Kirche

Weil der Pfarrer weg ist, lassen sich drei Schliengener zu Gottesdienstleitern ausbilden

Silke Hartenstein

Von Silke Hartenstein

Do, 22. Juli 2021 um 07:11 Uhr

Schliengen

Seit der Pfarrer weg ist, gibt es nur noch wenige Messen für die Katholiken. Jetzt lassen sich drei Schliengener zu Gottesdienstleitern ausbilden. Denn auch die Neuordnung der Erzdiözese steht an.

"Danke für diesen guten Morgen, danke für jeden neuen Tag." Die Worte des bekannten Kirchenlieds passen zum sonnigen Morgen bei der Wortgottesfeier vergangenen Sonntag auf dem Hallenplatz in Liel. Geleitet wird die nicht von einem Pfarrer, sondern von Heidi Ranft. Sie lässt sich von Mai bis September zusammen mit Sabine Fräulin und Jonas Büchin – alle Gemeindemitglieder der Seelsorgeeinheit Schliengen (SE) – in einem Liturgiekurs der Erzdiözese Freiburg zu Gottesdienstleitern ausbilden. Die drei Schliengener sorgen damit auf lange Sicht auch für den Erhalt gewachsener Strukturen in den Pfarrgemeinden.

Es ist Heidi Ranfts erster Wort-Gottesdienst, Fräulin und Büchin stehen ihr dabei zur Seite. Zur Ausbildung gehört, drei Wortgottesdienste zu leiten. Fräulin hat das bereits in Bamlach getan, Büchin in Schliengen. Auch bei der Wortgottesfeier in Liel sind alle drei angenehm überrascht vom guten Zuspruch. Ein Gottesdienst in Liel zu Sonntagen, an denen im Dorf ein Sommerfest stattfindet, hat Tradition. Als Wortgottesfeier gibt es das zum abgesagten Lampionfest aber zum ersten Mal.

In einem Gottesdienst steckt viel Arbeit

Zunächst begrüßt Pfarrgemeinderatsvorsitzende Barbara Hekerman die 35 Gottesdienstbesucher, dann übernimmt Heidi Ranft das Wort: "In Gottes Namen sind wir heute hier beisammen. Was uns zusammen führt, ist das gemeinsame Beten und Singen." Unter freiem Himmel singen viele Teilnehmer mit, Paul Hekermann spielt dazu Keyboard, die Stimmung ist leicht und angenehm, ein frischer Wind weht über den Platz. Zwei Lesungen, ein Auszug aus dem Evangelium, Glaubensbekenntnis, Lobpreis und Fürbitten gehören an diesem Tag zum Programm.

Über die auf jedem Sitzplatz ausgelegten bunten Bälle greift Ranft das Thema "Farben" des österlichen Lieler Stationenwegs auf und spricht darüber, was zu tun ist, wenn einem das Leben zu viele Bälle zeitgleich zuwirft. Fräulin und Büchin sind als Lektoren dabei. "Es ist schön, wenn man als Team auftreten kann", sagt Fräulin später im Gespräch mit der BZ. Lesungen und Evangelium seien für die sonntägliche Feier vorgegeben, so Ranft. Weitere Gebete und passende Lieder könnten die Laien aber selbst zusammenstellen. Viel Arbeit stecke hinter der Planung einer Wortgottesfeier. Mit der Zeit, so glauben Fräulin, Büchin und Ranft, werde sich das alles einspielen.

Alle Drei sind schon lange aktiv

Büchin hat ein Theologiestudium abgeschlossen. Er kündigt an: nach absolviertem Liturgiekurs sei an hohen kirchlichen Festtagen sogar die Kommunionsausteilung möglich, mit zuvor von einem Priester geweihten Hostien. Aktiv in den Gemeindeteams der SE sind alle drei schon lange: Ranft im Gemeindeteam Liel/Eggenertal, Fräulin in Bamlach/Rheinweiler und Büchin in Schliengen/Mauchen. Wort-Gottes-Feiern sind kein Ersatz für Eucharistie. Auch neu sind sie nicht. Beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) hieß es, Christus sei auch im Wortgottesdienst gegenwärtig, "da er selbst spricht, wenn die heiligen Schriften in der Kirche gelesen werden".

Zum Motiv für die Liturgieausbildung sagt etwa Büchin kurz und bündig: "Wir müssen was machen, denn wenn wir nichts machen, gibt’s bald nichts mehr." Seit Pfarrer Olaf Winters Weggang vergangenen April können in der SE nur noch wenige Gottesdienste angeboten werden, gehalten von Pfarrer im Ruhestand Winfried Wehrle. Pastoralreferentin Margot Lüthy habe mit ihrer 70-Prozent-Stelle bereits viel zu tun, erklärt Ranft, derzeit mit Aufgaben rund um Kommunion und Firmung.

Fusionen in der Erzdiözese

Hinzu kommt die angekündigte Neuordnung der Erzdiözese im Zeitraum 2025 bis 2030. Geplant sind 36 neue Großpfarreien. "Die Zeit rennt", sagt Fräulin. Bereits 2025, so Büchin, sei mit einer künftigen Pfarrei von Schliengen bis Breisach zu rechnen. Die großen Pfarreien würden von einem Priester geleitet plus weiterer flexibler Priester. "Die Wege werden weiter und die Abstände größer", schätzt Büchin die Lage dann ein und befürchtet, dies könne sich negativ auf den Erhalt kirchlicher Gruppierungen innerhalb der Pfarrgemeinden auswirken. Würde nur noch alle paar Wochen ein Gottesdienst im Ort abgehalten, könnten auch Gruppierungen wie die Kirchenchöre ihre Motivation verlieren.

Nächste Wortgottesfeier in Liel, Samstag, 24. Juli, 18.30 Uhr, mit Jonas Büchin.