"Sau tot, Polizeiauto kaputt"

Viele flotte Tänze und Wortbeiträge bei den Zunftabenden in Breisach

Frank Kreutner

Von Frank Kreutner

So, 16. Februar 2020 um 13:43 Uhr

Breisach

Bei den Zunftabenden in Breisach kam so manche Begebenheit ans Tageslicht.

BREISACH. Eine bunte närrische Vielfalt bei den beiden Zunftabenden der Narrenzunft Breisach sorgte an diesem Wochenende für einen gelungenen Auftakt in die heiße Phase der Breisacher Fasent. Peter Ehrhardt, Andreas Dewaldt und Thorsten Weismann, das neue Dreigestirn an der Spitze der Narrenzunft, konnte an beiden Abenden in der Stadthalle ein närrisch aufgelegtes Publikum begrüßen, dessen hohe Erwartungen sicherlich erfüllt wurden.

Den gewohnt schwungvollen Auftakt der tänzerischen Beiträge bot die Zunftgarde in ihren klassischen roten Kostümen unter der Leitung von Ramona Hirsch mit ihrer äußerst präzisen Darbietung. Der Nachwuchs dieser Traditionstanzgruppe der Narrenzunft präsentierte sich später dann als Showtanzgruppe unter der Leitung von Ute Sommer und Christina Aubin. Es war ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass die intensive Nachwuchsarbeit der Narrenzunft gute Früchte trägt.

Ausflug nach Griechenland
Ihren närrischen 22. Geburtstag feierten die Rhiwaldhexen mit einer schwebenden Junghexe, aber traditionell natürlich auch mit einem Tanz. Sehr bereichert wurde der Zunftabend auch durch die tanzenden Hutmacherinnen vom Schwimmsportverein unter der Leitung von Sabrina Mastrocola in ihren liebevoll gestalteten Kostümen. In die griechische Mythologie entführte die Tanzgruppe Dance Art unter der Leitung von Annika und Eva Okic die Besucher mit ihrem Tanz "Medusa", der die Zuschauer in der Stadthalle wirklich nicht zu Stein erstarren ließ.
Für Furore sorgte auch in diesem Jahr die Förderriege der Turnerinnen des Turnvereins Breisach. Seit vielen Jahren begeistern die Nachwuchssportlerinnen mit ihrer ausgefeilten Turnakrobatik das Publikum bei den Zunftabenden und den Gauklertagen. Was sich Heike Scholz, Luisa Faber und Charline Arayapong in diesem Jahr einfallen ließen, gehört in der langen Liste begeisternder Auftritte sicherlich zu den absoluten Highlights. Als springende Blumen wirbelten die Turnerinnen in einer bewundernswerten artistischen Choreographie über die Bühne und konnten verdientermaßen den größten Applaus des Abends für ihre Darbietung in Empfang nehmen.
Eine wichtige Rolle spielten auch in diesem Jahr die närrischen Wortbeiträge des Programms. Diese waren zwar deutlich weniger kommunalpolitisch und durch lokale Bezüge geprägt wie in den vergangenen Jahren, trotzdem verbreiteten die Wortakrobaten viel närrischen Frohsinn. Als erster stieg Hanspeter Schillinger in die Gratte und wusste amüsant von den Mühen und Plagen eines Ü-60 Lebens zu berichten. Tina Harnischmacher und Gabi Malm von den Hochstetter Panduren debattierten auf einer Zugfahrt auf ganz ungewöhnliche Weise über die großen Klassiker unseres Dichterfürsten Schiller.

Hochstetter Originale
Hedwig und Frederike (Klaus Stadelbacher und Peter Ehrhardt), die beiden Hochstetter Brunnenoriginale, durften natürlich nicht fehlen. Sie wussten vom Schusspech eines Breisacher Polizisten zu berichten ("Sau tot, Polizeiauto kaputt") und überzeugten unter anderem mit einem Vorschlag für die sinnvolle Nutzung der aktuell noch gar nicht benötigten elektrischen Oberleitungen der Kaiserstuhlbahn, denn wenigstens ließe sich daran bestens die Wäsche aufhängen.

