SRF1 / SRF2

Von Juni an gibt’s kein Schweizer Fernsehen mehr in Deutschland

Juliane Schlichter

Von Juliane Schlichter

Di, 09. April 2019 um 07:05 Uhr

Computer & Medien

Viele Menschen in Südbaden sind mit TV-Sendern aus der Schweiz aufgewachsen und schätzen sie bis heute. Bald jedoch müssen sie auf SRF1 und SRF2 verzichten.

In der Debatte um den Empfang von Schweizer Fernsehsendern in Deutschland ist bislang keine Lösung in Sicht. Vom 3. Juni an sehen die deutschen Zuschauer anstatt Serien, Nachrichten, Sportsendungen und der auch nördlich des Rheins beliebten Wettersendung "Meteo" ein Standbild, wenn sie die Schweizer Kanäle SRF 1 und SRF 2 einschalten. An diesem Tag stellt nämlich die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) die Verbreitung ihrer Programme über das terrestrische digitale Antennenfernsehen (DVB-T) ein.



"Das drohende Aus des freien Empfangs der Schweizer Sender trifft die Menschen in der Grenzregion sehr." Felix Schreiner
In der Folge können sowohl Nutzer einer Satelliten-Anlage als auch Kabelkunden von Unitymedia im deutschen Grenzgebiet kein Schweizer Fernsehen mehr schauen. "Das drohende Aus des freien Empfangs der Schweizer Sender trifft die Menschen in der Grenzregion sehr", schreibt der CDU-Bundestagsabgeordnete Felix Schreiner in einer Pressemitteilung und verweist auf zahlreiche E-Mails von Bürgern, die er zu diesem Thema erhalten habe.

Genau wie Felix Schreiner setzt sich auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter dafür ein, dass die Schweizer Sender weiterhin in Deutschland zu empfangen sind. "Wenn es den privaten Kabelbetreibern auf deutscher Seite technisch möglich ist, die schweizerischen Sender in das deutsche Kabelnetz einzuspeisen und die Übertragung somit fortzuführen, dann fordere ich eine Einigung zwischen den deutschen Anbietern des privaten Rundfunks und der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft", schreibt die Parlamentarische Staatssekretärin nun in einer Pressemitteilung.

Für viele Filme fehlt die Lizenz fürs Ausstrahlen im Ausland

Bislang empfängt der deutsche Betreiber Unitymedia das DVB-T-Signal der SRG und speist die Sender SRF 1 und SRF 2 in sein Kabelnetz ein. Die Grundlage hierfür bilde laut Pressemitteilung von Unitymedia der so genannte "Overspill". Unter diesem Begriff versteht man das technische "Überfließen" von Antennensignalen über eine Landesgrenze. Unitymedia habe nach einer Lösung gesucht, die Schweizer Programme weiter den Kabelkunden zur Verfügung stellen zu können, wie das Unternehmen schreibt.

Jedoch darf die SRG nach eigenen Angaben aus lizenzrechtlichen Gründen Nicht-Schweizern keine so genannte Smartcard zur Entschlüsselung des Satellitensignals zur Verfügung stellen. Konkret geht es um die Ausstrahlungsrechte für Film-Blockbuster, Sport und Dokumentationen. Diese erwirbt die SRG ausschließlich für die Schweiz und Auslandsschweizer und darf sie dementsprechend auch nur dort verbreiten.

Waldshuter Bundestagsabgeordnete kämpfen um den Empfang

Die beiden Waldshuter Bundestagsabgeordneten kämpfen darum, dass deutsche Zuschauer beim Schweizer Fernsehen ab Sommer nicht in die Röhre schauen. Rita Schwarzelühr-Sutter erhofft sich Hilfe von Vaunet, dem in Berlin ansässigen Verband Privater Medien. Felix Schreiner hat sich an die Geschäftsführung der SRG gewandt. Auch als Vorsitzender der deutsch-Schweizer Parlamentariergruppe, die er seit wenigen Wochen leitet, möchte er das Thema beim nächsten Treffen ansprechen.

Wer außerhalb der Schweiz ab 3. Juni die Sender SRF 1 und SRF 2 schauen will, benötigt eine so genannte Sat-Access-Karte. Diese kostet einmalig 60 Franken plus einen jährlichen Beitrag in Höhe von 120 Franken (plus Mehrwertsteuer des Nutzungslandes). Jedoch sind nur Auslandsschweizer berechtigt, die Karte zu erwerben. "Die SRG erwirbt im TV keine Ausstrahlungsrechte für das Ausland, weil die Kosten dafür sehr hoch wären. Die SRG kauft deshalb die TV-Ausstrahlungsrechte für den Empfang im Schweizer Gebiet und für die im Ausland lebenden Schweizer", teilt Francesca Guicciardi von der Medienstelle der SRG in Bern auf Anfrage mit.