Ratsbeschluss

Vertrag zu einseitig: Denzlingen kooperiert nicht mit dem Unternehmen Deutsche Glasfaser

Sebastian Krüger

Von Sebastian Krüger

Mo, 02. Dezember 2019 um 18:15 Uhr

Denzlingen

Die Gemeinde lehnt ein Angebot der Firma Deutsche Glasfaser zur Zusammenarbeit beim Glasfaserausbau im Gewerbegebiet ab. Gemeinderäte und Bauamt sehen Vertragskonstrukt kritisch.

Die Gemeinde lehnt ein Angebot der Firma Deutsche Glasfaser zur Zusammenarbeit beim Glasfaserausbau ab. Das Unternehmen wandte sich zuvor mit dem Ansinnen an die Gemeinde, alle Gewerbegebiete in Denzlingen mit einem Glasfaseranschluss zu versorgen. Dies sollte über ein bereits von Vodafone verlegtes Hauptkabel entlang der Rheintalstrecke geschehen. Um das Vorhaben zu besiegeln, wollte das Unternehmen mit der Gemeinde einen Kooperationsvertrag abschließen.

Gemeinde soll für Unternehmen werben – das will sie nicht

Bauamtsleiter Steffen Koch missfielen jedoch wesentliche Punkte in dem Vertragswerk, weswegen er in der jüngsten Ratssitzung empfahl, den Vertrag entweder nachzubessern oder eben abzulehnen. So sei es Wunsch der Gemeinde, FTTH-Anschlüsse, also Glasfaser bis ins Büro, bereits bei der Erschließung der neuen Gewerbegebiete zu verlegen. Die Deutsche Glasfaser hingegen wollte den Ausbau von dessen Wirtschaftlichkeit abhängig machen und somit erst nach dem Erschließen der Gebiete entscheiden, wo und in welchem Umfang sie tätig wird.

Außerdem plane die Firma Kabel oberflächennah zu verlegen, um Kosten zu sparen. Koch gab zu bedenken, dass dies bei späteren Gehwegabsenkungen für neue Zufahrten oder barrierefreie Übergänge problematisch sei. Darüber hinaus soll die Gemeinde Denzlingen das Unternehmen "wohlwollend bei der Werbung für ihr Produkt unterstützen". Dieser Punkt ist im Vertragswerk nicht weiter definiert, stieß bei den meisten Räten aber auf wenig Gegenliebe.

Gemeinde soll "Herr der Lage" sein

Die anschließenden Diskussion drehte sich auch um die Frage, ob eine weiterer Anbieter auf dem Denzlinger Markt die Versorgung mit Glasfaser beschleunige. Viele Räte befürchteten, dass die Gemeinde dadurch Autonomie einbüße und – wie es Michael Dick (Bürgerliste) formulierte – nicht mehr Herr der Lage sei. Guido Echterbruch (CDU) hielt das Vertragswerk für sehr einseitig zu Ungunsten der Gemeinde. Er befürchtete, dass sich die Deutsche Glasfaser nur die "Sahnehäubchen" heraussuche und die sogenannten Weißen Flecken vernachlässige.

Jan Paul Elchlepp (SPD) befürwortete hingegen die Kooperation. Durch sie erhoffe er sich mehr Wettbewerb, da sich mehr Anbieter im Ort tummeln, was den Betrieben im Gewerbegebiet zugute komme. Er stimmte wie auch Andreas Tym (Grüne) für die Kooperation – unter der Bedingung, das die kritischen Punkte neu verhandelt würden. Während die drei Räte aus den Reihen der Bürgerliste sich bei der Abstimmung enthielten, stimmten die anderen Räte gegen die Zusammenarbeit mit der Deutschen Glasfaser, die damit vom Tisch ist.

Mehrere Anbieter im Ort

Derzeit versorge die Deutsche Telekom alle neuen Bau-, Sonder- und Gewerbegebiete auf eigene Kosten mit Glasfaser und verlege teilweise Anschlüsse bis in die Gebäude, heißt es aus dem Bauamt. In vielen Bestandsgebieten habe sie bereits mit Glasfaser zumindest bis zu den Hauptverteilerschränken nachgerüstet. Zudem habe die Netze BW GmbH bereits ein Glasfaserhauptkabel entlang der B 294 verlegt, auch Unitymedia betreibe ein Netz in Denzlingen.

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