Tiermedizin

Was man bei Erster Hilfe am Hund beachten muss

Cornelia Liebwein

Von Cornelia Liebwein

Mo, 13. September 2021 um 18:57 Uhr

Höchenschwand

Insektenstiche, Bisse, Schnittwunden: Hunde bleiben vor Erkrankungen und Verletzungen nicht verschont. Wie lassen sich Notfälle erkennen? Welche Erste-Hilfe-Maßnahmen gibt es?

Fiebermessen, Pfotenverbände anlegen, eine Maulschlinge richtig platzieren: 30 Zweibeiner mit ihren Vierbeinern hatte es am Sonntagmorgen zum Erste-Hilfe-Kurs am Hund in die Attlisberger Halle gezogen. Bei Elisa Garand, angehende Tierärztin im letzten Semester, lernten sie, was man tun muss, wenn sich der geliebte Vierbeiner verletzt hat – von Insektenstich bis Hundebiss. Im Ernstfall gelte aber immer: Im Zweifel sollte man einen Tierarzt um Rat fragen oder gar aufsuchen, schärfte sie ihren Kursteilnehmern ein.

Sehr kompetent informierte die junge Frau – zunächst im Theorieteil – darüber, wie man Notfälle erkennt, erklärte Erste-Hilfe-Maßnahmen vor Ort und darüber, was in die Notfallapotheke für den Hund gehört. Im praktischen Teil wurde es dann ernst, die Teilnehmer lernten zum Beispiel, wie man die Körpertemperatur des Vierbeiners misst, und sie übten, wie man Pfoten- und Druckverbände oder eine Maulschlinge aus Mullbinden anlegt.



Eins, das dabei Hundehalter erfuhren: "Hunde reagieren im Notfall anders als normalerweise. Sie schnappen als Reflex, besonders, wenn sie sich etwas gebrochen haben", erklärte Elisa Garand.

Im Zweifel zum Tierarzt

Klar sei einmal: "Die Qualität der Ersten Hilfe ist abhängig von der materiellen Ausrüstung und von Wissen und Erfahrung des Ersthelfers", sagte sie. Und wiederholt wies sie darauf hin, dass Erste Hilfe den Tierarztbesuch nicht ersetze. Zumindest aber sollte man im Zweifel bei seinem Tierarzt anrufen und nachfragen, was in der jeweiligen Situation zu tun sei.



Garand unterschied Notfälle in mehrere Dringlichkeitsgrade. Zur höchsten Stufe würden Atemstillstand, Herzstillstand oder massivste Blutungen, zählen. Ein lebensbedrohlicher Notfall sei zum Beispiel ein Schockzustand, eine Magendrehung, eine Vergiftung oder ein Hitzschlag. Ein weiterer ernster Notfall sei ein Fremdkörper im Magen-Darm-Trakt, eine schwere Bissverletzung. Akut lebensbedrohlich seien Bisse in Hals und Kehle, in Schädel und Wirbelsäule, erklärte sie. Ein nicht lebensbedrohlicher Notfall seien Wespen- und Bienenstiche ohne schwere allergische Reaktionen, oberflächliche Schnittwunden und Pfoten- oder Krallenverletzungen.

Schnittverletzung

Die Teilnehmer erfuhren, dass man im Fall einer Schnittverletzung am Ballen einen Pfotenverband macht, und zwar mit Druck auf die Schnittwunde, um die Blutung zu stillen. Befinde sich die Verletzung an einer Stelle, wo anatomisch kein Druckverband möglich sei, etwa über Ellenbogen oder Oberschenkel, müsse man mit einer Kompresse oder Tuch die Blutung stillen.

Sollte eine Wunde stark bluten, müsse zunächst das Fell um die Wunde geschoren werden. Dann müsse die Wunde mit steriler Wundspüllösung gereinigt und dann desinfiziert werden, bevor der Verband angelegt wird. Auf keinen Fall dürfe der Hund an der Wunde lecken, weshalb ein Leckschutz oder ein Halskragen erforderlich. "Man sagt auch", fuhr sie fort, "dass feuchte Wunden feucht gehalten werden sollten und trockene trocken".

Ballen- und Krallenverletzung

Eine Ballenverletzung sei ein klassisches Beispiel für eine trockene Wunde, die trocknen muss. "Da sollte sich ja Schorf bilden." Krallenverletzungen dagegen seien klassische feuchte Wunden, wo keine Haut drüber wachsen soll, sondern Horn, weshalb man, bevor man den Pfotenverband anlegt, den Hund mit einer Wundsalbe versorgen sollte, damit sie gut heilen. Krallenverletzungen würden meist stark bluten und seien sehr schmerzhaft . Hier gelte es, zuerst die Blutung zu stillen. "Entfernen würde man eine angebrochene oder angerissene Kralle nur dann, wenn sie am seidenen Faden hängt", so Garand. Das sei meist mit einem Ruck möglich.

Magendrehung

Elisa Garand ging auch auf Knochenbrüche, Insektenstiche, Bandscheibenvorfälle und auf die gefürchtete Magendrehung ein, von der hauptsächlich ältere und große Hunde betroffen seien. Unruhe, eine blasse Mundschleimhaut und unproduktives Erbrechen seien Anzeichen. Kann man da vorbeugen?, wurde die angehende Veterinärin gefragt. "Lassen Sie Ihren Hund nach dem Füttern einige Zeit ruhen, das kann die Gefahr eindämmen", sagte sie. Auch empfahl, lieber zwei bis drei kleine Mengen am Tag zu geben als eine große Mahlzeit.