Wasserqualität nur mäßig

Studie zu Elz-Dreisam-Flusssystem: Kläranlagen müssen nachrüsten

Michael Haberer

Von Michael Haberer

So, 08. Dezember 2019 um 18:03 Uhr

Freiburg

Der Sonntag Die Flüsse und Bäche des Elz-Dreisam-Systems sind in einem "mäßigen Zustand". Zu diesem Schluss kommt eine Studie. Die Verbesserungen für die Wasserqualität kosten Millionen.

Darin werden zahlreiche Vorschläge zu Verbesserung der Wasserqualität gemacht. Das kostet Millionen. Seit 2015 waren die Biologin Ursula Riedmüller und ihr Team an Elz, Dreisam, Glotter und ihren kleinen Zuflüssen unterwegs, um Wasserproben zu entnehmen, Kleintiere aus dem Wasser zu holen und den Gewässerzustand zu dokumentieren, im Rahmen eines Modellprojekts für das Regierungspräsidium (RP).

Dass von guter Ökologie in Dreisam und Elz keine Rede sein kann, erscheint offensichtlich, wenn im Sommer die Pflanzen im Fluss wuchern. Nun liegen dafür handfeste Daten und Zahlen vor. Diese seien nicht nur Denkanstöße, von denen es auf hunderten von Seiten Abschlussbericht viele gibt, sondern würden auch Grundlage für künftige Entscheidungen der Behörden sein, versichert Bernd Serr von der Abteilung Umwelt des RP.

Die Konsequenzen werden diejenigen spüren, die eine Genehmigung brauchen, um Wasser in die Gewässer einzuleiten. Das trifft vor allem die Betreiber von Kläranlagen. "Die Landwirtschaft ist bei der Belastung der Gewässer lange nicht so dominant wie die Bevölkerung durch ihr Abwasser", sagt Serr.

Investitionen in neue Filter und Reinigungsstufen

Was das eigentlich als gereinigt geltende Abwasser aus den Klärwerken in Elzach, Köndringen, Kenzingen und Herbolzheim in der Elz anrichtet, ist so gravierend, dass in den nächsten Jahren viel Geld in weitere Filter und neue Reinigungsstufen investiert werden muss. Da ist einmal der Phosphor. "Wenn sowieso schon zu viel Stickstoff im Wasser ist und noch der Phosphor dazukommt, dann spielt die Pflanzenwelt verrückt", sagt Serr. Ein verkrauteter und sauerstoffarmer Bach kann keine gute Ökologie aufweisen.

Für die Betreiber der Klärwerke, die Städte Elzach, Kenzingen und Herbolzheim sowie den Abwasserzweckverband Untere Elz, bedeutet der Befund, dass sie viel Geld investieren müssen. Serr geht von bis zu zehn Millionen Euro aus, die allein die Filteranlagen kosten.

Belastung durch Gift aus den Medikamenten

Manche Inhaltsstoffe des gereinigten Wassers lesen sich wie ein Beitrag in der Apothekerzeitung: Carbamazepin, Diclofenac, Gabapentin, Ibuprofen, Tramadol und vielerlei Estrogene. Was bei den Menschen ihre lindernde Wirkung getan hat und über die Kläranlage in die Elz geht, wirkt dort wie ein Gift. Die Grenzwerte seien überschritten, die Wirkung auf die Wasserfauna sichtbar, stellt die Biologin fest. Und die Belastung durch das Gift aus den Medikamenten dürfte steigen. "Die immer älter werdende Bevölkerung verbraucht mehr Medikamente", sagt Serr.

Für den Umgang mit dem Abwasser an der Elz heißt das, dass wohl alle Klärwerke eine vierte Reinigungsstufe brauchen. Damit müssen weitere Millionen in die Abwasserreinigung gesteckt werden. Der größte Verschmutzer der Elz ist derzeit das Klärwerk in Köndringen, über das insbesondere Emmendingen und Teningen ihre Abwässer einleiten. Für Köndringen liegt bereits ein Modernisierungsplan vor. Danach müssen in den nächsten Jahren mindestens 24 Millionen Euro in die Anlage gesteckt werden. Wenn die Reinigung von Phosphor und medizinischen Wirkstoffen dazukommt, wird es noch viel teurer – auch für den Gebührenzahler. "Ich kann es nicht nachvollziehen, dass angesichts dieser Kosten die Betreiber nicht überprüfen wollen, ob der Anschluss an das Klärwerk in Forchheim günstiger wäre", sagt Serr.

In Forchheim betreibt der Abwasserzweckverband Breisgauer Bucht sein Klärwerk für die Anrainer der Dreisam. In Forchheim sind Phosphorrückgewinnung und vierte Reinigungsstufe bereits angedacht. Wenn die Schadstofffracht vom Klärwerk Köndringen geringer würde, hätte Herbolzheim als Unterlieger an der Elz eine Chance, um die eine oder andere Reinigungsstufe herumzukommen, denkt Serr. "Viele Menschen hängen im Sommer an Elz und Dreisam ihre Füße ins Wasser", hält Serr möglichen Bedenken der Bevölkerung wegen der steigenden Kosten entgegen. Die Bevölkerung gehe davon aus, dass sie dies im sauberen Wasser tue. Das sei ihr sicher etwas wert, glaubt Serr.