Interview

Vom Versuch, die eigenen Klimasünden wiedergutzumachen

Martina Philipp

Von Martina Philipp

So, 16. August 2020 um 09:10 Uhr

Panorama

BZ-Plus Dirk Gratzel fuhr einst einen SUV und führte einen Lebensstil, der doppelt so viel Co2 verursachte, wie ein Durchschnittsbürger. Um seine Ökobilanz auszugleichen hat er sein Leben radikal verändert.

Dirk Gratzel kam nicht als nicht fliegender, Müll vermeidender Ökoaktivist auf die Welt – im Gegenteil. Der Unternehmer lebte als Gutverdiener viele Jahre ein Leben in Saus und Braus, fuhr einen Jaguar SUV und das gern. Mit Ende 40 gestand er sich ein, ein Ökorüpel zu sein und wollte das ändern. Auch seinen Kindern zuliebe wollte der promovierte Jurist dafür sorgen, dass er eines Tages eine saubere Ökobilanz hinterlässt. Doch das war alles andere als einfach. Ein Gespräch mit Dirk Gratzel über die großen Startschwierigkeiten seines Projekt "Green Zero", übers Sockenzählen, die Mühe, auf eine Tasse Kaffee zu verzichten und das große Glück, das ihm die Wiedergutmachung all seiner Klimasünden bereitet.
BZ: Herr Gratzel, neulich bin ich für einen Tag an den Bodensee gefahren. Macht mich das zum Klimaferkel oder schon zur Umweltsau?

Gratzel: Ich würde mir niemals anmaßen, Ihren Lebensstil zu kommentieren. Ich habe selbst 50 Jahre lang alles gemacht, was ich ökologisch besser hätte bleiben lassen, und deswegen bin ich völlig ungeeignet, der Frage nachzugehen, ob das für Sie ein wertvoller oder ökologisch eher verschwenderischer Tag war.

BZ: Sie nannten sich selbst einen Ökorüpel, heute trifft es Klimaengel wohl besser. Werden Sie trotzdem auch nochmal schwach und blasen zu viel CO2 in die Atmosphäre?

Gratzel: Es gibt im Alltag eine Fülle von Situationen, in denen ich auf der einen Seite um die Umweltwirkung meines Tuns weiß, auf der anderen Seite natürlich abwägen muss, wenn ökonomische oder soziale Aspekte tangiert sind. Nachhaltigkeit bedeutet ja nicht, dass wir unser Leben ausschließlich nach ökologischen Gesichtspunkten ausrichten, sondern, dass sie alle Aspekte so versöhnen, dass für alle drei angemessen Raum ist.

BZ: Womit könnte ich Sie am ehesten verführen: Mit einem Jagdausflug nach Finnland, einer Weinprobe im Elsass oder einem Fünf-Gänge-Menü mit allem Bösen, was die Milch- und Fleischproduktion zu bieten hat?

Gratzel: Wahrscheinlich mit der Weinprobe im Elsass. Da würde ich schon aus gesundheitlichen Gründen mit dem Zug hinfahren (lacht).

BZ: Könnten Sie skizzieren, in welchen Verhältnissen Sie vor Ihrer Klimawende gelebt haben?

Gratzel: Da pflegte ich einen Lebensstil, der fast 28 Tonnen ...

Lesen Sie jetzt alle BZ-Inhalte!

Entscheiden Sie sich zwischen kostenloser Registrierung und unbegrenztem Zugang, um sofort weiterzulesen.

Gleich können Sie weiterlesen!

Exklusive Vorteile:

  • 5 Artikel/Monat kostenlos lesen - inkl. BZ-Plus-Artikel und BZ-Archiv-Artikel
  • Redaktioneller Newsletter mit den wichtigsten Nachrichten aus Südbaden
  • Qualitätsjournalismus aus Ihrer Heimat von 150 Redakteuren und 1500 freien Journalisten. Verwurzelt in der Region. Kritisch. Unabhängig.

Registrieren

kostenlos

  • 5 Artikel pro Monat kostenlos

  • BZ-Plus Artikel und BZ-Archiv-Artikel lesen

  • Redaktioneller Newsletter

  • Nutzung der Kommentarfunktion

* Pflichtfelder

BZ-Digital Basis

9,90€ / Monat

  • Lesen Sie unbegrenzt alle Artikel auf badische-zeitung.de inkl. BZ-Plus- und BZ-Archiv-Artikel
  • Unbegrenzter Zugang zur News-App mit optionalen Push-Benachrichtigungen
  • Entdecken Sie Südbadens kulinarische Welt mit dem BZ-Straußenführer, BZ-Restaurantführer und BZ-Vesper
  • Abonnenten der gedruckten Zeitung erhalten BZ-Digital Basis zum exklusiven Vorteilspreis

Anmeldung