Interview

Warum ein Freiburger Fahrlehrer für Lockerungen für seine Branche vor Gericht zieht

Uwe Mauch

Von Uwe Mauch

Do, 18. Februar 2021 um 14:23 Uhr

Freiburg

Der Unternehmer und Fahrlehrer Sascha Fiek aus Freiburg will vor dem Verwaltungsgerichtshof eine Lockerung der Corona-Verordnung erreichen. Er meint: "Wir produzieren Fahrschüler auf Halde".

Sei gut fünf Wochen ist den Fahrschulen praktischer Unterricht untersagt. Eine Klage vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim soll das ändern. Sascha Fiek, Geschäftsführer der "Academy Fahrschule Fiek GmbH" spricht über seine Beweggründe für diese Klage.

BZ: Als Prozesshansel sind Sie bislang nicht in Erscheinung getreten. Warum haben Sie sich jetzt an den VGH gewandt?
Fiek: Das ist eine ganz neue Erfahrung für mich, und ich konnte mir nicht vorstellen, so einen Schritt zu unternehmen. Ich bin auch nicht gegen die Corona-Maßnahmen, aber ich meine, man sollte in einer Region mit so niedriger Inzidenz die Regeln etwas flexibler handhaben. Der Fahrlehrerverband Baden-Württemberg unterstützt den Vorstoß.

BZ: Warum sollten Fahrschulen anders behandelt werden?
Fiek: Meine Branche hat eine extrem geringe Zahl an Kontakten, von denen jeder einzelne leicht nachvollziehbar ist. Und alle Beteiligten leben vor Ort. Da wären Lockerungen guten Gewissens möglich.

BZ: Warum warten Sie nicht die zweieinhalb Wochen bis zum angekündigten Ende des Lockdowns ab?
"Wer sich heute anmeldet, wird seinen Führerschein wohl nicht mehr in diesem Jahr machen können." Sascha Fiek
Fiek: Weil jeder Tag zählt. Unglaublich viele Leute warten auf den praktischen Teil und damit auf ihren Führerschein, darunter viele noch aus dem vergangenen Jahr. Jede Woche landen weitere 20 auf der Warteliste. Jeder Tag vergrößert den Rückstau. Wer sich heute anmeldet, wird seinen Führerschein wohl nicht mehr in diesem Jahr machen können. Motorradfahrer können wir in diesem Jahr nicht mehr annehmen. Das alles drückt mich am meisten – unabhängig davon, dass das auch wirtschaftlich nicht schön ist.

BZ: Und wie sieht es mit dem theoretischen Unterricht aus?
Fiek: Den machen wir seit 14. Januar online, und ich muss sagen, das läuft super. Aber bis dahin war es ein Hin und Her. Am 13. Dezember vergangenen Jahres hat das Verkehrsministerium digitalen Unterricht erlaubt. Den Genehmigungsantrag haben wir gleich drei Tage später beim Amt für öffentliche Ordnung eingereicht. Als für uns völlig überraschend die neue Corona-Verordnung vom 11. Januar die Fahrschulen in den Lockdown schickte, drängte die Zeit. In derselben Woche bekamen wir als erste Fahrschule in Freiburg die Genehmigung für Online-Unterricht. Inzwischen bieten auch andere diese Möglichkeit. Aber nochmal: Wir produzieren Fahrschüler sozusagen auf Halde.

BZ: Werden die schriftlichen Prüfungen ebenfalls online abgenommen?
Fiek: Nein. Die finden nach wie vor beim TÜV statt. 15 Prüflinge in einem Raum.

BZ: Dann kann derzeit niemand einen Führerschein bekommen?
Fiek: Doch, wenn jemand einen berufsbezogenen Grund hat, ist auch praktischer Unterricht möglich, etwa für Rettungskräfte, Bus- oder Lkw-Fahrer. Neulich hat eine Hebamme den Führerschein gemacht, die in Offenburg arbeitet und auch nachts spontan losmuss. Ich finde diese Regelung aber sehr eng ausgelegt. Der Pendler und die Pendlerin aus dem Hochschwarzwald, die nur schwer den ÖPNV erreichen, fallen nicht darunter.

BZ: Wissen Sie schon, wann der VGH entscheiden wird?
Fiek: Die von mir beauftragte Kanzlei schätzt Freitag oder Montag.
Sascha Fiek (46)

ist Geschäftsführer der Academy Fahrschule Fiek GmbH mit sieben Standorten und knapp 40 Beschäftigten. Er sitzt für die FDP im Gemeinderat.