Weltgeschichte

Vor 75 Jahren begannen die Rastatter-Prozesse gegen NS-Verbrecher

Frank Zimmermann

Von Frank Zimmermann

Do, 13. Mai 2021 um 06:45 Uhr

Deutschland

Zwischen 1946 und 1954 wurden im Rastatter Schloss 105 Menschen zum Tode verurteilt. Angeklagt wurden Verbrechen gegen den Frieden, die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und viele mehr.

Gerichtssäle zeichnet in der Regel eine räumliche Klarheit, Nüchternheit und Funktionalität aus. Der Rahmen soll zwar eine gewisse Würde ausstrahlen, aber auch nicht durch zu viel Zierrat ablenken. Anders war das im Fall des Ahnensaals im um das Jahr 1700 erbauten Rastatter Schloss, den die französische Besatzungsmacht von Mai 1946 an für mehrere Jahre zum Ort von Prozessen gegen NS-Kriegsverbrecher machte. Hier, in schmuckvoll-edlem Ambiente, tagte öffentlich – zugelassen waren 150 Zuhörer – das oberste französische Militärgericht, das Tribunal Général. Hier gab es Platz für bis zu 30 Angeklagte und 60 Zeugen. In den barocken Saal wurde die modernste Kommunikationstechnik der damaligen Zeit eingebaut, wie der Rastatter Kreisarchivar Martin Walter berichtet.
In Rastatt stand die zweite Garde der Nazis vor Gericht
Die Wahl Rastatts mag praktische Gründe gehabt haben, mutmaßt die Historikerin Elisabeth Thalhofer – die Stadt lag im Herzen der französischen Besatzungszone. Die Ortswahl mag aber auch symbolische Gründe gehabt haben – schließlich war Rastatt Schauplatz des Freiheitskampfes der 1848er-Revolution. Die auf der Anklagebank sitzenden Deutschen sollten so an den Freiheitskampf 100 Jahre zuvor erinnert werden. Nun führten ihn die Franzosen – Deutschland sollte wieder demokratisiert werden.
Mehr zum Thema: Die Rastatter Prozesse wurden verfilmt – Ein Blick hinter die Kulissen
In Nürnberg hatte im November 1945 der Prozess gegen einige der wichtigsten Nazifunktionäre und Kriegsverbrecher – so sie sich nicht durch Flucht oder Suizid ...

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