193. Geburtstag des Dichters

Warum eine Bierhalle in New York nach Scheffel benannt worden ist

Karl Braun

Von Karl Braun

Sa, 16. Februar 2019 um 16:57 Uhr

Bad Säckingen

Auch in den USA hat der Bad Säckinger Ehrenbürger seine Spuren hinterlassen. Am heutigen Samstag wäre er 193 Jahre alt geworden

193 Jahre alt wäre Joseph Viktor von Scheffel am heutigen 16. Februar geworden. Sein Werk "Der Trompeter von Säckingen" ist oft in Antiquariaten und auf Antikmärkten nicht nur bei uns, sondern auch in manchen europäischen Ländern zu finden. Es ist aber etwas ganz Besonderes, dass in New York zu Ehren von Joseph Viktor von Scheffel sogar eine Bierhalle in einem Viertel, das hauptsächlich von deutschen Auswanderern bewohnt wurde, nach ihm benannt wurde.

Der Kellner Carl Goerwitz, der 1873 nach New York kam, erhielt in "Little Germany" einen Pachtvertrag für das Gebäude 190, Third Avenue. Er beauftragte das Architekturbüro Weber & Drosser, das bestehende Gebäude im Stil der Renaissance umzubauen.

Die aufwendige Fassade wurde dem Friedrichsbau des Heidelberger Schlosses nachempfunden. In der Zeit um 1880 galt Joseph Viktor von Scheffel als der "Deutsche Dichter", und die Scheffel-Romantik war auf einem Höhepunkt angelangt. So verwundert es nicht, dass selbst in der Weltstadt New York Scheffel diese Ehre zuteil wurde. Ein Mitarbeiter von Goerwitz übernahm das Lokal "Scheffel Hall" und veräußerte es kurze Zeit später, im Jahr 1904, an William Allaire. Als die Ansichtskarte am 17. April 1908 in New York geschrieben wurde, lautete daher der Schriftzug neben der Fotografie "Allaire’s Scheffel Hall".

Die Wände des Lokals waren mit Liedtexten von Scheffel geschmückt. Sicher sind Scheffels Lieder dort bei Bier und Brezeln gesungen worden, denn zur musikalischen Begleitung stand ein Klavier bereit. Aus der wechselvollen Geschichte der "Scheffel Hall" ist unter anderem bekannt, dass sie bei Schriftstellern und Politikern sehr beliebt war.

Während des Ersten Weltkriegs ein Treffpunkt von Spionen

Während der Zeit des Ersten Weltkriegs war das Lokal auch Treffpunkt von Spionen. Ende der 1920er-Jahre wurde das Gebäude vom deutsch-amerikanischen Leichtathletikclub genutzt.

Ab den 1970er Jahren etablierte sich einige Jahrzehnte der bekannte Jazzclub "Fat Tuesday’s". Zurzeit befindet sich in dem Haus ein Yoga- und Pilatesstudio. Außerdem ist die "Scheffel Hall" auf der 1997 erstellten Liste der Sehenswürdigkeiten Manhattans zu finden.

Empfängerin der Ansichtskarte, die den großen Innenraum der Bierhalle zeigt, war eine Frau Hoffmann in Mühlhausen/Thüringen. Interessant an der Karte – aus Bad Säckinger Sicht – ist ein herzlich grüßender "Friedolin".