VON HERZEN: Weniger Konflikte oder mehr?

Martina Philipp

Von Martina Philipp

Do, 24. Dezember 2020

Kolumnen (Sonstige)

Dass Weihnachten deutlich anders wird als sonst, kann für manche Menschen sogar positiv sein, vermutet Dorothea Fritsch von der Psychosozialen Beratungsstelle in Familienkrisen in Freiburg: weniger Geschenke-Stress, weniger Verwandtenbesuche, vielleicht auch weniger Konflikte. Für andere dürften es allerdings lange Feiertage werden mit wenig Programmpunkten. Um zu hohen Erwartungen und Enttäuschungen vorzubeugen, "kann es sicher sinnvoll sein, sich vorher darüber zu unterhalten, was man machen will, und flexibel zu sein." Darin hätten wir ja alle mittlerweile Übung und seien entsprechend abgehärtet. Vermutlich seien die Feiertage oft gar nicht das Problem, sondern die Weihnachtsferien insgesamt mit wenig Abwechslung. "Was Situationen oft entspannt, ist Bewegung an der frischen Luft", sagt Fritsch; und Streit nicht überzubewerten. Wenn man viel Zeit zusammen verbringe, sei der ganz normal. "Dann wird’s halt mal laut." Für Menschen, die alleine leben, könne die aktuelle Situation teilweise sogar eine Entlastung darstellen: "Sie müssen sich nicht mehr dafür rechtfertigen, allein zu sein, sondern verhalten sich damit ja gesundheitspolitisch erwünscht." Gleichzeitig freue sich jeder über Aufmerksamkeit. Warum nicht dem alleinstehenden Nachbarn über die Feiertage einen Gruß vor die Tür stellen?