Langmattenwäldchen

1300 Freiburger Bürger appellieren, so viele Bäume wie möglich zu erhalten

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Mi, 25. November 2020 um 00:03 Uhr

Freiburg

Der "BürgerInnenverein Rieselfeld" übergibt 1300 Bürgerappelle an Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn. Für den neuen Stadtteil Dietenbach sollen möglichst wenige Bäume fallen.

Die Planungen für den neuen Stadtteil Dietenbach werden konkreter. Am 8. Dezember soll der Gemeinderat einen Rahmenplan beschließen, auf dem weitere Detailplanungen aufbauen werden. Vor dieser Entscheidung macht der "BürgerInnenverein Rieselfeld" mobil: Er will am Donnerstag 1300 Bürgerappelle an Oberbürgermeister Martin Horn übergeben, in denen die Unterzeichner fordern, für Dietenbach nicht mehr Wald als unbedingt nötig zu zerstören. Aktuell sollen auf rund 40 000 Quadratmetern Bäume gefällt werden.

Da das Sammeln von Unterschriften in Coronazeiten schwierig ist, hat der "BürgerInnenverein Rieselfeld" Appelle formuliert und diese im Stadtteil Rieselfeld verteilt: in den Briefkästen, aber auch digital. 1300 sind unterschrieben an den Bürgerverein zurückgegangen. Bestimmt mehrere hundert weitere, so schätzt der Vereinsvorsitzende Andreas Roessler, hätten die Bürger aber auch direkt an die Stadtverwaltung oder an Gemeinderatsmitglieder versandt. Denn an sie richtet sich der Aufruf, mehr Wald zu erhalten – vor allem Klima- und Artenschutz werden in dem Appell als Gründe aufgeführt. Unterstützt werde das Anliegen des "BürgerInnenvereins" auch von weiteren Organisationen wie den Umweltschutzverbänden BUND und Nabu, so Roessler.

Neuer Stadtteil wird nicht grundsätzlich abgelehnt

Bewusst nicht zusammengearbeitet habe der Bürgerverein mit der Initiative "Dietenbach ist überall", die sich ebenfalls für den Erhalt des Waldes einsetzt, bereits mehrere Aktionen – zum Beispiel Baumkennzeichnungen vor Ort – gemacht und aktuell auf ihrer Homepage eine Onlinepetition laufen hat, die gestern knapp 5600 Menschen unterzeichnet hatten. Aber, so Roessler, "Dietenbach ist überall" spreche sich generell gegen den neuen Stadtteil aus, während der "BürgerInnenverein" die Bebauung prinzipiell befürworte.

Wie viel Wald für Dietenbach gerodet werden muss, darüber kursieren verschiedene Zahlen. Seit dem Bürgerentscheid hat die Stadtverwaltung die Planungen zugunsten des Langmattenwäldchens verändert. Aktuell hat der "BürgerInnenverein" durch Übereinanderlegen von Dietenbach-Plänen und "3D-Stadtmodell Freiburg" 43 000 Quadratmeter wegfallender Waldflächen ermittelt. Die Stadtverwaltung spricht von 40 000 Quadratmetern, "die eins zu eins ausgeglichen werden müssen", betont Stefanie Werntgen, Sprecherin des Amts für Projektentwicklung und Stadterneuerung. 8000 Quadratmeter würden im Gebiet selbst wieder aufgeforstet, sobald die Erschließungsarbeiten für Dietenbach abgeschlossen seien, so dass netto vor Ort ein Waldverlust von 32 000 Quadratmetern übrig bleibe. Neu gepflanzte Bäume seien jedoch kein Ersatz für den "guten, alten Wald", der wegfalle, meint Andreas Roessler. Er fordert, dass der Wald in der Gesamtabwägung mehr Gewicht bekommen muss und nicht gegen finanzielle oder soziale Aspekte ausgespielt werden sollte.

Bäume sollen fallen für Verkehrs-, Schul- und Sportflächen

Wegfallen sollen Waldflächen vor allem für die Verkehrserschließung sowie für den Schul- und Sportcampus. Wie Schulgelände und Sportanlagen konkret aussehen, darüber werden sich Architekturbüros in einem Wettbewerb Gedanken machen. Das für den Campus vorgesehene Gebiet sei jedoch nun kleiner ausgefallen als ursprünglich geplant, bemängelt Roessler – er befürchtet, dass es dadurch für die Büros weniger Spielraum gibt, die vorgesehenen Nutzungen so anzuordnen, dass weniger Wald wegfallen muss. Die Stadtverwaltung widerspricht: Am Flächenzuschnitt habe sich nichts geändert. Und Teil des Wettbewerbs sei auch, zu prüfen, ob noch mehr Bestandsbäume erhalten werden könnten.

Der Rahmenplan, über den der Gemeinderat am 8. Dezember beschließt, ist noch ein informeller Schritt. Rechtlich festgezurrt werden die Planungen erst mit den Bebauungsplänen für die einzelnen Bauabschnitte. Das erste Verfahren soll Ende 2022 abgeschlossen sein.