Zuschuss zur Miete

Voraussetzungen für staatliche Hilfe: Wer hat Anspruch auf Wohngeld?

Wolfgang Mulke

Von Wolfgang Mulke

Mo, 18. Oktober 2021 um 21:19 Uhr

Wirtschaft

Die steigenden Heizkosten werden für viele Haushalte mit geringen Einkommen zum Problem. Zumindest für ärmere Haushalte gibt es staatliche Hilfe in Form des Wohngelds. Doch es ist kompliziert.

Rund 550.000 Haushalte bekommen den Zuschuss zur Miete oder zur Finanzierung des Eigenheims. Anspruch darauf hätten jedoch eine weitere Million Haushalte, vermutet der Chefredakteur des Verbraucherportals Finanztip, Hermann-Josef Tenhagen, und kritisiert das Antragsverfahren.

Von der Bürokratie sollte sich jedoch niemand abschrecken lassen, der auf jeden Euro angewiesen ist. Beantragen kann das Wohngeld, wer über ein eigenes Einkommen verfügt. Dazu zählt neben einem festen Job auch das Arbeitslosengeld I, Kurzarbeitergeld oder die Rente. Auch für manche Studierenden kommt die Hilfe in Frage. Es muss zuvor allerdings ein Bafög-Antrag gestellt und abgelehnt oder die Höchstförderungsdauer überschritten worden sein. Auch bei einem Zweitstudium kommt Wohngeld in Frage.
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Langzeitarbeitslose oder Rentner in der Grundsicherung sind davon aber ausgeschlossen. Denn in ihren Sozialleistungen sind die Wohnkosten bereits enthalten.

Ob es den Zuschuss gibt, hängt von drei Faktoren ab. Maßgeblich sind die Höhe der Miete, das Einkommen des gesamten Haushalts und die Anzahl der Haushaltsmitglieder. Es sind durchaus nicht nur Mieter wohngeldberechtigt. Auch Eigentümer können es als sogenannten Lastenzuschuss erhalten, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen. Die Hilfe kann hier etwas zu den Finanzierungsaufwendungen oder den Betriebskosten beitragen.

Der Höhe kann sehr unterschiedlich sein

Die Höhe des Wohngelds ist individuell unterschiedlich. Auch gibt es zwischen den Kommunen verschiedene Mietobergrenzen. Ein Zweipersonenhaushalt in Berlin kann beispielsweise bis zu einem Einkommen von 1454 Euro im Monat mit dem Zuschuss rechnen. Auch von Bundesland zu Bundesland gibt es unterschiedlich viel Geld. Nach Berechnungen von Finanztip erhalten die Empfänger in Bayern durchschnittlich 155 Euro im Monat, in Nordrhein-Westfalen 167 Euro. Im Internet gibt es vom Bundesinnenministerium bis zu den einzelnen Ländern Wohngeldrechner. Damit lässt sich mit wenigen Daten prüfen, ob ein Antrag womöglich erfolgreich sein könnte.

Anträge nicht leicht zu verstehen

Die Anträge selbst sind umfangreich und nicht ganz leicht zu verstehen. Da wird detailliert nach den Wohnungsgegebenheiten und den finanziellen Verhältnissen gefragt. Neben diesen Angaben verlangen die Behörden auch entsprechende Nachweise, also etwa den Mietvertrag oder den Lohnnachweis. Experten raten dazu, die Anträge direkt bei der zuständigen Stelle in der Kommune abzugeben. Im persönlichen Kontakt lässt sich schnell feststellen, ob etwas fehlt und nachgereicht werden muss. Mitunter werden aber auch Online-Anträge akzeptiert. Danach dauert es in der Regel nur wenige Wochen, bis der Bescheid eintrifft.

Im Moment werden Forderungen laut, die Heizkosten bei der Berechnung noch stärker als bisher zu berücksichtigen. Seit Anfang dieses Jahres werden diese schon pauschal gewährt. Bei einem Paar macht das immerhin 18,60 Euro im Monat aus, bei einer fünfköpfigen Familie sind es knapp 30 Euro. Die Bürokratie bleibt den Empfängern erhalten. Denn der Zuschuss wird jeweils nur für ein Jahr gewährt. Es müssen also immer wieder Folgeanträge gestellt werden.