Stimmungsbild

BZ-Umfrage: Was Bad Säckinger sich wünschen

Annemarie Rösch

Von Annemarie Rösch

Do, 02. Dezember 2021 um 14:38 Uhr

Bad Säckingen

A98, das Spital und die Schulden der Gemeinde – in Bad Säckingen gibt es einige umstrittene Themen, die die Bevölkerung beschäftigen. Die BZ hat daher 243 Bad Säckinger dazu befragt.

Wenn auch im Moment die Ausbreitung des Coronavirus in Bad Säckingen und anderen Orten am Hochrhein die Debatte dominiert, gibt es andere Themen, die die Menschen beschäftigen. Dazu zählen der Ausbau der Autobahn 98, die Zukunft des Gesundheitscampus, eine mögliche Bebauung, wenn das Alten- und Pflegeheim im Marienhaus in den Gesundheitscampus zieht und das alte Gebäude abgerissen wird, die Einkaufsinfrastruktur der Stadt und die Schulden der Gemeinde. Die Badische Zeitung hat 243 Bad Säckinger zu diesen Themen befragt.

Jahrzehntelanger Streitpunkt Autobahn 98

Die Planungsgesellschaft Deges hat erst kürzlich einen Vorschlag für eine Trasse zwischen Schwörstadt und Murg-Rothaus gemacht, der bei den Gemeinderäten der umliegenden Orte mehrheitlich auf Zustimmung gestoßen ist. Die Befragung der Leserinnen und Leser ergab ein ähnliches, aber etwas differenzierteres Bild – was auch an den differenzierten Antwortmöglichkeiten gelegen haben mag. 49,8 Prozent der Befragten sprachen sich für die Deges-Pläne aus, davon 54,5 Prozent Männer und 46,8 Prozent Frauen.



Nur 5,3 Prozent befanden, dass es eine Verkehrswende und nicht noch mehr Straßen brauche. Das waren vor allem Menschen zwischen 18 und 30 Jahren – allerdings nahmen nur sechs in dieser Alterskategorie an der Umfrage teil. Besonders viele Befürworter der Autobahntrasse, über die bereits seit Jahrzehnten gestritten wird, gibt es bei den Bad Säckingern im Alter über 60.

Gesundheitscampus als Ersatz für das geschlossene Spital

Als einen kleinen Ausgleich für das 2017 geschlossene Spital wird in Bad Säckingen ein Gesundheitscampus eingerichtet. Dort sollen eine Apotheke, ein orthopädisches Zentrum, das Medizinische Versorgungszentrum mit verschiedenen Arztpraxen, eine gynäkologische, eine kardiologische und eine dermatologische Praxis, die ambulante Physiotherapie des Reha-Klinikums und eine unabhängige Gesundheitsberatungsstelle unterkommen. 36,2 Prozent gaben an, dass die fächerübergreifende Zusammenarbeit von Ärzten und ambulanten Praxen Menschen helfen und einen Krankenhausaufenthalt überflüssig machen könne. Je älter die Menschen sind, desto weniger glauben sie an eine solche Aussage.



Eine Mehrheit von 37,9 Prozent glaubt dagegen, dass der Gesundheitscampus das Spital nicht ersetzen kann. Bei den Frauen ist die Mehrheit deutlich größer (43,2 Prozent) als bei den Männern (30,3 Prozent). Nur 17,7 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Gesundheitsversorgung, wenn einmal alle Praxen auf dem Gesundheitscampus ihre Arbeit aufgenommen haben und die Spitäler in Lörrach und Albbruck fertig sind, besser ist als zu Spital-Zeiten.

Neue Gestaltung nach Abriss des Marienhauses

Das Alten- und Pflegeheim St. Marienhaus am Rande der Altstadt von Bad Säckingen ist marode und soll abgerissen werden, wenn die Seniorinnen und Senioren auf den Gesundheitscampus ziehen werden – wie es geplant ist. Die Umfrage zeigt, dass nur ganz wenige Menschen einer Stadtgestaltung wie in den 1960er Jahren anhängen und die frei werdende Fläche in ein Parkhaus verwandeln möchten (4,1 Prozent).



Eine überwiegende Mehrheit der Befragten (44,9 Prozent) will dagegen, dass das Gelände mit einem Mehrzweckhaus überbaut wird: Geschäfte sollen dort im Erdgeschoss eingerichtet werden. Offenbar gefällt diese Idee Männern (52,5 Prozent) deutlich besser als Frauen (40,3 Prozent. 18,5 Prozent finden, dass es am besten wäre, dort würde eine Einrichtung aus dem Gesundheitswesen entstehen. Für diese Ideen können sich mehr Frauen (21,6 Prozent) als Männer (15,2 Prozent) erwärmen. Immerhin 16,9 Prozent der Befragten sind der Ansicht, die Entscheidung müsse allein der Eigentümer fällen. Das ist der Vincentiusverein.

Die Stadt und ihre Schulden

Bad Säckingengen gehört zu den Städten am Hochrhein, die einen der höchsten Schuldenberge zu verzeichnen haben. Die Befragung ergibt ein wenig eindeutiges Bild, wie Stadträte und Bürgermeister damit umgehen sollen. Jeweils etwa ein Drittel der befragten Bürgerinnen und Bürger ist der Ansicht, die Stadt müsse neue Schulden aufnehmen, um wichtige Vorhaben zu verwirklichen. Ein weiteres Drittel befürwortet ein rigides Sparen. Die Stadt dürfe nur bauen, was sie sich leisten könne. Ein weiteres Drittel wählt den Mittelweg und schlägt vor, dass die Stadt nur das bauen darf, was unbedingt notwendig ist.



Was sich Bad Säckinger für das Brennet-Areal wünschen

Am Rande von Bad Säckingen gibt es eine große freie Fläche, die viel Spielraum für städtebauliche Planspiele lässt: der nördliche Teil des Brennet-Areals. Wie groß die Wohnungsnot in der Stadt ist, zeigen die Antworten auf die Frage, was sich die Menschen für diesen Ort wünschen: 50,6 Prozent der Befragten gaben an, dass aus ihrer Sicht dort Wohnungen gebaut werden sollten.



Interessant ist, dass bei den Männern ein höherer Anteil (60,6 Prozent) als bei den Frauen (44,6 Prozent) eine solche Lösung wünscht. Frauen dagegen scheint das Einkaufen ein größeres Anliegen zu sein. 20,9 Prozent würden dort weitere Geschäfte bauen. Bei den Männern waren es nur 10,1 Prozent.
Info zur Methodik:

Bei der Befragung der Badischen Zeitung handelt es sich um ein Stimmungsbild und nicht um eine repräsentative Umfrage. Die Antwortmöglichkeiten waren vorgegeben. Die BZ hat 1047 Menschen telefonisch angefragt. 243 Menschen gaben verwertbare Antworten. Das sind 23 Prozent aller Kontaktierten. Bei den Befragten überwiegen Frauen (139) zu 99 Männern. Bezogen aufs Alter dominierte die Gruppe der 46 bis 60-Jährigen (74), gefolgt von den über 60-Jährigen (56). Die Altersgruppe zwischen 31 und 45 Jahren war mit 49 vertreten. Nur sechs 18 bis 30-Jährige waren dabei.