahrtszeiten.