Was tun bei Chaos im Flugplan?

Philipp Laage

Von Philipp Laage (dpa)

Sa, 18. Juli 2020

Reise

RECHT AUF REISEN: Neue Flugzeiten nicht immer akzeptabel.

Statt am Montag startet das Flugzeug erst am Dienstag, oder der Abflug wird vom Vormittag in den Abend verlegt: Änderungen wie diese kommen im Sommer 2020 aufgrund der Nachwirkungen des Corona-Flugstopps regelmäßig vor. "Die pausenlos eingehenden telefonischen Hilferufe von Flugkunden sowie die rekordverdächtig vielen Schlichtungsanträge sind in der Tat ein Indikator dafür, dass es diesen Sommer in der Luftfahrt recht turbulent zugeht", sagt Heinz Klewe, Geschäftsführer der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr.

Das bestätigt auch Fairplane. Das Portal setzt – gegen Provision – die Rechte von Fluggästen gegenüber Fluggesellschaften durch. "Es sieht nach einem Chaosjahr wie nach der Air-Berlin-Pleite aus", sagt Geschäftsführer Andreas Sernetz. Der Grund: "Die Flüge, die im Winter verkauft wurden, werden im Sommer nicht mehr geflogen." Fast kein Flug finde statt wie geplant.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft sieht das anders: Seit Anfang Juni nähmen die Fluggesellschaften viele Verbindungen wieder auf und bedienten inzwischen wieder 60 Prozent ihres Streckennetzes. Der aktualisierte Flugplan sei bislang sehr stabil und werde weiter ausgebaut. "Da sich die Pandemie aber in den Ländern sehr unterschiedlich entwickelt, kann es in Einzelfällen vorkommen, dass aufgrund von staatlich verfügten Reisebeschränkungen Flüge nicht wie geplant stattfinden können", so der Verband.

Viele Verbraucher sind nun verunsichert, ob und in welchem Maße sie Änderungen der Flugzeiten oder gar des Reisetages hinnehmen müssen. Der Anwalt und Reiserechtsexperte Paul Degott sagt: Die Verschiebung eines Fluges oder eine Umbuchung eines Passagiers auf eine andere Verbindung ist rechtlich betrachtet eine Annullierung – und in diesem Fall hat der Kunde das Recht, von seinem Vertrag zurückzutreten. Das heißt: Er muss nicht fliegen und kann sein Geld zurückbekommen.

Doch ab wie vielen Stunden Unterschied ist eine Verschiebung als Annullierung zu werten? Degott sagt, dies sei ab etwa drei Stunden der Fall – und die Verlegung eines Fluges vom Morgen auf den Abend sei "auf jeden Fall eine wesentliche Änderung der Flugzeit." Und auch für Pauschalurlauber gilt: Sie können in einem solchen Fall von ihrem Reisevertrag zurücktreten, wenn der Flug als Reiseleistung des Pakets durch eine Verschiebung erheblich beeinträchtigt ist. Nach Erfahrungen von Fairplane informieren viele Airlines ihre Kunden nicht transparent: "In der E-Mail steht zum Beispiel: "Bitte antworten Sie innerhalb von 24 Stunden, andernfalls gelten die Änderungen als akzeptiert." Von Erstattung ist da gar keine Rede", sagt Fairplane-Sprecher Ronald Schmid. Er betont jedoch auch: "Flugverschiebungen bis drei Stunden muss man hinnehmen."

Wird ein Flug aufgegeben, so ist das daran erkennbar, dass der Ersatzflug eine andere Flugnummer bekommt. Dies sei ein klares Zeichen für eine handfeste Annullierung. Änderungen von Hin- und Rückflug werden dem Kunden meist getrennt mitgeteilt. Das halte Passagiere letztendlich davon ab, von ihrem Recht auf Erstattung Gebrauch zu machen.