Spaniens ehemaliger Monarch im Emirat Abu Dhabi

Wenige Lebenszeichen aus dem Exil von Altkönig Juan Carlos

Emilio Rappold

Von Emilio Rappold (dpa)

Mo, 02. August 2021 um 20:30 Uhr

Panorama

Vor einem Jahr verließ Juan Carlos Spanien heimlich Richtung Abu Dhabi, vorausgegangen waren Justizermittlungen und Korruptionsvorwürfe. Über seinen Alltag ist seither kaum etwas bekannt

. Das hätte in Spanien wohl niemand für möglich gehalten: Altkönig Juan Carlos, einst einer der beliebtesten Monarchen Europas, lebt bereits seit einem Jahr im Emirat Abu Dhabi; fern von Frau und Familie, im Exil. Seitdem er seine Heimat am 3. August 2020 heimlich verlassen hat, hüllt sich der 83-Jährige in Schweigen.

Keine öffentliche Aussage, keine Mitteilung, kaum Fotos: Auch das Königshaus und die Regierung in Madrid haben bisher nichts Konkretes über das Leben des früheren Staatsoberhauptes in der Wüste verraten. Das letzte Bild von Juan Carlos, am Tisch mit Kronprinz Scheich Mohammed bin Said Al Nahjan, stammt vom Februar. Der daheim von Justizermittlungen, Korruptionsvorwürfen und anderen Affären bedrängte Bourbone ist förmlich untergetaucht. Die Zeitung ABC spricht von einer "eisernen Informationsblockade", bei der in Abu Dhabi sogar die trickreichsten Paparazzi erfolgreich auf Distanz gehalten werden. Juan Carlos soll und will dem bereits heftig ramponierten Image des spanischen Königshauses, das seit seiner Abdankung vor gut sieben Jahren von seinem Sohn Felipe VI. geleitet wird, keinen Schaden mehr zufügen.

Eine Rückkehr nach Spanien stehe daher derzeit überhaupt nicht zur Debatte, schrieben am Sonntag unisono zwei Zeitungen, die über sehr gute Kontakte in den Zarzuela-Palast nordwestlich von Madrid verfügen, das konservative El Mundo und die monarchistische ABC. Zumindest nicht bevor alle Justizermittlungen abgeschlossen seien. Die Journalistin und Schriftstellerin Pilar Eyre, die sich im Königshaus ebenfalls sehr gut auskennt, geht viel weiter als diese Medien. "Ich glaube, dass er (Juan Carlos) niemals zurückkehren wird. Er wird im Exil sterben", sagt die 69-Jährige. Doch der Tod des körperlich stark geschwächten Ex-Monarchen im Exil sei das, was dem Königshaus und der Regierung derzeit die größten Sorge bereite, schrieb Eyre anlässlich des Jahrestages auf Twitter. So sieht das auch die Königshausexpertin von El Mundo: "Das wäre ein Skandal, wenn er im Ausland stirbt. Das würde Felipe schwer in Mitleidenschaft ziehen", so Marina Pina.

Genau vor einem Jahr verließ der Altkönig sein Heimatland heimlich und mit unbekanntem Ziel. Inmitten wilder Medienspekulationen ließ sich das Königshaus damals zwei Wochen Zeit, um das Geheimnis zu lüften. Die Verwunderung war groß, auch die Empörung. Beim Juniorpartner der linken Regierung war sogar von "Flucht" die Rede, obwohl Juan Carlos’ Anwalt beteuerte, sein Mandant stehe der spanischen Justiz weiterhin zur Verfügung. Royals und Regierung hatten zunächst die Hoffnung gehegt, der Abgang werde die Wogen der Skandale relativ schnell glätten. Der Auslandsaufenthalt werde wohl nur einige Monate dauern, schätzten auch Medien. Doch die Hoffnungen erfüllten sich nicht. Das Oberste Gericht und auch die Steuerbehörden leiteten seit Juni 2020 im Zusammenhang mit den mutmaßlich illegalen Finanzaktivitäten von Juan Carlos mehrere Ermittlungen ein. Es geht um den Verdacht des Steuerbetrugs und der Geldwäsche, um mutmaßliche Schmiergeldzahlungen beim Bau einer Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke in Saudi-Arabien, um angeblich nicht deklarierte Spendeneinnahmen und auch um geheime Bankkonten im Ausland. Stellungnahmen oder Dementis gab die "Casa Real" bisher überhaupt nicht ab. Juan Carlos schweigt und versteckt sich, untätig blieb er in Abu Dhabi aber nicht. Zur Abwendung eines Strafverfahrens wegen Steuerbetrugs zahlte er Ende 2020 zunächst gut 678 000 Euro, im Februar dieses Jahres weitere knapp 4,4 Millionen an Steuerschulden nach, wie sein Anwalt bestätigte. Diese Nachzahlungen zogen neue Ermittlungen der Behörden nach sich, bei vielen Kritikern wuchs die Empörung.

In Abu Dhabi wurde Juan Carlos laut Medien bisher nur von seinen Töchtern Elena und Cristina besucht. Der Mann, der knapp 39 Jahre lang König war und als "Retter" der spanischen Demokratie gefeiert wurde, weil er 1981 eine Putschistengruppe mit einer resoluten Rede zur Aufgabe zwang, verbringt den Lebensabend abgeschirmt, einsam und verpönt.