"Viele Leute halten lieber Papier in der Hand als E-Books

Georg Voß

Von Georg Voß

Mo, 17. Juni 2019

Emmendingen

In Emmendingen fand bereits der siebte Büchermarkt mit Schallplattenbörse statt / Einige Händler wünschen sich mehr Andrang .

EMMENDINGEN. Nicht zu warm, nicht zu kalt: Bei angenehmen Temperaturen ging am Samstagmittag der siebte Büchermarkt mit Schallplattenbörse der Spielspirale entlang der Emmendinger Stadtmauer und unter den Arkaden am Stuckschen Haus über die Bühne.

Ursprünglich sollte mit dem Büchermarkt die fast verwaiste Cornelia-Passage belebt werden. Doch mittlerweile ist er zu einer Freiluftveranstaltung geworden. Außerdem hat Veranstalter Günther Hoffmann von der Spielspirale den Sommertermin des zweimal im Jahr stattfindenden Büchermarkts von Juli auf Juni verschoben. "Letztes Jahr im Juli war es einfach zu heiß", sagt er. Die Hitze macht auch den Standbetreibern zu schaffen: So berichtet Schallplattenhändler Jimmy Zimmermann aus Grenzach, dass er kürzlich auf dem Endinger Büchermarkt seinen Stand umbauen haben müsse, "damit nicht das Vinyl bei 35 Grad zum Klumpen schmilzt."

Kinderbücher, Spiele und Filme für Kinder boten Irene Weiß und Sigrid Conzelmann aus Emmendingen an. "Als Tagesmütter haben wir viel mit Kindern zu tun", sagte Conzelmann. Sie war das vierte Mal auf dem Emmendingen Büchermarkt. So gab es diesmal bei ihr neben Bildbänden über Wikinger und Piratenschiffe mit Pop-up-Bildern auch "Der kleine Nick und die Schule" von Asterix-Texter René Goscinny und Illustrationen von Jean-Jacques Sempé zu kaufen. "Es ist wichtig, den Kindern Bücher näherzubringen", sagte Conzelmann. "Viele Leute halten lieber Papier in der Hand als E-Books", ergänzte Irene Weiß. Wegen Geld lohne es sich allerdings nicht hierher zu kommen. "Hier gibt es Gelegenheit, über Bücher zu sprechen und sich über die Autoren auszutauschen." Auch für Günther Hoffmann sollte der Büchermarkt als Impulsbringer ein Ort des Kontaktes und Begegnung sein. Ergänzt wurde der Büchermarkt diesmal durch einen Auftritt des Liedermachers Oliver Scheidies aus Freiburg.

Als Genre sind Krimis nach wie vor beliebt. "Auch regionale Bücher über Städte und Gemeinden lassen sich gut verkaufen", so Maike Blom aus Waldkirch. Dagegen würden schwere Kunstbände eher liegen bleiben. "Es sind vor allem die älteren Herrschaften, die ein Buch in der Hand nehmen", sagte sie über die Leserschaft. An Krimis gingen zum Beispie Bücher von Jeffrey Deaver über den Tresen. "Er schreibt schneller, als ich lesen kann." Oder für Jugendliche die Trilogie "Die Legende der Wächter" von Kathryn Lasky, die auch verfilmt wurde. "Sie ist gut zu lesen und gleichzeitig können sich die Jugendlichen den Film anschauen, wie der Film umgesetzt ist."

Doch auch Blom wünscht sich mehr Publikum für den Büchermarkt. "Es könnten ein paar Leute mehr sein." "Die Infrastruktur ist vorhanden", sagte Hans Waldmann aus Ebringen, der zum ersten Mal auf dem Büchermarkt vertreten war. Die Organisation stimme, Bahnhof und der Parkplatz seien zu weit. "Er sollte besser von der Bevölkerung angenommen werden." Er lobte dagegen die Vielfalt der angebotenen Bücher, die Spanne reichte von leichter Literatur bis zu Fachbüchern: "Es ist alles da, nur fehlen die Leute."

Auch Vinyl-Schallplatten sind beliebt. Jimmy Zimmermann verkaufte hauptsächlich Platten von den späten 60er und frühen 70er Jahren, der klassischen Rockära – zum Beispiel "In the Court of the Crimson King" von King Crimson oder oder "Atom Heart Mother" von Pink Floyd, die Platte mit der Kuh auf dem Cover. Laut Zimmermann verkaufen sich auch vermehrt Neupressungen alter Scheiben gut, zum Beispiel die "Tarkus" von Emerson, Lake and Palmer. "Die Platte wiegt 200 Gramm", erklärte er. Normale Schallplatten sind 180 Gramm-Pressungen. "Je schwerer sie sind, umso strapazierfähiger sind sie", sagt Zimmermann. Er will beim achten Büchermarkt mit Schallplattenbörse am 12. Oktober wiederkommen.