Diebstahl

Zustellerin soll 130 Pakete im Wert von 10.000 Euro unterschlagen haben

Juliane Schlichter

Von Juliane Schlichter

Fr, 06. Dezember 2019 um 20:05 Uhr

Waldshut-Tiengen

Fast ein Jahr lang soll eine Zustellerin aus dem Depot ins Waldshut-Tiengen Paketsendungen unterschlagen haben. Sie wurde entlassen – und ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit boomt der Versandhandel und zahlreiche Pakete und Päckchen begeben sich auf die Reise zu ihren Empfängern. Im vergangenen Dezember und in den darauffolgenden Monaten haben etliche Waldshut-Tiengener jedoch vergeblich auf ihre Lieferung gewartet. Eine Zustellerin hat nach Polizeiangaben im Zeitraum zwischen Dezember 2018 und Ende August 2019 rund 130 Sendungen in der Doppelstadt unterschlagen. Die Frau soll nicht nur Pakete, die sie selbst ausliefern sollte, gestohlen haben, sondern auch Pakete ihrer Kollegen. Dies teilt Polizeisprecher Mathias Albicker auf Nachfrage dieser Zeitung mit.

Kunden reklamieren fehlende Zustellungen

Aufgeflogen sei der Diebstahl, nachdem Kunden reklamiert hatten, dass ihre Pakete nicht angekommen seien. "Das Zustellunternehmen hat einen eigenen Ermittlungsdienst, der im August 2018 aktiv wurde", berichtet Mathias Albicker. Die Ermittlungen des Dienstleisters ergaben einen Tatverdacht gegen eine Zustellerin in Waldshut-Tiengen. Durch weitere Ermittlungen der Polizei sei dieser Verdacht erhärtet worden. Daraufhin ordnete die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen Durchsuchungsmaßnahmen an.

In der Wohnung der Frau fanden die Beamten einen Teil der Diebesbeute. "Den anderen Teil hatte sie bereits weitergegeben", sagt der Polizeisprecher. Zu den unterschlagenen Waren gehören Kosmetikartikel, Bekleidung und Accessoires sowie mehrere Handys und eine Uhr. Insgesamt beziffert die Polizei den Schaden auf 10 000 Euro.

Bei den gestohlenen Paketen handele es sich um Sendungen, die nicht zugestellt werden konnten, weil die Empfänger am jeweiligen Tag nicht zu Hause waren. In solchen Fällen bringen die Zusteller die nicht zustellbaren Pakete zurück ins Verteilzentrum. Dort soll die Frau diese unterschlagen haben. Und nicht nur das: "Sie hat sich auch an Sendungen ihrer Kollegen, die nicht zugestellt werden konnten, bedient", berichtet Mathias Albicker.

"Diese Tatbestände stellen keinen absoluten Haftgrund dar"
Mathias Albicker

Das betroffene Unternehmen hat die Zustellerin inzwischen entlassen. Gegen die Frau wurde Strafanzeige wegen Verletzung des Brief- und Postgeheimnisses und wegen Diebstahl erstattet. "Diese Tatbestände stellen keinen absoluten Haftgrund dar", so Albicker.

Deshalb und weil die Frau einen festen Wohnsitz hat, sei sie nicht in Untersuchungshaft gekommen. Sollte sie verurteilt werden, drohen ihr laut Polizei eine Geld- oder Haftstrafe.
In der Regel erstatten Paketdienstleister bei Diebstahl den Wert der versendeten Ware. Dafür sind ein Nachforschungsauftrag, ein Einlieferungsbeleg sowie ein Wertnachweis (zum Beispiel durch eine Rechnung) erforderlich. Die Nachforschung beträgt mehrere Wochen. Sollte die Sendung oder der Inhalt tatsächlich nicht mehr auftauchen, wird der Haftungsbetrag überwiesen.