Stadtteile

Weingarten und Straßburg-La Meinau feiern zehnjährige Partnerschaft

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Do, 12. September 2019 um 15:28 Uhr

Weingarten

Quartiere haben einiges gemeinsam Seit zehn Jahren gibt es eine Stadtteilpartnerschaft zwischen Weingarten und Straßburg-La Meinau

Wie viel haben Freiburg und Straßburg gemeinsam? Zumindest für den Freiburger Stadtteil Weingarten und den Straßburger Stadtteil La Meinau gilt: Da gibt es einiges. Das erleben Oxana Zotova (73) aus Weingarten, Rudi Wagner (72) aus La Meinau und die anderen, die sich vor zehn Jahren zu einer Stadtteilpartnerschaft zusammentaten. Am kommenden Wochenende tauschen sie sich wieder aus, in einem französischen Bildungshaus. Für die Freiburger gab’s dafür einen Jubiläumszuschuss durch die Stadt Freiburg und die Oberle-Stiftung.

"Als Touristin sieht man normalerweise nur den Glanz." Oxana Zotova aus Weingarten
Natürlich war Oxana Zotova auch früher schon mal in Straßburg. "Aber als Touristin sieht man normalerweise nur den Glanz", sagt sie. Durch die Partnerschaft mit La Meinau lernt sie andere Bereiche der Stadt kennen, erzählt sie – "und das alltägliche und einfache Leben der Menschen dort."

Beide Stadtteile sind sehr international

Einiges davon erinnert sie sehr an ihren eigenen Alltag in Weingarten, wo sie seit 25 Jahren lebt. Vor 26 Jahren war sie mit ihrer Familie aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland gekommen, und in ihrem Umfeld wohnen viele, die wie sie zugewandert sind. Auch in La Meinau ist alles sehr international. Oxana Zotova liebt vor allem die Feste dort, wo sich die Menschen mit ihren kulturellen Hintergründen und ihren Religionen als Christen, Juden und Muslime präsentieren – die Gruppe aus Weingarten war schon oft eingeladen und hat mitgefeiert.

Dass es dazu kommen konnte, liegt an Rudi Wagner (72). Er war früher Sozialarbeiter, hat in La Meinau die mobile Jugend geleitet und mit Sozialarbeit-Studierenden aus Straßburg Exkursionen nach Weingarten und zur dort verankerten Quartiersarbeit gemacht.

Das alles hatte sich aus der Zusammenarbeit von sechs Fachhochschulen am Oberrhein entwickelt, erzählt er. Irgendwann schlug dann die Quartiersarbeiterin Christel Werb vom "Forum Weingarten" vor, dass auch mal Freiburger nach Straßburg kommen könnten – das war der Beginn der Stadtteilpartnerschaft.

In La Meinau gibt es weniger Beteiligungsmöglichkeiten

Auch Rudi Wagner sieht viele Parallelen zwischen den Quartieren: Wie in Weingarten leben in La Meinau viele Menschen, die sozial benachteiligt sind, von den den 17.000 Wohnungen dort seien 12.000 Sozialwohnungen, sagt er. Wie in Weingarten gebe es viele Hochhäuser. Die allerdings seien in schlechterem Zustand als die in Weingarten, denn es werde kaum saniert.

Außerdem gebe es viel weniger Beteiligungsmöglichkeiten für die Menschen, die dort wohnen – er bewundert die basisdemokratischen Elemente mit den Sprecherräten in Weingarten, die für die Interessen der Mieterinnen und Mieter eintreten, und das Projekt der "Wohnverwandtschaften", wo sich die Bewohner gegenseitig unterstützen.

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In La Meinau sei vieles schwieriger, und es habe bereits sehr zugespitzte Phasen gegeben, als Autos angezündet wurden. Da seien die Treffen mit den Partnern aus Weingarten und ihre Erfahrungen umso wichtiger: "Das gibt uns viel Energie, Kraft und gute Ideen". Auch deshalb sei es zum Beispiel gelungen, ein Hochhaus vor dem Abriss zu bewahren.

"Wir sind nur Ältere, wir bräuchten junge Leute." Oxana Zotova
Am Wochenende wollen sie planen, wie sie weitermachen, zehn Menschen aus Weingarten werden dabei sein. Natürlich auch Oxana Zotova, die mit den französischen Partnern gut zurechtkommt, obwohl sie kein Französisch spricht. Eines aber findet sie sehr schade: "Wir sind nur Ältere, wir bräuchten junge Leute."
Kontakt: Christel Werb, 0761/4760697, E-Mail: werb@forum-weingarten.de