Überblick Kreis Lörrach

Tief Lolita weht Wellblech von Garage auf Bahnstrecke bei Schopfheim

Hannes Lauber, Jonas Hirt, Ralf H. Dorweiler & Ulrich Senf

Von Hannes Lauber, Jonas Hirt, Ralf H. Dorweiler & Ulrich Senf

Di, 28. Januar 2020 um 14:01 Uhr

Kreis Lörrach

In Weil am Rhein schiebt der Sturm Container auf die Straße, in Schopfheim war der Zugverkehr zu Mittagszeit unterbrochen. Ein Überblick über Tief Lolita im Landkreis Lörrach.

Der Vorfall ereignete sich am Dienstagvormittag an der Baustelle des Einkaufszentrums Dreiländergalerie, die an der sogenannten Hangkante, einem abfallenden Hanggrundstücke errichtet wird. Oberhalb der Baustelle entlang der Müllheimer Straße befindet sich eine längere Zeile von Baucontainern. Vier dieser jeweils eineinhalb bis zwei Tonnen schweren Container hat der Sturm an der Nordseite erfasst und etwa zehn Meter in den angrenzenden Straßenraum geschwenkt. Menschen kamen bei dem Vorfall nach Angaben von Bauleiter Olaf Bauer nicht zu Schaden, die Container waren zu dem Zeitpunkt nicht belegt.

Glück im Unglück: Da auf der Baustelle drei große Baukrane montiert sind, konnten die Mitarbeiter die Container mit eigenen Mitteln wieder in die richtige Position bringen. Bis es soweit war, war die Müllheimer Straße aber nur einseitig befahrbar, Autos mussten im Wechselverkehr passieren. Seit 10.15 Uhr ist die Straße aber wieder frei.

Bilanz Weil am Rhein

Größere Schäden waren nach den morgendlichen Sturmböen im Stadtgebiet Weil nicht zu beklagen, so eine erste Bestandsaufnahme. Gleichwohl musste die Feuerwehr kurz vor 9 Uhr ausrücken und Ziegel aufsammeln, die es von einem Dach heruntergeweht hatte. Zudem sicherten die Wehrmänner das Dach an der Ecke Hauptstraße/Bühlstraße. Um der Abteilung Absturzsicherung der Freiwilligen Feuerwehr die Möglichkeit zu geben, die Ziegel so weit zu befestigen, dass keine weitere Gefährdung mehr von ihnen ausgeht, musste der Sparkassenkreisel vorübergehend für den Verkehr gesperrt werden.

Überblick im Landkreis Lörrach

Polizeisprecher Jörg Kiefer nennt auf BZ-Anfrage weitere Einsätze der Polizei und Feuerwehr. Eingegangen seien die Alarmierungen zwischen 9.12 Uhr und 9.46 Uhr. Hauptsächlich sind Bäume auf die Straße gefallen. So zum Beispiel in den Weilern Ortsteilen Märkt und Haltingen. Auf der Straßen zwischen Wittlingen und Haagen und auf zwischen Holzen und Egringen lägen ebenfalls Bäume.

In Lörrach seien kleinere Äste auf die Wallbrunnstraße geweht worden. Hier sei kein Feuerwehreinsatz notwendig gewesen. In Schopfheim läuft laut Kiefer am Dienstagmorgen noch ein Einsatz der Feuerwehr. Im Ortsteil Gündenhausen habe der Sturm die Beleuchtung vom Dach gerissen. In Rheinfelden habe der wind Bäume halb auf die Straße geweht. In Grenzach-Wyhlen zerbasten in zwei Etagen eines Hauses in der Hasenrichte die Treppenhausverglasungen. Das Glas bliebt auf einem Vordach liegen.

Kiefer Fazit am Dienstagmorgen: "Es scheint glimpflich ausgegangen zu sein."

