Goldschmiede

Vier Schmuckdesigner stellen bei "Back in Town" im Stühlinger gemeinsam aus

Mechthild Blum, Holger Schindler

Von Mechthild Blum & Holger Schindler

Di, 21. Mai 2019 um 08:21 Uhr

Stühlinger

Rund ein Jahr betreiben drei Frauen und ein Mann eine "Produzentengalerie" in der Klarastraße, wo das teuerste Stück unter 2000 Euro kostet. Ein Besuch bei den Schmuckdesignern.

Klein ist der Raum von etwa 40 Quadratmetern, den man von der Freiburger Klarastraße aus betritt – aber groß und hell genug, um ausgesuchte Schmuckstücke zu präsentieren. Aber halt: Ist das noch Schmuck oder schon Kunst? "Back in Town" zeigt die Arbeit von drei Frauen und einem Mann, die auch in vielen anderen Galerien im In- und Ausland zu sehen sind. Die vier stellen unter diesem Namen gemeinsam aus. Ihre Arbeiten können donnerstags, freitags und samstags besichtigt werden. Die Designer sind selbst in wechselnder Besetzung vor Ort.

Heute hat Carola Bauer Dienst, deren Atelier im Freiburger E-Werk zu finden ist. "Eigentlich habe ich Sinologie und Theaterwissenschaften in München studiert, doch dann habe ich mich für eine Lehre als Goldschmiedin an der Kunstgewerbeschule in Basel entscheiden", erzählt sie. Das sei jetzt gut 30 Jahre her, fügt sie hinzu, und zeigt lachend ihre auf Gold und Silber bunt emaillierten Ringe. Ihre vielseitigen Arbeiten sind international vertreten, etwa im Metropolitan Museum of Art in Tokyo sowie auf Messen und in Galerien in den USA, Italien, der Schweiz und Großbritannien. In etlichen größeren Städten wie Rom ist ihr Schmuck zu haben.

Schon rund 50 Ausstellungen bestritten

Annette Altenburger, die ebenfalls an dem Ausstellungsraum beteiligt ist, wurde zur Formgeberin für Schmuck und Gerät in Schwäbisch Gmünd ausgebildet. "Schon damals habe ich mich in die Emaillemalerei verliebt, eine aufwendige Technik zwar, bei der ich aber nach Jahren noch Überraschungen erlebe", sagt sie. An die 50 Ausstellungen hat Annette Altenburger seit 1996 mit ihren Schmuckstücken und Objekten schon bestritten. Diana Zeiler, die dritte Frau im Bunde, beschäftigt sich seit 20 Jahren im eigenen Atelier vor allem mit Gusstechniken. Ihre Materialien: Eisen, Bronze, Ossa Sepia, (vom Tintenfisch) und Sand. Heraus kommen dabei verspielte, farbige Objekte und verrätselte poetische Niederschriften auf Ringen und Anhängern oder die Verarbeitung von Fundstücken wie Eicheln oder Nussschalen.

Produzentengalerie läuft für ein Jahr

"Wir wollen echten Schmuck in modernem Design schaffen. Und natürlich lassen wir uns alle von zeitgenössischer Kunst inspirieren", sagt Diana Zeiler. Das gilt offensichtlich auch für Peter Frank, der nach seinem Studium der Erziehungswissenschaften eine Goldschmiedelehre in Gundelfingen gemacht und sie durch den Besuch in der Kunstgewerbeschule Basel ergänzt hat. Er teilt sich das Atelier im E-Werk mit Carola Bauer. Sein Schmuck ist inzwischen ebenfalls in Museen und Sammlungen in mehreren Ländern zu sehen, etwa in der Alice-und-Louis-Koch-Sammlung in der Schweiz, dem Mint Museum of Craft and Design in Charlotte, USA, oder der Sammlung Deutsches Goldschmiedehaus in Hanau .

Rund ein Jahr betreiben die Schmuckdesigner nun ihre "Produzentengalerie", wo das teuerste Stück unter 2000 Euro kostet – und die Erfahrungen sind gut. Die vier profitieren davon, dass sie sich die Mietkosten teilen und Personalkosten sparen, weil sie sich im Verkauf abwechseln. "Wir haben alle unterschiedliche künstlerische Profile, die sich sehr gut ergänzen", sagt Annette Altenburger.

"Wir wollen echten Schmuck in modernem Design schaffen." Diana Zeiler
"Freiburg hat eine ungewöhnlich hohe Goldschmiede-Dichte", erklärt Dieter Lechler, Obermeister der Gold- und Silberschmiede-Innung Südbaden, "und wegen des dankbaren Publikums in der Stadt haben sie es hier auch etwas leichter als andernorts." Wegen seiner individuellen und kreativen Produkte könne sich der Berufsstand, obwohl der stationäre Einzelhandel derzeit eher stagniere, wirtschaftlich im Allgemeinen gut behaupten.
Die Schmuckgalerie "Back in Town" in der Klarastraße 78 ist jeweils am Donnerstag und Freitag, 14 bis 18 Uhr, sowie am Samstag, 11 bis 15 Uhr, geöffnet.