WALD UND WIESE

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 20. Juni 2020

Müllheim

Ohren als Mimik-Ersatz

Die Wälder und Wiesen vor der eigenen Haustür bewusster erkunden – das ist einer der Effekte, die die Corona-Krise mit sich brachte. Wenn man nicht mehr verreisen darf, dann entdeckt man Altbekanntes oder nie Wahrgenommenes ganz neu. Eine kleine Serie soll Aufschluss darüber geben, was sich derzeit alles in der Natur beobachten lässt. Heute: die Waldohreule.

Aus einem leisen "siiii" wird ein paar Wochen später ein lautes "zieeeeeeh". Jetzt im Juni sind sie wieder gut zu hören – die jungen Waldohreulen. Viele Anwohner sind genervt von diesen Geräuschen, die die wenigsten zuordnen können. Die Waldohreulen brüten gerne in Städten und Dörfern im Markgräflerland, erklärt Rainer Stoll vom Nabu Nördliches Markgräflerland, der in Heitersheim auch das besondere Reisebüro für Vogelbeobachter, Birdingtours, leitet. Er sagt: "Keine Sorge, nach wenigen Wochen ist der Lärm vorbei und die Ästlinge fliegen aus."

Warum aber der Name Waldohreule? Natürlich wegen der Ohren. Die namensgebenden Federbüschel am Kopf der Waldohreule dienen der Mimik oder besser als Mimik-Ersatz im unbeweglichen Vogelgesicht der Eulen. Sie verraten etwas über die Stimmung des Vogels. Bei Aufmerksamkeit und der Balz werden sie aufgestellt, bei Entspannung und dem Flug angelegt. Man kann das gut beobachten an den Tages-Schlafplätzen der Eulen. Kommt man an, stellen sie die Ohren hoch und nach und nach im Laufe der Zeit sinken sie ab. Die wirklichen Ohren sind wie bei allen Eulen hinter dem aus kurzen Federn gebildeten Gesichtsschleier verborgen. Dieser Schleier lenkt die Schallwellen zu den Ohren, die etwas versetzt am Kopf sitzen. Aus dem Unterschied der beiden Schallwahrnehmungen – Tausendstel-Sekunden! – rechnet das Gehirn der Eule die Entfernung der Beute, erklärt Stoll begeistert.

Beobachtungstipp vom Experten: "Der Gesang ist einprägsam und bekannt aus Krimis, ein leises ‚pih-äw’. Sie sind oftmals in Wäldern zu finden oder in parkähnlichen Anlagen und Friedhöfen mit Koniferen. Sie sind nacht- und dämmerungsaktiv und ernähren sich hauptsächlich von Mäusen und kleinen Vögeln."