Bildungsbericht

Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung zeigt Wirkung

Simone Höhl

Von Simone Höhl

So, 19. November 2017 um 12:41 Uhr

Freiburg

Wer wechselt wohin? Der Bildungsbericht zeigt, wie sich die freie Schulwahl in Freiburg auswirkte und wo es untypische Trends gab. Rekord bei Gymnasiasten, wenige Realschüler, kaum Werkrealschüler.

Der Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung hat sich in Freiburg ausgewirkt, das zeigt der Bildungsbericht der Stadt. Er zeigt auch, in welchen Quartieren es überraschend viele Kinder aufs Gymnasium schaffen, obwohl die Bedingungen nicht gut sind – und wo es umgekehrt läuft.

Die Grundschulempfehlung
Vor fünf Jahren fiel die Barriere: Die Empfehlung der Grundschule bestimmte zuvor, welche Schulart Fünftklässler besuchen. Es gab sie weiter, aber Eltern konnten ihr Kind schicken, wohin sie wollten.

Die Gymnasiasten
Die Quote der neuen Gymnasiasten auf öffentlichen und privaten Schulen stieg in Freiburg schon seit Jahren an. Aber 2012 schnellte sie von 54 Prozent auf 59 Prozent. Dabei hatten auch die Gymnasialempfehlungen der Grundschulen mit 61 Prozent den Höchststand erreicht. Beides normalisierte sich vergangenes Jahr. Der Anteil der Gymnasiasten mit Realschulempfehlung stieg auf 10 Prozent.

Der Bildungsbericht legt auch die Lupe auf die Stadtbezirke und sieht Zusammenhänge zum Anteil an Migranten und Bedarfsgemeinschaften.

Überraschend: Es gibt Bezirke, die haben geringe Anteile und trotzdem wenig Gymnasiasten (Opfingen, Haslach, Altstadt-Mitte, St.-Georgen-Nord). Umgekehrt schaffen’s in Alt-Stühlinger, Haslach-Schildacker, Mooswald-Ost, Brühl-Industriegebiet und -Beurbarung viele auf das Gymnasium. "Offensichtlich kann man das abkoppeln von den Bedingungen", folgert Hans Döbert. Der Professor verantwortet seit Jahren den Bericht, der eine Basis für Freiburgs Bildungspolitik ist. Er betrachtet auch die Übergangsquoten der einzelnen, anonymisierten Grundschulen über Jahre – sie schwankt teils um über 30 Prozent.

Die Werkrealschüler
Die Werkrealschulen schrumpften stark, sie bekamen 2016 nur noch 5 Prozent der Grundschüler, 2010 war die Quote noch fast dreimal so hoch. Die Empfehlungen betrugen stabil 15 Prozent – hier zeigt sich die größte Differenz von Rat und Tat. Realschulempfohlene kamen kaum, 2016 waren es gerade mal 3 Prozent.

Die Realschüler
Die Übergangsquote auf die Realschulen pendelte um die 20 Prozent, von 22 bis 26 die Empfehlungen. G 8 lässt grüßen: Jeder fünfte Realschüler hatte eigentlich eine fürs Gymnasium, aber höchstens jeder Vierzigste für die Werkrealschule.

Die Gemeinschaftsschüler
Mehr als die Hälfte der Schüler, die auf die Gemeinschaftsschule gingen, hatten eine Empfehlung für die Werkrealschule, ein gutes Drittel für die Realschule und fast 14 Prozent fürs Gymnasium.

Die Zahlen
Der Bildungsbericht verwendet unter anderem Zahlen des Statistischen Landesamtes, um Freiburg vergleichen zu können. Weil dies Privatschulen einkalkuliert, aber Staudinger-Gesamtschule und Waldorfschulen in die Kategorie "sonstige" rechnet, weichen die Quoten von früheren Angaben der Stadtverwaltung ab.

Landesvergleich
Freiburgs Gymnasialquote lag dem Bericht zufolge 2016 fast zehn Prozentpunkte höher als im Landesschnitt, die Realschulquote gut zehn Punkte niedriger.

Wie geht’s weiter?
Der Bildungsbericht analysiert Daten zum Thema von der Kita bis zur beruflichen Weiterbildung, zeigt Trends und Probleme auf (die BZ berichtete). Der Gemeinderat soll im Frühjahr über die Handlungsempfehlungen entscheiden.