Landwirtschaft und Klimaschutz

Warum Blüh- und Sichtschutzinseln auf Feldern wichtig sind

Manfred Frietsch

Von Manfred Frietsch

Di, 17. August 2021 um 17:49 Uhr

Merzhausen

Nachhaltigkeitsexpertin Carola Holweg veranstaltet ein regionales Klimagespräch zur Rolle von Feldgehölzen und Hecken. Sie drohen aus der Kulturlandschaft zu verschwinden – mit Folgen auch fürs Klima.

Feldgehölze wie Hecken und Einzelbäume prägten über Jahrhunderte die Kulturlandschaft auch am Oberrhein. Welche Rolle sie spielen und wie ihr Rückgang aufgehalten werden kann, das will Manfred Frietsch von Carola Holweg wissen. Die Nachhaltigkeitsexpertin veranstaltet dazu ein digitales regionales Klimagespräch.

BZ: Was bedeuten Hecken und Bäume in der offenen Kulturlandschaft?
Holweg: Gerade für die Artenvielfalt bieten Hecken und Bäume Vorteile. Felder, die dicht an dicht liegen, bieten zu wenig Platz für Nahrungspflanzen für Insekten und andere Tiere, das fängt schon mit der Krautschicht am Boden an. Hinzu kommt der Sichtschutz, Hasen etwa brauchen Deckungsmöglichkeiten, für Vögel bieten sich zudem Nistmöglichkeiten. Solche Blüh- und Sichtschutzinseln sind also sehr wichtig. Ein Einzelbaum auf einem Feld sollte aber mindestens 50 Quadratmeter Platz um sich haben, diese Fläche sollte also nicht, wie man es leider oft sieht, bis zum Stammfuß bearbeitet sein.

BZ: Was hat ein Landwirt davon, wenn er Hecken oder Bäume auf seinen Feldern stehen lässt? Ist das für ihn nicht störend
Holweg: Ja, das stört ihn, wenn mitten in der Bearbeitungsbreite seiner Maschinen von elf Metern ein Hindernis kommt und er ausweichen muss und keine geraden Linien mehr fahren kann. Und bei einem Baum am Wegrand muss er zudem Arbeiten für die Verkehrssicherung machen. Bei den Walnussbäumen hat er früher auch den Nutzen gehabt und die Früchte selbst verwendet oder verkauft, heute spielt das keine wirtschaftliche Rolle mehr. Außerdem gibt es seit mehreren Jahren die schwarze Fliege, wegen ihr verderben viele Nüsse und werden schwarz. Sein Interesse schwindet auch, wenn Leute einfach auf sein Feld gehen und die Nüsse an sich nehmen. Auf der anderen Seite hat der Landwirt, wenn er eine Hecke oder eine Blühstreifen stehen lässt, die Freude an der Artenvielfalt. Er hat auch ein besseres Gefühl gegenüber der Bevölkerung, denn die Leute wollen keine monotone Landschaft.

BZ: Welche Rolle spielen die Feldgehölze für den Klimaschutz?
Holweg: Sie haben einen eindeutigen klimatischen Vorteil. So trocknen bei hohen Temperaturen heiße Winde den Oberboden schnell aus, Hecken können diese Winde aber abbremsen. Es lässt sich tatsächlich für den Kulturabschnitt nach einer Hecke eine Ertragssteigerung nachweisen. Und starke Regenfälle, die auch bei geringster Neigung für Erosion sorgen und Rinnen ausspülen, sind ein Problem, wenn es keine bewachsene Randstreifen gibt. Der Landwirt verliert so fruchtbaren Boden, der auf Wege und in die Siedlungen abgeschwemmt wird. Hecken und Feldgehölze leiten mit ihrem Wurzelwerk auch Regenwasser viel besser in tieferer Bodenschichten, das kommt auch dem Landwirt zugute. Zudem fördern sie mit ihrem Laubfall auch die Humusbildung und binden CO2. Solche Zusammenhänge will ich bekannter machen und vor allem die praktische Umsetzung fördern.

BZ: Können Landwirte für den Erhalt von Hecken und Bäumen auch finanzielle Leistungen bekommen?
Holweg: Wer über 15 Hektar bewirtschaftet, erhält Zuzahlungen, wenn er fünf Prozent davon als Ökovorrangfläche bearbeitet. Das geschieht meist mit Zwischenfruchtanbau. Hecken und Bäume werden hier noch zu wenig angerechnet.

BZ: Welche Teilnehmer erhoffen sie sich für das regionale Klimagespräch?
Holweg: Ich hoffe auf Menschen, die etwas gegen den Schwund der Hecken, Randstreifen und Bäumen tun wollen, sei es durch praktische Hilfe oder auch mit Patenschaften. Und natürlich kostet die Teilnahme am Seminar nichts!

Carola Holweg, Jahrgang 1965, Forstwissenschaftlerin und Biologin, lebt in Merzhausen. Das regionale Online-Klimagespräch zu Feldgehölzen, im Rahmen des Dialog-Programms der Allianz-für-Beteiligung, findet Donnerstag, 19. 8. von 19 bis 20.15 Uhr statt, Anmeldung: [email protected], oder Tel. 0761 4309741.