Evakuierung

Was passiert bei einem Atom-Störfall in Leibstadt oder Beznau?

Peter Rosa

Von Peter Rosa

Fr, 12. Juli 2019 um 10:22 Uhr

Südwest

Gleich mehrere Atomkraftwerke stehen in der Nähe von Südbaden. Regierungspräsidium, Bundesamt für Strahlenschutz und Landratsamt informieren über Vorgänge bei Pannen.

Der Landkreis Waldshut befindet sich in unmittelbarer Nähe zweier Schweizer Atomkraftwerke in Leibstadt und Beznau sowie in mittlerer Entfernung zum französischen Kraftwerk Fessenheim. Welche Auswirkungen ein Störfall in einer der Anlagen haben könnte und welche Maßnahmen zur Verfügung stehen, darüber informierte das Landratsamt Waldshut jüngst in einer Infoveranstaltung. Viele der gut 200 Teilnehmer – unter ihnen zahlreiche Kreisräte und Bürgermeister der Region – äußerten im sich Anschluss besorgt.

Über mögliche Störfalle von Kernenergieanlagen und ihre möglichen Auswirkungen informierte Matthias Zähringer vom Bundesamt für Strahlenschutz. Seine Aufgabe ist es, sämtliche Szenarien – so unwahrscheinlich sie auch sein mögen – durchzurechnen und mögliche Auswirkungen aufzuzeigen.

Ziel sei es, so auch auf den größten anzunehmenden Unfall vorbereitet zu sein. Je nach erwarteter Strahlendosis reichten die Maßnahmen vom Verbleib in Gebäuden, über die Einnahme von Jodtabletten bis hin zur Evakuierung. Dass solche Maßnahmen immer auch einen Kompromiss darstellen, betonte Zähringer ebenso, wie die geringe Wahrscheinlichkeit eines Extremszenarios.

Eine Evakuierung ist auch davon abhängig, wie viele Busse und Fahrer zur Verfügung stehen

Jede Maßnahmenstrategie richte sich nach der jeweiligen Art und Schwere des Störfalls, aber auch nach der Windrichtung, der Verkehrssituation und logistischen Fragen, wie zum Beispiel der Verfügbarkeit von Bussen und Fahrern im Falle einer notwendigen Evakuierung. Welche dieser Maßnahmen wie und wann durchgeführt würden, ist Teil der Planungen des Amtes für Katastrophenschutz beim Regierungspräsidium Freiburg.

Referatsleiterin Tina Schlick erklärte die Planungsarbeit in Sachen Evakuierungszonen und -wegen sowie die Zusammenarbeit mit deutschen und Schweizer Stellen. Wie ein entsprechender Experten-Stab im Landratsamt arbeiten würde, beschrieb Petra Hall vom Landratsamt Waldshut. Sie erklärte die Zusammenarbeit mit den Schweizer Behörden, unter anderem im Rahmen der alle zwei Jahre stattfindenden Gesamtübung beziehungsweise in der Deutsch-Schweizerischen Kommission.

"Wir schicken niemanden in den Stau, wenn er im Haus sicherer ist" Tina Schlick

Neben mehreren Fragen äußerten viele der Teilnehmer auch ihren Unmut über die aus ihrer Sicht zu unkonkreten Planungen sowie über den Betrieb von Kernkraftwerken im Allgemeinen. Viele befürchten auch aufgrund der Straßenverkehrslage in der Region ein Chaos und warfen den Experten vor, hierfür keine Antworten parat zu haben. Dass detaillierte Pläne für verschiedene Szenarien vorliegen, entgegnete Tina Schlick.

Diese seien aber von der jeweiligen Situation abhängig. Darüber hinaus könne man nur mit der vorhandenen Infrastruktur planen. "Wir schicken niemanden in den Stau, wenn er im Haus sicherer ist", sagte Schlick. Petra Hall: "Wir brauchen im Ernstfall auch ihre Mithilfe."

Informationen gibt es über Rundfunk, Lautsprecher und die Warn-App "NINA"

Abschließend fand Landrat Martin Kistler mahnende Worte: "Eine Katastrophe bleibt eine Katastrophe und die hat auch nicht beherrschbare Elemente. Aber was wir planen können, das wird auch geplant." Martin Kistler mahnte zur Sensibilisierung gegenüber der mittlerweile im Wohlstand ungewohnten Krise. "Wer glaubt, der Staat könne immer alles richten, der täuscht." Der Bürger habe auch eine Holschuld, was Informationen und Vorkehrungen für eine Katastrophe betrifft.

Die Experten empfehlen vor allem die Beachtung des Rundfunks und Lautsprecherdurchsagen. Darüber hinaus könne man sich auch über die Warn-App "NINA" informieren. Der Notfallratgeber "Notfallschutz" auf der Homepage des Regierungspräsidiums soll demnächst aktualisiert werden. Bis jetzt ist die alte Version von 2012 gültig.