Ausstellung

Kunst aus der Sicht eines Biologen

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mi, 13. März 2019 um 14:05 Uhr

Wehr

Der Wehrer Maler Karl Herbert Baureithel zeigt erstmals bei einer Einzelschau sein kreatives Schaffen aus 34 Jahren in der Wehrer Stadthalle.

"Das ist eine der schönsten Ausstellungen, die ich in den letzten Jahren hier organisiert habe", begeistert sich Armin Kronberger, der Vorsitzende des Förderkreises Stadtmuseum. Was ihn besonders beeindruckt an dieser Schau des Wehrer Malers Karl Herbert Baureithel, ist die "enorme Vielseitigkeit und Vielfalt".

Für diese Einzelschau unter dem Titel "Stille und Bewegung", die am Sonntag, 17. März, im Stadtmuseum eröffnet wird, hat Baureithel 42 Arbeiten von 1985 bis heute ausgesucht: ein breites Spektrum an Motiven und Techniken von Bleistiftzeichnungen bis zu Aquarellen und Acrylmalerei.

Der 60-jährige studierte Biologe, der beruflich auch in China, Taiwan und der Schweiz tätig war und heute im Qualitätsmanagement arbeitet, kommt nur in der Freizeit zum Malen. Seit 2010 besucht er regelmäßig den Malkreis Öflingen, wo die Teilnehmer unter Leitung von Hansjörg Bißwurm an ihren mal- und zeichentechnischen Fertigkeiten feilen und ihre bildnerischen Ideen frei entfalten können. Baureithel schätzt das selbstständige Arbeiten in diesem Malkreis: "Das sind für mich zwei Stunden pure Entspannung. Jeder hat seinen eigenen Duktus, seine eigene Charakteristika, seine eigene Handschrift." Bißwurm schaffe es sehr gut, die Teilnehmer für den Umgang mit Farben und Formen zu begeistern und "die Augen und den Blick zu öffnen für die Kunst." An diesen Abenden und am Wochenende kann sich Baureithel intensiv seiner Malerei widmen. Er war auch schon, wie er erzählt, einige Male in der Arbeitsgemeinschaft Zeichnen unter Leitung von Marion Fichtl.

Gedichte als Inspiration

"Ich habe zu Hause Ordner voller Ideen", sagt der in den USA geborene und in Öflingen aufgewachsene Baureithel, der zwei Jahre lang im Vorstand des Öflinger Vereins Kunst und Diakonie aktiv war. Es sind verschiedene Dinge, die den kunstbegeisterten Maler zu den Bildinhalten inspirieren. Das kann ein Gedicht von Marie Luise Kaschnitz sein, das er als Schriftbild umsetzt. Das können eindrückliche Zeitungsfotos sein, die ihn zu zeit- und sozialkritischen Bildern bewegen. Wie dem Bild eines Jungen, der auf der ausgetrockneten Erde Ähren sammelt, während ein Wolken-Brot über ihm schwebt. Auch erschütternde Fotografien aus dem Südafrika der 1980er-Jahre haben Baureithel aufgewühlt, der immer wieder schwierige, schmerzlich brisante Themen in seiner Malerei aufgreift.

Er zeigt aber auch andere Seiten, etwa dynamische Wasser- und Wellenbilder, den Himmel mit Wolken und Kondensstreifen, und Tiermotive aus ungewöhnlicher Perspektive.

Tiere als Motiv

Tiere wie Delfine, eine Katze oder einen Hund aus ungewohnter Sichtweise ins Bild zu setzen, ist eine Spezialität des Malers. Um die Werkschau aufzulockern, hängen stilistisch verschiedenartige Werke nebeneinander: Abstraktes, Blumenmotive, Landschaften, Figurenbilder, Politisch-Kritisches, auch mal Surreales. Wie Baureithel erzählt, geht er unterschiedlich an die Bilder heran. Die einen entstehen intuitiv, die anderen genau geplant nach einem Konzept.

Nachdem er schon an mehreren Gruppenausstellungen beteiligt war, aktuell auch an der Gemeinschaftsschau "Kunst in Wehr" im Alten Schloss, freut sich Baureithel, in dieser ersten Einzelausstellung einen größeren Einblick in sein malerisches Schaffen zu geben.

Wie Armin Kronberger betont, ist es dem Förderkreis ein Anliegen, Kunstschaffenden aus der Stadt und Region ein Podium zu bieten. Zur Eröffnung wird die Tochter des Künstlers, die Sängerin Elisabeth Baureithel, mit ihrem Duopartner Dario Rago auftreten.

Vernissage ist am Sonntag, 17. März, 17 Uhr, im Stadtmuseum. Zur Einführung spricht Wendelin Schmidt-Ott. Die Ausstellung dauert bis zum 14. April .