Zolli

Warum im Basler Zoo Laub von Ästen gezupft wird

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 30. Juli 2021 um 13:57 Uhr

Basel

Mehrmals am Tag bringt ein Laster Ladungen voller belaubter Äste in den Basler Zoo. Hintergrund ist die Herstellung der Laubsilage für die Winterfütterung von Giraffen, Okapis und Kudu-Antilopen.

Im Keller des Basler Zoo-Betriebsgebäudes spielen sich dieser Tage eigenartige Szenen ab: Mehrmals täglich bringt der Zolli-Lastwagen Ladungen voller belaubter Äste und kippt sie auf einen Haufen auf den Kellerboden. Die im Kreis um den Haufen sitzenden Helferinnen und Helfer zupfen flink die Blätter von den Ästen und füllen diese in blaue Plastikfässer. Das Blätterzupfen ist der erste Arbeitsschritt zur Herstellung der Laubsilage für die Winterfütterung von Giraffen, Okapis und Kleinen Kudu-Antilopen.

Als Blätterfresser (Browser) sind diese Tiere im Gegensatz zu den Grasfressern (Grazer) auch im Winter auf eine eiweißreiche und in der Faserstruktur an ihr Verdauungssystem angepasste Blattnahrung angewiesen. Grasheu ist für diese Tierarten im Winter ungeeignet. Giraffe & Co. erhalten deshalb das blattreiche Luzerneheu und eben diese Laubsilage, welche im Sommer während der Hauptvegetationszeit hergestellt wird.

Die frischen Blätter (meist Ahorn, Buche, Eiche und Esche) werden nach dem Zupfen durch Einstampfen in die Plastikfässer verdichtet und mit einem Deckel mit einem Spannrahmen luftdicht verschlossen. Nun beginnt ein Säuerungsprozess, der das Laub für den kommenden Winter und darüber hinaus haltbar macht. In den ersten Wochen bei der sauren Gärung entstehen Gase und der Plastikdeckel der Fässer wölbt sich nach oben. Die Zolli-Gärtner öffnen dann den Deckel kurz und lassen das Gas (CO2) entweichen. Nach einigen Wochen ist die Gasbildung abgeschlossen und die etwa 20 Kilogramm Laubsilage enthaltenden Fässer werden in einem Raum mit stabiler Temperatur gelagert.

Das erste Fass wird im November geöffnet

Groß ist die Spannung, wenn im November das erste Fass geöffnet wird. Gut gemachte Laubsilage aus dem Fass präsentiert sich dann in erstaunlich frischer grüner Farbe, mit intakten Blättern und einem aromatisch-angenehmen Geruch. Die Laubsilage wird von den Tieren sehr geschätzt und gerne gefressen.

Die entlaubten Äste werden den Elefanten verfüttert. Falls diese mal nicht alles verspeisen, werden die Überreste gehäckselt und einer Holzheizung zugeführt. Der Giraffen-Mist, also quasi die verdaute Laubsilage, wird wie Mist von allen anderen Zootieren abgeführt, an Wegrändern kompostiert und für die Düngung von Obstplantagen in der Region verwendet.

Die Herstellung der Laubsilage, vor allem das Zupfen der Blätter im Sommer, ist sehr aufwändig. Die Mitarbeitenden werden bei dieser Arbeit durch ein Freiwilligen-Team des Freundevereins des Zoo Basel unterstützt. Wer an einer Mitgliedschaft oder den Aktivitäten des Vereins interessiert ist, kann sich beim Zoo über die Möglichkeiten dazu informieren.

Weitere Infos stehen online auf der Seite http://www.zoobasel.ch/de/freundeverein und sind beim Zoo direkt per E-Mail abzufragen unter [email protected].