BZ-Interview

Was das Projekt "Ortenauer Weg" einer Grundschule in Schuttertal bringt

Alena Ehrlich

Von Alena Ehrlich

Do, 07. Juli 2022 um 10:45 Uhr

Schuttertal

16 Schulen im Ortenaukreis haben an dem Projekt teilgenommen. Konrektorin Marion Wenglein erzählt, wie das Projekt die Grundschule in Schuttertal weitergebracht hat.

BZ: Frau Wenglein, warum haben Sie mit der Grundschule Schuttertal am Projekt Ortenauer Weg teilgenommen?
Wenglein: Die Schulentwicklung ist bei uns auch vorher schon ein großes Thema gewesen. Wir dachten dann, es wäre eine tolle Sache, dabei professionell begleitet zu werden. Ein Blick von außen ist für ein Schulsystem schließlich immer gut. Aus dem Projekt haben sich auch tatsächlich einige Dinge entwickelt.

BZ: Und zwar?

Wenglein: Zum Beispiel, dass wir eine philosophierende Grundschule sind. Das war eine Anregung aus dem Ortenauer Weg. Die Akademie für Philosophie und Wertedialog hat in Baden-Württemberg Modellschulen gesucht. Da haben wir uns beworben. Außerdem hat uns das Projekt dazu angeregt, am deutschen Schulpreis teilzunehmen – mit Erfolg. Toll fand ich auch, dass Wirtschaftsphilosoph Anders Indset, der an der Abschlussveranstaltung des Projekts Ortenauer Weg einen Vortrag gehalten hat, mit unseren Schülerinnen und Schülern gemeinsam philosophiert hat – unsere Grundschule hat er sogar in einem seiner Bücher erwähnt.

BZ: Was genau ist denn eine philosophierende Grundschule?

Wenglein: Es geht darum, mit den Kindern zu philosophieren und das in den Unterricht einzubinden – als Unterrichtsmethode und Bildungsprinzip. Dazu haben unsere Lehrkräfte eine Fortbildung gemacht. Es entstehen oft sehr intensive Gespräche, weil die Kinder verschiedene Meinungen vertreten und lernen, einander zuzuhören. Es geht dabei um das Miteinander und den Austausch in einem geschützten Rahmen.
Der Ortenauer Weg

An dem Projekt haben sich 16 Schulen aus der Ortenau beteiligt – von Grundschulen bis hin zu Gymnasien. Neben der Grundschule Schuttertal waren unter anderem auch die Grundschule Altdorf sowie die Real- und Werkrealschule aus Friesenheim dabei. "Das Projekt war eine tolle Sache. Es ist über die Jahre einfach ein enormer Gewinn, wenn sich Schulen über Schulgrenzen hinweg austauschen", sagt Sandra Bagarozza vom Projektträger Bildungsregion Ortenau. Ein Anschlussprojekt sei derzeit nicht in Planung, es soll jedoch noch eine Dokumentation und Evaluation stattfinden. Finanziert wurde "Der Ortenauer Weg" zu großen Teilen von der Neumayer Stiftung. Während der Laufzeit von 2016 bis 2022 wurden verschiedene Formate angeboten: Von Schulbesuchen durch die Projektbegleiterinnen über Vorträge mit verschiedenen Kooperationspartnern bis hin zu Strategietreffen und Online-Foren.

BZ: Wie haben Sie den Austausch unter den beteiligten Schulen wahrgenommen?

Wenglein: Man hatte währenddessen immer die Möglichkeit, mit anderen Schulen in Kontakt zu treten. Bei den gemeinsamen Veranstaltungen hat man dann auch geschaut, wer ähnliche Ziele oder Projekte hat. So konnte man immer voneinander profitieren, wenn es gut gepasst hat.

BZ: Wie geht es nun, nach Abschluss des Projekts, weiter für Ihre Schule?

Wenglein: Wir haben uns vorgenommen, das Philosophieren mit den Kindern weiterzuführen und weiterzuentwickeln. Mit der Akademie haben wir für diese Woche direkt einen Nachmittag zum Philosophieren terminiert, um zu reflektieren und neue Schwerpunkte zu setzen. Und auch eine weitere Schulung dazu haben wir für das kommende Schuljahr im Terminkalender. Parallel dazu läuft noch ein Farbenprojekt mit dem Preisgeld aus dem Schulpreis. An dem wollen wir im kommenden Jahr ebenfalls weiterarbeiten. Wir haben noch einige Ideen.

Marion Wenglein ist 50 Jahre alt und lebt in Schweighausen. Seit 2005 unterrichtet sie an der Grundschule Schuttertal, seit 2021 ist sie Konrektorin und derzeit zudem kommissarische Leiterin der Schule.