"Alles für die Umwelt" war das Motto des Auftritts des Fasenturgesteins Andreas Geyler in seiner Paraderolle als Gilbert aus Algolsheim. Köstlich seine Wortspielerei um die Magma-Weinlinie der Kaiserstühler Winzer: "Magma heißt der Wiii… mag ma halt oder mag ma nit". Mit einem Wortspiel-Medley begeisterten auch die Zunfträte, die sich dabei als überaus gesangstalentiert präsentierten. Unterstützt wurden sie bei ihrer originellen Darbietung von Timmy Calma an der Gitarre, der mit seiner Band Cocktail auch nach Ende des Programms für den richtigen Sound sorgte. "Mir mache dieses Jahr nix…" war die eigentliche Absicht des Narrenduos Ramona Hirsch und Wilfried Meyer. Schließlich hat sich Zunftmeister Meyer im vergangenen Jahr in den Narrenruhestand verabschiedet.

Angesichts des amüsanten Dialogs, der sich auf der Bühne zu dieser Absicht des Nichtstuns entwickelte, kann man nur hoffen, dass die beiden Narren noch viele Jahre "nix" machen wollen. Für die Tratschwieber aus Gündlingen (Elke Isenburg und Gudrun Melcher) gab es natürlich auch in diesem Jahr nur ein Thema: Die Männer und ihre Schwächen. Erstaunlich, wie es ihnen immer wieder gelingt, neue Männerwitze aus ihren charmanten Hütchen zu zaubern.

Dem Nachwuchs eine Chance
Ein ganz besonderer Pluspunkt für die Verantwortlichen der Breisacher Zunftabende ist sicherlich die Tatsache, dass immer wieder auch junge Nachwuchsnarren mit neuen und kreativen Ideen den Weg auf die Bühne finden. Dies sorgt auch ganz entscheidend dafür, dass man sich in Breisach um die Zukunft der Zunftabende keine Sorgen machen braucht, wie das in vielen anderen Gemeinden ja der Fall ist. Für diesen notwendigen frischen Wind sorgten in diesem Jahr beispielsweise Eduard Dewaldt und Florian Hinterseh mit ihrem Auftritt als Spättle und Kläpperle, die viel Amüsantes über das Innenleben der beiden Breisacher Narrennester zu berichten wussten.

Micky Gräbling und Jochen Seufert, die eine musikalische Zeitreise auf die Bühne zauberten, gehören, obwohl schon einige Jahre auf der närrischen Bühne zu sehen, sicher auch zum Kreis derjenigen, die die Fasent mit neuen Ideen bereichern. Die Hopfen-Garde, eine Formation Breisacher Jugendliche unter der Regie von Jens Kleyling und Florian Hinterseh, sorgte mit ihrer schwungvollen Neuinterpretation des Männerballettklassikers für große Begeisterung. Den tanzenden Jungs war es anzusehen, dass ein Auftritt beim Zunftabend nicht nur viel harte Probenarbeit bedeutet, sondern auch ganz viel Spaß machen kann. Und dieser Spaß ist auch noch bei der ältesten Boy-Group der Breisacher Fasent zu sehen, der Kapelle Krach und Streit, die, wie auch die Stadtmusik Breisach unter der Leitung von Peter Glockner, närrische musikalische Akzente setzte.
Zusammengebunden wurde das bunte Programm der beiden Abende gewohnt souverän vom Moderatorenpaar Ann-Christin Grajewski und Frank Hinterseh, die für humorvolle und musikalische Übergänge im Programmablauf sorgten.

Ein großes Fotoalbum zu den Breisacher Zunftabenden gibt es unter http://mehr.bz/zunftabendbreisach