Sicherheit

Vorsicht, heiß! So lassen sich beim Grillen schwere Unfälle vermeiden

Josefine Kaukemüller

Von Josefine Kaukemüller (dpa)

So, 02. Mai 2021 um 07:00 Uhr

Haus & Garten

Der Sonntag Grillen? Das kann ich, denken viele. Und doch ereignen sich jährlich tausende, oft schwere Grillunfälle. Mit diesen Tipps lassen sich diese vermeiden – und Kinder schützen.

Grillen? Das kann ich, denken viele. Schließlich stehen sie schon seit Jahren am Grill und bereiten jeden Sommer Berge an Fleisch, Fisch und Gemüse zu. Trotzdem gibt es jedes Jahr nach Schätzung der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (kurz: DGPRÄC) etwa 5000 Grillunfälle.

Die Folgen von starken Verbrennungen sind schwerwiegend, bleibende Beeinträchtigungen sind möglich. Und besonders die Kleinsten sind oft die Leidtragenden – neugierige Kinder, die sich der Flamme nähern.

Bei ihnen seien nach Grillunfällen mit Spiritus oft mehr als 50 Prozent der Körperoberfläche verbrannt, berichtet Adelheid Gottwald, stellvertretende Vorsitzende der Initiative "Paulinchen" für brandverletzte Kinder aus Norderstedt. Was läuft da schief?

Verbrennungen durch flüssige Grillanzünder

Der Grill will einfach nicht heiß werden? Wer greift da nicht mal schnell zum flüssigen Grillanzünder und hilft nach. "Die häufigsten Verletzungen, die wir bei Grillunfällen erleben, entstehen durch unsachgemäßes Starten des Grills", sagt dazu Henrik Menke, DGPRÄC-Vizepräsident und Leiter des Referats Verbrennung. Beschleuniger wie Spiritus, Alkohol oder gar Benzin erhöhen die Hitze im Grill extrem und können so unkontrollierbar werden für den Grillenden. Explosionsartige Verpuffungen sind möglich. Besonders das Gesicht und unbedeckte Hautstellen am Körper können schnell großen Schaden nehmen. Die Alternative? Menke rät, zertifizierte Grillanzünder zu nutzen – erkennbar am "DIN-Geprüft"-Zeichen.

Keine flatternde, synthetische Kleidung tragen

Einer der üblichen Sicherheitstipps lautet: Flatternde Kleidung, vor allem aber Kunstfasern sollten nicht am Grill getragen werden. Denn synthetische Bekleidung schmilzt durch die Hitze, erklärt Menke. Und durch den engen Kontakt, den das Material mit der Haut hat, wird die extreme Wärme in tiefe Hautschichten transportiert und richtet dort großen Schaden an. "Man darf das Material dann nicht einfach abreißen, wenn es mit der Haut verklebt ist, sondern muss es vorsichtig ablösen, damit man nicht auch Hautanteile abreißt", so der plastische Chirurg.

Kinder tapsen auf "ausgekühlte" Kohle

Das Essen ist fertig, der Grill ist leergeräumt – und zieht in einem unbeobachteten Moment neugierige Kinder magisch an. Eltern sollten deshalb wachsam bleiben. Doch nicht nur der Grill ist das Problem:
Glut, wenn sie im Sand, am Flussufer oder im Park vergraben oder in einer Gartenecke entsorgt wird, kann noch tagelang heiß bleiben. "Wir haben wirklich schwere Verletzungen an Füßen oder auch an Händen bei Kindern, die einen oder zwei Tage später barfuß da reintreten", so Gottwald von der Initiative "Paulinchen" für brandverletzte Kinder.

Verletzungen müssen oft lange behandelt werden

Ein unachtsamer Moment kann also für Erwachsene wie Kinder lebenslange Konsequenzen haben. Bei schweren Verbrennungen folgen oft monatelange stationäre Behandlungen und Reha-Maßnahmen. "Häufig entstehen dauerhafte Vernarbungen, die den Patienten sein Leben lang begleiten", ergänzt Menke, der das Sana Klinikum Offenbach leitet. Gerade im Gesicht, an Hals und Händen seien diese gut zu sehen und damit schwer belastend für den Betroffenen. Zudem könne die Bewegung eingeschränkt bleiben.
"So ein Unfall ist wahnsinnig traumatisch – für das Kind, die Familie und alle, die es miterleben." Henrik Menke
Neben dieser Belastung wiege bei verunglückten Kindern auch der Schmerz der Angehörigen schwer, sagt Gottwald – auch durch die Zuweisung von Schuld. "So ein Unfall ist wahnsinnig traumatisch – für das Kind, die Familie und alle, die es miterleben."
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Was tun im Ernstfall?

Bei Grillunfällen muss es schnell gehen. Für schwere Brandverletzungen gilt: "Sofort den Notarzt rufen. Das kann lebensgefährlich sein", betont Gottwald. Um die Flammen zu ersticken, ist es ideal, immer eine Löschdecke, einen Eimer Sand oder einen Feuerlöscher bereitzuhalten.

Das ist aber nicht immer realistisch. "Man muss überlegen: Was ist verfügbar? Es kann auch eine Jacke sein, mit der ich das Feuer ersticke", sagt Henrik Menke. Müsse ein Mensch gelöscht werden, müsse man darauf achten, ihm nicht das ganze Gesicht abzudecken und ihn damit am Atmen zu hindern. Frische Brandverletzungen sollten mit Wasser gekühlt und steril abgedeckt werden – durch ein vorsichtig aufgelegtes sauberes Tuch oder Frischhaltefolie.

Damit schnelle Hilfe erst gar nicht nötig wird, sei Vorsicht natürlich am wichtigsten, sagt Professor Menke – "dass man sich vorab mit den möglichen Szenarien und Gefahren beschäftigt und vorsorgt". Dann stehe dem ungetrübten Schlemmen nichts im Weg.

Die Initiative "Paulinchen" für brandverletzte Kinder berät und begleitet Familien mit brandverletzten Kindern nach dem Unfall. Kostenlose Beratungshotline unter Telefon 0800/0112 123; http://www.paulinchen.de