Studie

Warum Ausruhen alles andere als einfach ist

KNA

Von KNA

Mo, 02. August 2021 um 16:56 Uhr

Gesundheit & Ernährung

Die Seele baumeln und die Gedanken schweifen lassen – nichts leichter als das, könnte man meinen. Tatsächlich haben viele Menschen Probleme, zur Ruhe zu finden.

Die britische Psychologin Claudia Hammond hat mit einem interdisziplinären Team zwei Jahre lang die Umstände erforscht, die Menschen zum Ausspannen brauchen. In ihrer Studie mit 18.000 Menschen aus 135 Ländern habe sich gezeigt, dass die Schwierigkeit, sich wirklich auszuruhen, weltweit "ein akutes Problem" sei, so Hammond.

Die Erkenntnisse ihrer Studie hat die Psychologin in ihrem Buch "Die Kunst des Ausruhens" unterhaltsam aufbereitet. Dabei wird klar: Ausruhen ist eine ziemlich komplexe Angelegenheit. Zur Ruhe finden Menschen nur, wenn die dafür vorgesehene Zeit wohldosiert ist – nicht zu kurz, aber auch nicht zu lang. Selbst Mikropausen von zehn Sekunden – ein Blick aus dem Fenster, ein Zurücklehnen am Schreibtisch – zeigen laut Hammond bereits Wirkung.

Das schlechte Gewissen steht dem Nichtstun oftmals im Weg

Eines der größten Hindernisse beim Ausruhen ist laut Hammond das Kopfkino, das oft einsetzt, wenn man sich gerade entspannt niedergelassen hat. Da packt einen das schlechte Gewissen und es fallen einem lauter Dinge ein, die dringend erledigt werden müssen. Dass der unruhige Geist den Wunsch nach Nichtstun torpediert, hat physiologische Gründe: Das menschliche Gehirn ruht nie.

Um das Gedankenkarussell in geordnete Bahnen zu lenken, könne paradoxerweise körperliche Aktivität helfen wie Sport oder Gartenarbeit, erklärt die Psychologin. "Manche kommen durch das Auspowern des Körpers durch einen anstrengenden Sport gedanklich zur Ruhe, und sie erholen sich durch körperliche Aktivität." So umfasse das Ausruhen alle als erholsam empfundenen Tätigkeiten, denen man im wachen Zustand nachgeht.

Als Ergebnis ihrer Befragung stellt Hammond die "Top Ten" der beliebtesten Arten des Ausruhens vor. So schafft es das Fernsehen auf Platz neun, "einfach das Gerät ein- und das Gehirn ausschalten". Erholung "in seiner reinsten Form" stellt ein heißes Bad, die Nummer sieben, dar. "Ein langer Spaziergang" hat es auf den sechsten Rang und das reine Verweilen in der Natur – "eine der klassischen Fluchten aus dem Alltag" – auf Platz zwei geschafft. Als erholsamste Beschäftigung überhaupt erwies sich im Ranking das Lesen. Bücher lenkten den Blick in andere Erfahrungswelten und ermöglichten es, "unserer eigenen Welt zu entfliehen", sagt Hammond.

Sie regt an, selbst herauszufinden, was den persönlichen Energiespeicher füllt. Jeden Tag sollten drei bis vier bewusste, wenige Minuten umfassende Pausen drin sein, gerade wenn es stressig ist.