VON HERZEN: Verständnis für das Anderssein

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

Sa, 13. März 2021

Kolumnen (Sonstige)

Sie kommt aus einer wohlhabenden Bildungsbürgertumfamilie, er aus einer bildungsarmen Arbeiterfamilie. Sie hat gelernt, dass für sie gesorgt sein wird, wenn sie mal in einen finanziellen Engpass gerät. Er hat gelernt, dass er für jeden Euro, den er haben will und wird, arbeiten muss. Sie geht recht großzügig mit Geld um, er eher sparsam. "Die Wahrscheinlichkeit, dass das Thema Geld in einer solchen Beziehung eine konfliktreichere Rolle spielt, ist nicht gering", sagt die Freiburger Psychologin Corinna Pette. Damit das nicht in einer Trennung endet, ist Offenheit quasi Pflicht. "Beide Partner sollten sich dessen bewusst sein und auch darüber sprechen, welche Verhaltensweisen des Partners Resultat seines finanziellen beziehungsweise sozialen Backgrounds sind", sagt Pette. So werde Verständnis für das Anderssein erzeugt. Es sei eine gute Idee, wenn bei solchen Paaren über ein gemeinsames Konto hinaus jeder Geld für sich hat. Sollen Beziehungen Bestand haben, in denen sich der soziale Hintergrund der Partner stark unterscheidet, ist ebenfalls Toleranz gefragt. Herablassend auf den sozial Schwächeren zu schauen, ist eher kein Garant für eine glückliche Partnerschaft. "Am besten ist es, wenn beide Partner mit Neugier auf das Herkunftsmilieu des jeweils anderen blicken können und eine Offenheit dafür haben", sagt Pette.