"Es kommen immer wieder Einsätze rein." Polizeisprecher Jörg Kiefer

Glück hatte der Fahrer eines Mercedes. Sein Auto stand in der Schopfheimer Innenstadt nahe eines Bauzauns, der vom Sturm umgeweht wurde. Der Zaun verfehlte den Mercedes um einige Zentimeter.

Glimpflich ist Steinen weggekommen. "Wir hatten nur einen umgekippten Baum", meldet Kommandant Walter Bachmann auf Nachfrage der BZ. Die riesige Tanne stand in einem Vorgarten an der Kanderner Straße am Ortsausgang nach Weitenau und wurde von den kräftigen Windböen auf die Straße gefällt. Bachmann und seine Mannen haben den "ewig langen" Baum mit der Motorsäge bereits fachmännisch in mehrere Teile zerlegt.

Weitere Einsätze mittags

Am frühen Nachmittag bestätigte Jörg Kiefer auf Anfrage, dass auch die Bahnstrecke bei Schopfheim kurzzeitig gesperrt wurde. Von dem Dach einer Garage habe sich ein Wellblech gelöst und sei der Oberleitung bedrohlich nah gekommen. Auf der Straße zwischen Ottwangen und Adelhausen beseitige die Straßenmeisterei gerade Bäume. Ebenfalls würden Bäume auf der L138 zwischen Tegernau und Höll liegen. In Maulburg habe ein vom Sturm umgerissener Bauzaun drei geparkte Autos beschädigt. Der Schaden liegt bei rund 1000 Euro. Auf der B317 zwischen Wembach und Fröhnd sei ein fahrendes Auto gegen 10.20 Uhr von einem umstürzenden Baum beschädigt worden. Verletzt wurde dabei niemand, es entstand Sachschaden in Höhe von rund 2.000 Euro.

"Es kommen immer wieder Einsätze rein", sagt Kiefer. Der Schwerpunkt verlagere sich aber Richtung Hochschwarzwald.

Schwörstadt

Die Sturmböen am Dienstagvormittag haben auch in Schwörstadt zu Einsätzen für Feuerwehr und Werkhof geführt. Beim Durchzug der Kaltfront von Tief "Lolita" kam es um 9.20 Uhr zu einem kurzfristigen Gewitter mit Starkniederschlag (fünf l/m² in fünf Minuten) in Form von Regen und Graupel. Laut den Daten von Schwörstadts Wetterexperte Helmut Kohler dauerte das Gewitter nur bis etwa 9.35 Uhr. Die Sturmböen waren mit Geschwindigkeiten bis zu 60 Stundenkilometern eigentlich nicht extrem stark, warfen aber trotzdem ein paar Bäume um. "Ich vermute, dass es Bäume mit Vorschädigungen gewesen sein könnten", meinte Kohler.

Zwei Bäume stürzten laut Daniel Ebi, dem Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Schwörstadt, auf die Kreisstraße zwischen Schwörstadt und Dossenbach und sorgten dort für Behinderungen. Die Abteilung Dossenbach rückte mit sechs Feuerwehrleuten und Vertretern des Werkhofs um 9.40 Uhr aus. Um 9.58 war der Einsatz erledigt.

Zwei weitere Einsatz erwarteten die Abteilung Schwörstadt im Bereich der Bergstraße. Auf der Verbindungstraße von Schwörstadt nach Wehr lag ein großer Baum quer über der Fahrbahn. Die Abteilung war mit fünf Personen ausgerückt. Ebenfalls war wieder der Werkhof beteiligt. Die Feuerwehr stellte fest, dass sie den dicken Baum nicht entfernen konnte. Der Werkhof rückte mit einer Seilwinde und einem Traktor an und zog den entwurzelten Baum zur Seite. Derweil kümmerte sich die Feuerwehr um einen weiteren auf der Verbindung Bergstraße nach Dossenbach umgestürzten Baum.

Zudem musste ein Teil des Festhallenparkplatzes abgesperrt werden, da es dort zu Steinschlag gekommen war.