Walzer und Flamenco

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 14. Januar 2020

Inzlingen

Pianist Georgi Mundrov unterhält im Wasserschloss launig.

INZLINGEN. Zuerst Wiener Walzerseligkeit, dann feuriger spanischer Flamenco: Der Pianist Georgi Mundrov setzte bei seinem beliebten Neujahrskonzert im Inzlinger Wasserschloss auf tänzerische Stücke. Vor allem schaffte es der Tastenvirtuose aus Frankfurt wieder einmal spielend, das Publikum im vollbesetzten Bürgersaal launig und leichthändig in gute Stimmung zu bringen.

"Nur fröhliche und schöne Musik" zu spielen, hatte sich Mundrov für diese Matinee vorgenommen. Sein Recital eröffnete er mit einem Mitklatsch-Stück, das traditionell als Zugabe beim Wiener Neujahrskonzert gegeben wird: dem unverwüstlichen Radetzky-Marsch. Und er verweilte in Wien und spielte einen Walzer, den auch die Wiener Philharmoniker zu Neujahr zu spielen pflegen: "An der schönen blauen Donau" von Johann Strauß. "Tanzen ist erlaubt", meinte der Pianist, der wie stets locker und humorvoll sein Programm moderierte. Er brachte Wiener Charme und Walzerlaune ins Wasserschloss. Auch ein so viel gespielter Klassik-Ohrwurm wie Mozarts Kleine Nachtmusik erklang in seiner beschwingten Darstellung elegant, serenadenhaft und mit feiner Anschlagskultur.

Natürlich hatte Mundrov einen Beitrag zum Beethoven-Jahr dabei: Das Rondo G-Dur op.51 Nr. 2, das selten gespielt wird. "Das ist Beethoven pur", sagte Mundrov über dieses Stück, in dem sich auch der Rebell zeige, der den Rahmen brechen wollte. Fein nuanciert, tänzerisch gelöst ging er das Rondo an, das auch sehr virtuose und schnelle Passagen beinhaltet.

Auf seiner Klangreise machte der Pianist auch in Paris Station. Vom französischen Impressionisten Claude Debussy spielte er die Habanera, zu der sich der Komponist von einer Postkarte aus Granada inspirieren ließ. Die Habanera sei eine Grundlage des Tangos, erklärte Mundrov. Fein getönt, mit rhythmischem und farblichem Raffinement und Feingefühl für das Kolorit, die Stimmung der Musik spielte er diese Habanera. Zum direkten Vergleich ertönte dann ein Tango des Spaniers Isaac Albéniz, sehr geschmeidig, mit rhythmischer Präzision und Verve gespielt. Auch zwei Tangos Nuevos von Astor Piazzolla hatte der Pianist im Repertoire, darunter "La Muerte del Angel" (Der Tod des Engels). Rhythmisch prägnant, mit sehnsuchtsvoll-melancholischem Ton und dramatischem Impetus widmete er sich diesen Tangos des argentinischen Komponisten.

"Neujahrskonzert mit Olé" hatte Mundrov seinen Auftritt genannt, und so animierte er in einem feurigen Flamenco-Stück die Zuhörer zum rhythmischen Klatschen und zu "Olé"-Rufen. Zum Schluss dieses vom Verein zur Erhaltung des Wasserschlosses veranstalteten Neujahrskonzerts, das lieb gewordene Tradition und laut Mundrov "eine Institution" ist, trumpfte der Pianist mit brillanter Technik und virtuosem Schwung in der As-Dur-Polonaise von Chopin auf. Glanzvoll und in großer pianistischer Geste meisterte er dieses Stück, bei dem die Zuhörer "Energie für das ganze Jahr tanken könnten". Diese Energie reiche bis zum nächsten Neujahrskonzert 2021, versicherte Mundrov seinem begeistert applaudierenden Publikum, das bei einem Umtrunk auf das Neue Jahr anstoßen konnte.