Wehratalbahn

WEHRAWELLEN: Protest bis zum letzten Tag

Erika Bader

Von Erika Bader

Sa, 08. Februar 2020

Wehr

Zwei Bilder und ein Text von der Länge einer Meldung – das ist alles, was in der Ausgabe der Badischen Zeitung vom 24. Mai 1971 von der Stilllegung des Personenverkehrs auf der Wehratalbahn zeugt. Am 22. Mai 1971 fuhr der letzte Personenzug geschmückt und überfüllt um 18.10 Uhr von Säckingen nach Schopfheim. Der Text zeugt davon, dass es vor allem Schüler waren, die am letzten Tag der Wehratalbahn ihren Unmut kundtaten. Selbstgebastelte Plakate, in denen das DB-Logo wahlweise in einem Mülleimer oder einer Toilette steckt und weitere Plakate, auf denen zu lesen war: "Unerwartet wird heute unser lieber, roter Wehratal-Express von uns genommen" oder "Öflingens Zukunft: in jedem Schlagloch ein Bahnbus". Geholfen haben die Proteste nicht – die Wehratalbahn beförderte seitdem keine Passagiere mehr von Schopfheim nach Säckingen. Keine wütenden Schüler des Säckinger Gymnasiums und der Handelsschule, sondern eine Interessensgemeinschaft setzt sich heute dafür ein, dass auf den stillgelegten Gleisen wieder Züge rollen. 2021 wird sich herausstellen, ob das Land die nötigen Zuschüsse erteilt, die für eine Reaktivierung der Wehratalbahn notwendig wären. Vielleicht stehen dann ja wieder Schüler auf dem Bahnsteig – vielleicht jene, die sich im Rahmen von "Fridays for Future" für eine umweltbewusstere Politik eingesetzt haben.