Wärme aus Holz ist gesichert

Rolf Reißmann

Von Rolf Reißmann

Fr, 21. Oktober 2022

Steinen

Hägelberger Genossenschaft Energie aus Bürgerhand erfährt erneut Bestätigung für ihr einst auch kritisch betrachtetes Projekt.

. Die stabile Wärmeversorgung in Hägelberg ist gesichert. Die Mitgliederversammlung der Genossenschaft Energie aus Bürgerhand nahm am Mittwoch optimistische Berichte des Vorstands und Aufsichtsrats entgegen. Die Hägelberger werden damit erneut in ihrem einst gleichermaßen bewunderten wie bezweifelten Projekt der Eigenherstellung von Heizenergie bestätigt. Holger Meier wurde neu in den Aufsichtsrat gewählt, Claudia Merkt schied aus familiären Gründen nach sieben Jahren daraus aus.

Vorstand Manfred Ruf stellte nüchtern fest: "Das Tagesgeschäft läuft im Normalbetrieb" und hatte damit eigentlich alles gesagt. Was im Vorjahr nicht wie vorgesehen funktionierte, waren die Vorträge in Schulen und der Novartistag. Doch solche Ausfälle gab es wegen Corona allerorten. Auch finanziell steht die Genossenschaft auf festen Füßen, erreichte einen Bilanzgewinn von 168 000 Euro. 153 Kunden sind angeschlossen, 73 Mitglieder gehören der Genossenschaft an. Im kommenden Jahr werden neue Kunden und Mitglieder hinzukommen.

Ruf mahnte aber auch zur Vorsicht: "Der Preis für die Hackschnitzel ist bereits gestiegen, wenn auch bei Weitem nicht so stark wie der von Öl oder Gas." Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Rösch wies darauf hin, dass die Leitungsgremien darauf achten würden, dass keine Großeinkäufe von Genossenschaftsanteilen erfolgen. Zwar seien die Gewinne nicht groß, doch sei es eine Frage der innergenossenschaftlichen Demokratie, ob das Stimmenverhältnis ausgewogen bleibe.

Die Öffentlichkeitsarbeit und Außenwirkung der Genossenschaft hätten in den vergangenen Monaten zugenommen, das Interesse am Hägelberger Projekt sei deutlich gestiegen. Generell müsse die interkommunale Wärmeversorgung deutlich intensiviert werden. Dazu werde die Genossenschaft ihre Erfahrungen auch Anfang Dezember beim großen Beratungstag zu Klimaschutz und Wärmewende im Kreis Lörrach teilnehmen.

Die Genossenschaft Energie aus Bürgerhand ist für den Deutschen Exzellenz-Preis 2023 nominiert. Vorsitzender Rösch mahnte Vorsicht im kommerziellen Bereich an: "Zwar laufen heute die Öfen zur Holzverbrennung, aber es könnte auch mal sein, dass es noch bessere Lösungen gibt, dazu müssen wir rechtzeitig über andere Quellen nachdenken."

Keinen klaren Vorschlag legten Vorstand und Aufsichtsrat zur Auszahlung einer Dividende vor. Zwar werde dadurch die Liquidität der Genossenschaft keinesfalls negativ beeinflusst, doch sprachen sich Mitglieder aus Vorstand und Aufsichtsrat für den Verzicht darauf aus, um das finanzielle Polster zu vergrößern. Bei etlichen Mitgliedern fand dieser Gedanke keine Zustimmung. Einmal sei Dividende stets auf das zurückliegende Jahresergebnis bezogen, andererseits sei es Anerkennung für jene, die mit ihren Anteilen die Genossenschaft tragen.

Eingebracht wurde noch ein anderer Gedanke: Alle Kunden erhalten die Wärme zum selben Preis, Mitglieder erhalten keinen Rabatt. Gerade deshalb, so wurde gefordert, sei die Dividende ein kleiner Vorteil, auf den mehrere Mitglieder nicht verzichten wollten. In einer geheimen Abstimmung sprachen sich 13 Mitglieder für und zehn gegen die Auszahlung einer Dividende aus. Es wird nun zwei Prozent Dividende geben.

Ortsvorsteherin Gabriele Kaiser-Bühler sagte, es sei für die Kunden selbstverständlich, dass die Wärme in den Häusern ankommt. Doch dass dies wirtschaftlich mit so günstigen Ergebnissen erfolge, sei auch der umfangreichen ehrenamtlichen Arbeit in der Genossenschaft zu verdanken. So werde Geschäftsführer Walter Müller nur im Rahmen eines Minijobs bezahlt, leiste aber viele Stunden darüber hinaus. "Ohne die zuverlässige ehrenamtliche Arbeit würde die Genossenschaft nicht laufen", sagte sie. Bürgermeister Gunter Braun, selbst Mitglied des Aufsichtsrates, strebt für alle Ortsteile von Steinen an, so viel wie möglich erneuerbare Energie zu nutzen, allerdings belasten beim Ausbau die Materialprobleme. Er meinte, heute wäre das gelungene Projekt in Hägelberg wohl nicht mehr so einfach auf die Beine zu stellen wie einst.