Von Seife bis zur Solarenergie

Julius Steckmeister

Von Julius Steckmeister

Mi, 15. September 2021

Schallstadt

BZ-SERIE: Großes Interesse am Klimafest des Klimaforums Schallstadt "Weitwurf" / Bürger sollen Lust aufs Mitmachen bekommen .

Mitte 2020 hatten sich zunächst lockere Bürgergruppierungen in Mengen und Schallstadt zu "Weitwurf" zusammengeschlossen und – trotz der Hürde Corona-Pandemie – bereits Anfang 2021 einen Klimaaktionsplan "Schallstadt 2030" vorgelegt. Wie wirklich jeder seinen Beitrag zu den dort formulierten Klimaschutzzielen leisten kann, wurde am Samstag im Rahmen eines "Marktes der Möglichkeiten" beim ersten Schallstadter Klimafest – unter anderem durch einige Vorträge – deutlich.

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Was sich – und das relativ zeitnah – ändern muss, um die Erderwärmung zumindest einzudämmen, ist nahezu täglich Gegenstand der Berichterstattung: Vor allem der Ausstoß des "Treibhausgases" CO2 muss radikal reduziert und letztlich auf null gefahren werden. Dieses Ziel hat sich auch das Schallstadter Klimaforum auf die Fahne geschrieben. Allerdings ist es der Gruppierung vor allem wichtig aufzuzeigen, dass selbst scheinbar kleinste Schritte einen großen Beitrag dazu leisten können. Zudem möchte man nicht "mit erhobenem Zeigefinger rumlaufen", sondern die Menschen mitnehmen, wie der Sprecher von "Weitwurf", Roland Schöttle, zur Eröffnung des Klimafestes einmal mehr betonte. "Klimaschutz ist nicht nur zum Heulen. Man kann auch ein Fest daraus machen", so Schöttle.

Dass dieses Konzept offenbar ankam, zeigte sich schnell auf dem Platz vor der katholischen Kirche St. Blasius, der von "Weitwurf" in einen "Markt der Möglichkeiten" verwandelt worden war. Schon gut eine halbe Stunde nach Festeröffnung tummelten sich an allen Aktionsständen zahlreiche Neugierige. Natürlich gab es – in Form eines Fachvortrages zu klimaneutralen Energiesystemen ebenso, wie in konkreter Beratung zu mobilen Mini-PV-Anlagen oder Fördermöglichkeiten zur Heizungserneuerung – reichlich Information zum Thema nachhaltige Energiegewinnung. Dass Nachhaltigkeit bei den ganz kleinen, scheinbar alltäglichen Dingen beginnt, zeigte die AG Konsum und Ernährung des Klimaforums. Reger Andrang herrschte beim "Zahnpasta selber machen" ebenso wie bei in Eigenarbeit gemischtem Spül- oder Waschmittel. Wozu das Ganze? Wer selber mischt, weiß zum einen, was drin ist – etwa keine schwer abbaubaren Tenside, und zum anderen, was drum ist – ein Glas oder ein Papiertütchen statt einer Plastik-Verpackung. Und Geld sparen ließe sich durchs Selbermachen obendrein, gab es augenzwinkernd als Hinweis nicht nur an die schwäbische Hausfrau.

Während drinnen im Saal Bürgermeister Sebastian Kiss berichtete, wie sich die Gemeinde auf den Weg zu Klimaneutralität und Nachhaltigkeit begeben möchte oder bereits begeben hat – in der Begrüßung war seitens "Weitwurf"-Aktivistin Sophia Thoma etwa der Wunsch nach einem kommunalen Klimaschutzmanagement geäußert worden – waren draußen auf einer "interaktiven Mitmachkarte" der AG Mobilität Ideen zu Auto-Alternativen im Ort ebenso gewünscht, wie Hinweise auf Gefahrenstellen insbesondere für den Rad- und Fußgänger-Verkehr.

Ebenfalls eine Karte gab es bei der neu ins Leben gerufenen AG Landschaftspflege zu sehen. Gemeinsam mit fachlicher Unterstützung des Landschaftserhaltungsverbandes (LEV), durch Anne Böhringer auf dem Klimafest vertreten, sollen etliche Flächen aufgewertet und vorhandene Biotope, etwa durch das Entfernen von Neophyten, gepflegt werden. Sogar die streng geschützte Gelbbauchunke habe man auf Schallstadter Gemarkung gefunden, zeigte Anne Böhringer anhand von Kröten-Beweisfotos.

Wichtig auch hier: Mitmachen. Eine entsprechende Helfer- und Ideenliste hing gleich am Aktionsstand bereit. Den Bauhof, den Revierförster und natürlich den Bürgermeister habe man bereits von der Aktion überzeugen können, freute sich deren Initiatorin Annika Kirschke.