Stay-Home-Appelle

Viele Motorradfahrer verzichteten im Kreis Lörrach auf eine Ausfahrt

Robert Bergmann

Von Robert Bergmann

Mo, 06. April 2020 um 17:29 Uhr

Kreis Lörrach

Es war ein traumhaftes Frühlingswochenende, und trotzdem waren deutlich weniger Motorradfahrer als sonst im Landkreis Lörrach unterwegs. Dafür bevölkerten viel mehr Radfahrer die Straßen.

Zumindest auf den Motorradstrecken im Landkreis Lörrach scheinen die Stay-Home-Appelle gefruchtet zu haben. Trotz herrlichen Frühjahrswetters registrierte die Polizei deutlich weniger Biker als an vergleichbaren Wochenenden in früheren Jahren zur Osterzeit. Laut Polizeisprecher Mathias Albicker waren dennoch wieder hunderte Motorradfahrer auf den kurvenreichen Straßen des Südschwarzwalds unterwegs.

"Es war kein Business as usual", sagt Albicker über das vergangene Wochenende und meint ausnahmsweise mal nicht eine Häufung schlimmer Ereignisse mit verletzten Bikern allerorten. Im Gegenteil: Ruhig geblieben sei es auf den sonnigen Straßen rund um Todtnau, am Wiedener Eck oder sonstwo im Kreis, wo immer wieder furchtbare Unfälle mit Zweirädern registriert werden, sobald sich die Sonne blicken lässt.

Radfahrer fallen nicht durch Krach auf

Und wo die Polizei zur Osterzeit immer wieder massenweise Motorradfahrer aus dem Verkehr zog – sei es weil sie den fahrbaren Untersatz unzulässig laut oder unzulässig schnell durch die Gegend bewegten. "Es waren viel mehr Radfahrer auf den Straßen", hat Albicker registriert. Die aber fallen naturgemäß eher nicht durch überhöhte Geschwindigkeit oder durch Krach unangenehm auf.

Laut Albicker ist der Rückgang der Ausfahrten nicht allein darauf zurückzuführen, dass es aktuell Schweizer und französischen Motorradfahrern ohnehin nicht möglich ist, die Straßen des Schwarzwalds anzusteuern. "Nach unseren Beobachtungen waren auch weniger Deutsche unterwegs." Einer geschätzt dreistelligen Zahl von Bikern ist die Polizei bei ihren Kontrollen gleichwohl begegnet.

Überprüft hat die Polizei laut Albicker am Wochenende auch die diversen Motorradtreffpunkte, nachdem in den vergangenen Tagen die Runde machte, dass an solchen Plätzen die von der Landesregierung verfügten Corona-Regeln – Treffen von mehr als vier nicht familiär verbundenen Personen auf öffentlichen Plätzen sind untersagt – missachtet werden. Tatsächlich seien die Beamten an diversen Treffpunkten auf größere Gruppen von Bikern im angeregten Gespräch gestoßen, erklärt Polizeisprecher Albicker. "Die Abstandsregeln wurden aber eingehalten."

Haben also die Appelle aus Krankenhäusern, der Politik oder der Polizei an die Zweiradfahrer gefruchtet, im Angesicht der Pandemie in diesem Jahr auf österliche Ausflüge zu verzichten? Mathias Albicker sagt "Hoffentlich", ist sich in dieser Hinsicht aber nicht ganz sicher. Klar sei, so findet er, dass zur Zeit auch Motorradfahrer ihren Beitrag dazu leisten sollten, die knappen Krankenhauskapazitäten nicht unnötig zu beanspruchen. Das sollte aber eigentlich – schon im Eigeninteresse – auch in Nicht-Corona-Zeiten gelten.