Weil am Rhein

Einkehr zu nächtlicher Stunde in der Kirche St. Peter und Paul

Regine Ounas-Kräusel

Von Regine Ounas-Kräusel

So, 12. Mai 2019 um 22:00 Uhr

Weil am Rhein

Die Nacht der blauen Kirche bietet viele besinnliche Facetten, die gut ankommen. Lediglich Jugendliche zeigen wenig Interesse an der Veranstaltung zum 30-Jährigen Bestehen der Kirche.

Die katholische Pfarrei Sankt Peter und Paul hat am Samstag mit einer "Nacht der Blauen Kirche" den 30. Geburtstag ihres Gotteshauses gefeiert. Im Rahmen eines vielfältigen und kurzweiligen Kulturprogramms konnten die Besucher auch die vielgerühmte Metzler-Orgel der Kirche kennenlernen sowie die Fenster, die den Namenspatronen Petrus und Paulus gewidmet sind. Susanne Helgerth-Schenkel vom Gemeindeteam freute sich über die zahlreichen Besucher. Nur dass so gut wie keine Jugendlichen darunter waren bedauerte sie. Die Pfarrei Sankt Peter und Paul hatte die Kirche mit dem blauen Zeltdach und den Fenstern des Künstlers Emil Wachter vor 30 Jahren gebaut, weil die Zahl der Katholiken auf der Leopoldshöhe und in Weils Innenstadt nach dem Krieg rasch gewachsen war. Heute gehört die Pfarrei zur katholischen Gesamtgemeinde Weil am Rhein. Schon beim festlichen Gottesdienst zum Auftakt der Jubiläumsnacht sei die Kirche voll gewesen, berichtete Susanne Helgerth-Schenkel. Der Kirchenchor, Solisten des Weiler Vokalensembles und ein kleines Orchester gestalteten ihn festlich mit einer Kantate von Buxtehude. Auch zu den vielseitigen Musikangeboten danach fanden sich immer wieder etliche Menschen in der Kirche ein. Isabella und Christian Leitherer spielten auf Jazzgeige und Piano brasilianische Musikstücke, Choros genannt.

Musik verbreitete ihre Lebensfreude

Leicht, beschwingt und tänzerisch verbreitete ihre Musik Lebensfreude. André Wahl stellte später die vielseitige Metzler-Orgel vor. Die Orgelsuite des Barockkomponisten Clerambault begann mit mächtig schwellender Klangfülle. Aber auch heitere Passagen mit weichen Flötenklängen und winzigen Verzierungen, strahlende Trompeten und dunkle warme Bässe waren zu hören. Später erklärte André Wahl seinen Zuhörern, darunter auch eine Handvoll Kinder, unterhaltsam die Geheimnisse der Orgel. Zu erfahren war da zum Beispiel, dass die Römer Orgeln im Zirkus nutzten und dass die Instrumente in unseren Breiten viele Jahrhunderte lang auf dem Jahrmarkt gespielt wurden. Als Wahl der Metzler-Orgel den typischen Drehorgelsound entlockte, klatschten die Zuhörer im Takt. Kirche und Lebensfreude gehören zusammen, das konnte, wer wollte, als Botschaft aus der Nacht der Blauen Kirche mitnehmen. Viele Besucher hatten einen Bezug zur Pfarrei. Sei es die Weilerin, für die ganz in der Tradition ihrer polnischen Familie zum Sonntag eben der Gottesdienst und ein Familienessen gehören. Oder der 15-Jährige, dessen Mutter in der Gemeinde aktiv ist und der sich gerade auf seine Firmung vorbereitet. Spannende Geschichten gab es in der Jubiläumsnacht auch zu hören. Am Lagerfeuer drängten sich Kinder und Erwachsene um das Lagerfeuer und lauschten dem Märchenerzähler Gidon Horowitz, der vom biblischen König Salomo und dem Schatz der Seefahrer erzählte.

Dialoge laden zum Betrachten der Fenster ein

In der Kirche stellten Marlies Wiechert und mehrere Gemeindemitglieder in lebendigen, knappen Dialogen die Apostel Petrus und Paulus vor, zum Beispiel wie Petrus auf dem Wasser geht oder wie Paulus bei Damaskus erleuchtet wird und vom Christenverfolger zum Apostel wurde. Die Dialoge luden die Besucher ein, die Kirchenfenster mit Szenen aus dem Leben der beiden Apostel genauer zu betrachten. Über das eigene Leben und vor allem die Frage, was Heimat für einen bedeutet, konnten die Menschen später zusammen mit Pastoralassistentin Lioba Jörg nachdenken. Zwischendurch drängten sich die Besucher im Saal des Gemeindehauses, unterhielten sich lebhaft bei Snacks des Frauenkreises und bei Cocktails der Pfadfinder, während das Leitherer-Trio mit gepflegtem Jazz eine schöne Stimmung zauberte. Mit einem meditativen Abschluss klang der Abend aus.