WALD UND WIESE

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 10. Juli 2020

Müllheim

Ein gefährdeter Körnerfresser

Die Wälder und Wiesen vor der eigenen Haustür bewusster erkunden – das ist einer der Effekte, die die Corona-Krise mit sich brachte. Wenn man nicht mehr verreisen darf, dann entdeckt man Altbekanntes oder nie Wahrgenommenes ganz neu. Eine kleine Serie soll Aufschluss darüber geben, was sich derzeit alles in der Natur beobachten lässt. Heute: der Bluthänfling.

Der Bluthänfling ist im Markgräflerland recht selten geworden. Idealerweise ist sein Lebensraum eine klassische Kulturlandschaft mit Brachflächen, blütenreichen Wiesen, vielen Hecken vorzugsweise mit dortigen Sträuchern und wildkrautreichen Ackerrändern. Solche Landschaften seien zugunsten einer intensiven Agrarindustrie selten geworden, erklärt Rainer Stoll vom Nabu Nördliches Markgräflerland, der zudem in Heitersheim auch das besondere Reisebüro für Vogelbeobachter, Birdingtours, leitet.

In manchen Weinbergen des Markgräflerlands kann man Bluthänflinge noch als typische Bewohner antreffen. Vor allem im Winter bilden Bluthänflinge größere Schwärme, wenn sie auf Brachflächen nach Samen suchen.

Im Sommerhalbjahr dagegen sind sie meist paarweise unterwegs, wobei auffällig ist, dass das Männchen dem Weibchen bei Ortswechsel stets folgt. Wie andere Finken verteidigen sie kein Revier, da sie als Samenfresser sich immer dort versorgen müssen, wo gerade Nahrung anfällt.

Hänflinge sind Körnerfresser und fressen 46 verschiedene Arten von Samen, wobei ein großer Anteil aus der Kohlfamilie stammt. "Wir könnten diesen hübschen Vogel unterstützen, indem wir Ackersäume zulassen oder unsere Gärten artenreich gestalten und auf Schotterflächen verzichten", sagt Stoll. Hänflinge sind sehr an Wildkrautsamen gebunden und weniger flexibel als andere Arten. Die Art gilt bei uns in Deutschland als "gefährdet".

Beobachtungstipp vom Experten: "Der Gesang ist anhaltend und ziemlich zwitschernd. Sie sind oftmals in den Weinbergen zu finden oder in parkähnlichen Anlagen und Friedhöfen."