Großbritannien

Vor der Brexit-Abstimmung: Schrille Töne und ein Mord

Peter Nonnenmacher

Von Peter Nonnenmacher

Mo, 20. Juni 2016 um 00:00 Uhr

Ausland

In Sachen EU-Austritt ist das Vereinigte Königreich tief gespalten, das Ergebnis vom Donnerstag ist völlig offen – wie sich das Attentat auf Jo Cox niederschlägt, weiß keiner.

Eine Karikatur gab am Samstag die Stimmung bei den Briten am besten wieder. Die kleine Zeitung "i" druckte sie, und sie zeigte Major Tim Peake vor seiner Rückkehr zur Erde, in der Internationalen Raumstation. Der britische Astronaut reiste nach 186 Tagen im All am Freitag wieder nach Hause. In der Karikatur schaut er aus dem Fenster der Raumstation auf Großbritannien und sagt: "Muss ich wirklich dahin zurück?"
Kein Wunder – nicht nur hat sich Peakes Heimat seit seinem Abflug über der Frage eines EU-Austritts in zwei einander zornig befehdende Lager gespalten. Zuletzt, am Donnerstag vergangener Woche, ist mitten in der Hitze des politischen Gefechts auch noch die Unterhaus-Abgeordnete Jo Cox ermordet worden – von dem 52-jährigen Thomas Mair, in dessen Wohnung im nordenglischen Birstall, unweit vom Tatort, die Polizei dann Naziabzeichen und rechtsradikale Lektüre entdeckte.
Jo Cox’ Tod hat ein eh schon aufgewühltes Land in regelrechtes Entsetzen versetzt und die EU-Kampagne jäh zum Halten gebracht. Die 41-jährige Labour-Abgeordnete und Mutter zweier kleiner Kinder, die erst seit einem Jahr im Parlament saß, war als leidenschaftliche Fürsprecherin der Aufnahme syrischer Flüchtlinge hervor getreten und für den Verbleib Großbritanniens in der EU, worüber die Briten an diesem Donnerstag entscheiden. Als Mair einem Londoner Gericht vorgeführt wurde und seinen Namen bestätigen sollte, erwiderte er: "Mein Name ist – Tod den Verrätern, Freiheit für Britannien."
Freiheit für Britannien: Das traf einen Nerv in einer Kampagne, bei der Teile des Brexit-Lagers, vor allem um den Ukip-Vorsitzenden Nigel Farage, Woche auf Woche immer wieder eine solche Freiheit beschworen hatten. Noch Farages letztes Anti-EU-Wahlplakat, das am Tag des Attentats einen Strom syrischer Flüchtlinge zeigt und aussagt, für Großbritannien sei "die Belastungsgrenze erreicht", hat heftige Reaktionen ausgelöst.
Das politische Klima ist vergiftet, aber der Mord hat auch nachdenklich gemacht. Der frischgewählte Londoner Labour-Bürgermeister Sadiq Khan, selbst ein Moslem, warnte eindringlich vor einer ...

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